Biathlon Sind Sommer-Wettbewerbe die Zukunft?

Sandra Degenhardt
Meinungsstark: Der Oberhofer Erik Lesser. Foto: dpa//Vesa Moilanen

Immer weniger Schnee – das erfordert neue Denkweisen. Erik Lesser stößt eine Diskussion an.

Im Winter locken die Biathleten Millionen Fans vor den Fernseher, die Weltcups in Oberhof und Ruhpolding sind Massenevents. Doch bleibt das angesichts des Klimawandels so oder verlagert es sich verstärkt in den Sommer? Für Ex-Weltmeister Erik Lesser ist das keine Utopie. „Ich denke, in die Zukunft geblickt, wird es wohl die Sportart sein, die sich durchsetzt im Biathlon“, sagte der ARD-Experte, der nach der Vorsaison seine Karriere beendet hatte. „Wir werden irgendwann weniger Winter-Biathlon sehen“, meinte der Oberhofer.

Der Weltverband IBU blickt schon voraus, die Rennen im Sommer haben für den Verband einen hohen Stellenwert. „Wir wollen es in den nächsten Jahren noch weiter entwickeln“, berichtete Ex-Biathlet Daniel Böhm, Sport-und Eventdirektor der IBU, dem Portal chiemgau24.de. Auch aufgrund der klimatischen Veränderungen sehe der Verband die Sommer-Wettkämpfe als Chance für die gesamte Sportart. „Wir dürfen die Augen vor der Zukunft nicht verschließen. Wir wissen angesichts des Klimawandels nicht, was mit dem Wintersport mittel- und langfristig passieren wird. Da ist der Sommerbiathlon sicherlich eine Option, unsere Sportart auf ein zweites Standbein zu stellen“, sagte Böhm.

Noch haben die Sommer-Wettbewerbe keinen großen sportlichen Wert. „Es ist schön, sich Weltmeister zu nennen“, sagte Supersprint-Gewinner Philipp Horn von SV Eintracht Frankenhain bei der 26. Sommer-WM in Ruhpolding. Mehr aber auch nicht, denn bislang ließen die Top-Nationen das Event immer links liegen. Um mehr als eine Standortbestimmung ging es auch im bayerischen Biathlon-Mekka nicht, wo die Vertretungen aus Norwegen und Frankreich fehlten.

Die Etablierung im Sommer stehe und falle „natürlich auch mit den Athleten, die teilnehmen. Dazu müssen wir die Kalenderplanung mit den Verbänden abstimmen“, sagte Böhm. „Zu viele Wettkämpfe sollten es im Sommer nicht sein. Der Winter ist das A und O, wir können nicht das ganze Jahr topfit sein“, erklärte Frauen-Disziplintrainer Kristian Mehringer. „Wir werden in Zukunft entscheiden, wie was Sinn macht.“

 

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