Biathlon und Surfen Lucas Fratzscher will die Welle weiterreiten

Biathlet Lucas Fratzscher hat sich bei den Deutschen Meisterschaften empfohlen. Kurze Entspannung findet er an der Algarve beim Surfen.

Freude und Entspannung: Erst bejubelt Biathlet Lucas Fratzscher zwei Silbermedaillen bei den Deutschen Meisterschaften, anschließend entspannt er beim Surfen in Portugal. Foto:  

Seit diesem Montag hat der Biathlon-Alltag Lucas Fratzscher wieder. Die Woche zuvor nutzte der Skijäger indes für eine kleine, verdiente Auszeit. Nach den schweißtreibenden Sommer-Trainingswochen im Juli und August und den Deutschen Meisterschaften im Bayerischen Wald bot sich letztmals vor dem Winter die Gelegenheit, physisch und mental zu regenerieren.

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Oberhofer Medaillenregen: Die Trainingskollegen Lucas Fratzscher, Philipp Horn und Justus Strelow nach dem Einzelrennen bei der Deutschen Meisterschaft. Foto: Kevin Voigt

Lucas Fratzscher, einer der Gewinner der Titelkämpfe am Arber, frönte bei seinem Kurz-Abstecher nach Portugal an die Algarve einem Hobby, dem wohl nur wenige Biathleten aus Mitteleuropa nachgehen: Surfen. „Ich mache das jetzt schon sechs oder sieben Jahre lang und bin gerade mit einem Kumpel unterwegs“, sagt Fratzscher, „für mich ist es Spaß und Entspannung pur, gerade nach dem stressigen Wettkampf-Wochenende.“

Schnittmengen zum Biathlon findet der Athlet vom WSV Oberhof spontan nur wenige. „Koordination und Ausdauer fallen mir ein“, sagt Fratzscher, „und Surfen ist wie Biathlon sehr komplex.“ Ja, viele Sportarten sehen beim Betrachten meist leicht und locker aus, doch dahinter steckt weit mehr. „Allein das erste Mal auf das Brett zu kommen, ist eine Challenge gewesen“, bekennt der Sportsoldat. Mittlerweile sei er fünf bis sechs Stunden täglich im Atlantischen Ozean mit seinem Surfbrett unterwegs. „Das ist dann auf Strecke auch intensiv“, beurteilt er.

Auf den Wellen, die Lucas Fratzscher momentan vor Portugals Küste reitet, will er gerne auch in seiner Kernsportart weitersurfen. Mit zwei zweiten Plätzen und jeweils Meisterschaftssilber sowie Rang sechs im Sprint setzte der aus Schleusingen stammende Skijäger ein dickes Ausrufezeichen bei den Meisterschaften auf Skirollern. „Ich bin schon sehr zufrieden mit den drei Rennen, vor allem mit dem Abschluss am Sonntag“, bilanziert er die Titelkämpfe. In der finalen Verfolgung lief er als Sprint-Sechster bis auf Platz zwei vor und düpierte dabei gleich mehrere Auswahlkollegen.

Auffallend: Neben Justus Strelow glänzte er mit den schnellsten Schieß- und Schießstandzeiten. „Ich habe schon immer schnell geschossen und das in diesem Jahr auch verstärkt trainiert“, sagt er. Auch mit dem Laufen und dem Liegendschießen sei er zufrieden, stehend hingegen gebe es noch „Luft nach oben“. Die aktuell stabile Form resultiere aus einer guten Vorbereitung. Fratzscher: „Ich bin gesund und verletzungsfrei durch den Sommer gekommen. Das lief bisher richtig rund.“

Rund soll es mit dem Gewehr auf dem Rücken auch nach dem Surf-Ausflug weiterlaufen. Da die Meisterschaftsergebnisse prozentual in die Qualifikation für den Weltcup einfließen, hat Lucas Fratzscher seine Ausgangsposition hierfür verbessert. Er zählt zwar nicht zur achtköpfigen Ia-Kernmannschaft, besitzt aber die Möglichkeit, sich bei den Ausscheidungsrennen im November für die Weltcup-Mannschaft zu qualifizieren. Ob die Quali-Rennen in Idre in Schweden oder womöglich in Ruhpolding stattfinden, ist noch offen.

In den vergangenen Jahren war der Routinier meist gut im IBU-Cup unterwegs, versemmelte jedoch manche Chance bei seinen Auftritten im Weltcup. „Es ist natürlich leichter, gleich von Beginn an im Weltcup dabei zu sein“, urteilt er und verrät einen weiteren, interessanten Aspekt: „Die Qualifikation ist ein Ziel, aber es geht auch darum, für den Winter ein gewisses Leistungsvermögen aufzubauen.“

Um im Idealfall an den Olympischen Spielen im Februar in Italien teilnehmen zu können. „Natürlich möchte ich bei Olympia dabei sein, genau so, wie ich zuvor immer bei Weltmeisterschaften dabei sein wollte“, sagt Lucas Fratzscher und ergänzt: „Jeder hat viele Träume im Leben.“ Soll heißen: Falls er das große Ziel wieder einmal verpassen sollte, dreht sich die Erde weiter um die Sonne.

Die Gelassenheit hierfür gibt ihm eine Zukunftsvision, die er nach seiner Karriere ins Auge gefasst hat. „Biathlon ist nicht alles in meinem Leben, denn danach kommt noch einiges. Dass ich dies verinnerlicht habe, hat mir mental sehr gut getan“, betont er. Wohin ihn der berufliche Ritt – um wieder zum Surfen zu kommen – führen wird, wollte er noch nicht verraten. Nur so viel: Surflehrer will Lucas Fratzscher nicht werden.