Biathlon Lessers Erben

Ein Jahrzehnt Weltklasse: Erik Lesser. Wer tritt in Oberhof in seine Fußstapfen? Foto: imago

Bei der Biathlon-Heim-WM wird Erik Lesser nicht mehr dabei sein. Doch wer könnte am Stützpunkt in Oberhof das Erbe des Ex-Weltmeisters antreten? Vier ambitionierte Athleten vom Rennsteig streiten an diesem Wochenende im Trainingslager in Finnland um die zwei noch freien Plätze im Weltcup-Team. Wir stellen ihnen das Quartett vor, natürlich mit der Expertise ihres einstigen Kollegen.

Philipp Horn

Vita: Seit der verpassten Olympia-Teilnahme („eine große Enttäuschung für mich“) läuft es bei dem gebürtigen Arnstädter in diesem Jahr. Erst die Hochzeit mit Neu-Biathletin Antonia Horn (zuvor Fräbel), dann viel umjubelter Gewinner bei der Sommer-Weltmeisterschaft in Ruhpolding und eine Woche später zweifacher Deutscher Meister auf Rollski in Oberhof, in seinem Wohnzimmer. Dort will der laufstarke Athlet vom SV Eintracht Frankenhain auch bei der Heim-WM im Mittelpunkt stehen. Größter Erfolg: WM-Bronze 2020 mit der Staffel in Antholz.

Das sagt der Athlet: „Das Training läuft gut. Natürlich steigt jetzt die Nervosität, denn die Quali-Rennen sind extrem wichtig für mich, um zum Saisonauftakt dabei zu sein. Ich muss mich auf die technischen Aspekte beim Schießen konzentrieren, muss ruhig bleiben. Man weiß um diese Jahreszeit nie, wo man richtig steht. Ich bin gespannt, für was es am Ende reicht. Mein Ziel ist natürlich die Quali, dafür habe ich das ganze Jahr hart gearbeitet.“

Das sagt Erik Lesser: „Jedem sind noch die Bilder im Kopf, als Philipp zur WM in Antholz im Sprint zum Fourcade-Killer avancierte. Dort sehe ich ihn auch. Sein physisches Vermögen und seine Lauftechnik gehören in die Weltspitze. Für ihn gilt es hier und da den Kopf auszuschalten und nicht jeden Fehler zu zerdenken. Wenn er seine kleine Schwäche, das Liegendschießen, abstellt, sehe ich keinen Grund, ihn nicht im Weltcup zu sehen.“

Lucas Fratzscher

Vita: Immer auf dem Sprung, dann aber doch nicht der große Wurf – so könnte man die bisherige Laufbahn des gebürtigen Suhlers, der in Schleusingen aufwuchs, nennen. 2020 gewann er dank konstanter Leistungen die Gesamtwertung im IBU-Cup und zählte somit zum Weltcup-Team. Die Einsätze auf großen Bühne verliefen allerdings nur selten nach den Vorstellungen des einstigen Leichtathleten. Seit Saisonbeginn trainiert der Skijäger vom WSV Oberhof verstärkt am Stützpunkt im Schwarzwald, um so mehr Zeit in der Nähe seiner Freundin, einer Französin, verbringen zu können.

Das sagt der Athlet: „Ich bin gesund, bin gut drauf, fühle mich gut, das Training passt – das spricht alles für gute Quali-Wettkämpfe. Ich gebe natürlich Vollgas in den beiden Rennen. Die Wettkämpfe haben natürlich einen hohen Stellenwert, jeder will schließlich gleich zu Beginn der Weltcup-Saison dabei sein. Ich hoffe, dass es sich für mich am Ende ausgeht. Mein großes Ziel ist natürlich die Heim-WM in Oberhof. Dort zu laufen, wäre ein Traum.“

Das sagt Erik Lesser: „Mit seinen Siegen, guten Ergebnissen und konstanten Leistungen in den zurückliegenden IBU-Cup-Serien sollte jetzt endlich die Zeit gekommen sein, dass Lucas seinen Platz im Weltcup findet. Leider ist es ihm nicht immer gelungen, seine Vorstellungen auch im Weltcup äquivalent zum IBU-Cup zu zeigen. Genau das wird wohl das Hauptziel sein, um sich nachhaltig für die Heim-WM in Oberhof anzubieten. Das Potenzial dazu hat er.“

David Zobel

Vita: Die Überraschung des Olympia-Winters: In letzter Sekunde sicherte er sich mit starken Auftritten im Weltcup das Olympia-Ticket, blieb in Peking aber ohne Einsatz. Der gebürtige Starnberger trainiert seit vielen Jahren am Rennsteig und schätzt das gute Klima in der Trainingsgruppe. Zuvor ist er am bayerischen Stützpunkt in Mittenwald durch die bekannt gute Schule von Bernhard Kröll, Entdecker von Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier, gegangen. In Oberhof lebt er mit seiner französischen Freundin, gleichfalls Biathletin. Weilt sie in Thüringen, trainiert sie oft mit der Männer-Gruppe.

Das sagt der Athlet: „Mir geht es gut, ich bin gut drauf, wir haben guten Bedingungen hier in Vuokatti, es passt alles. Jetzt wird es Zeit, dass Wettkämpfe sind und wir uns präsentieren können. Natürlich hat diese Quali einen hohen Stellenwert, denn es entscheidet sich, ob man im Welt- oder IBU-Cup startet. Aber die Welt geht nicht unter, wenn es nicht klappt, denn danach gibt es noch genügend Chancen zum Anbieten für die WM in Oberhof, die mein großes Ziel ist.“

Das sagt Erik Lesser: „Auch wenn er als FC-Bayern-Fan schwer erträglich ist: David ist menschlich eine Bereicherung für jede Mannschaft und natürlich auch für die Trainingsgruppe in Oberhof. Dazu zeigt er konstante Leistungen. Durch seinen achten Platz beim letzten Weltcup-Wochenende in Oslo hatte er definitiv genügend Motivation, sich physisch weiter zu verbessern, wobei er bei der Deutschen Meisterschaft im September Schwächen im Schießen zeigte.“

Justus Strelow

Vita: SG Stahl Schmiedeberg. Den Namen dieses Vereins aus einem Ortsteil von Dippoldiswalde trägt der Sportsoldat in die weite Welt hinaus. Seit 2016 trainiert der Sachse, dessen Vorbild Sven Fischer ist, mittlerweile in Oberhof, das er als „meine Wahlheimat“ bezeichnet. Der starke Schütze befindet sich wie seine drei Oberhofer Trainingskollegen, die mit ihm an diesem Wochenende um die Weltcuptickets streiten, stets auf dem Sprung nach oben. Der große Durchbruch soll nun in der nacholympischen Saison gelingen. Größter Erfolg: Europameister 2020 in der Single-Mixed-Staffel.

Das sagt der Athlet: „Ich bin gesund und fit. Das Training läuft normal und ich bin sehr zuversichtlich für die Quali-Wettkämpfe. Grundvoraussetzung für mich ist ein gutes Ergebnis am Schießstand. Läuferisch will ich gegenhalten und meine positiven Ansätze vom Sommer fortsetzen. Ein Weltcup-Startplatz ist natürlich immer besser. Ansonsten müsste man den schweren Umweg über den IBU-Cup gehen. Dort muss man sich aber auch erst einmal durchsetzen.“

Das sagt Erik Lesser: „Unser Denker in der Trainingsgruppe, im Team. Mit halber Olympianorm ist er nicht zu den Winterspielen nach Peking geflogen, hat sicher aber im IBU-Cup als verlässlicher Leistungserbringer gezeigt. Justus kann man 24/7 anrufen, ihn immer für die Staffel aufstellen – und man wird nie enttäuscht. Auf der Loipe hat er seine Defizite, aber am Schießstand gehört er in der Mannschaft absolut zu den stärksten.“

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