Beschußanstalt Wertvolle Waffenschenkung ans Museum

red

Eine große Waffenschenkung erhielt Zella-Mehlis jetzt von einem gebürtigen Zella-Mehliser. Klaus Spörer, der heute in der Nähe von Düsseldorf lebt, hat seine Sammlung dem Stadtmuseum in der Beschußanstalt übergeben.

Klaus Spörer (links), der bei Düsseldorf lebt, schenkt seine Sammlung Suhler und Zella-Mehliser Kurzwaffen seiner Heimatstadt. Foto:  

Einen besonderen Schatz haben Museumsleiter Lothar Schreier und Mitarbeiter Frank Eiselt vor wenigen Tagen in Kaarst bei Düsseldorf abgeholt. Klaus Spörer, leidenschaftlicher Sammler von Waffen aus Zella-Mehlis und Suhl, hat 65 Trommelrevolver, Selbstladepistolen, Sportpistolen, Taschenpistolen und Polizeiwaffen an seine Heimatstadt übergeben.

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Klaus Spörer verlebte seine Kindheit im elterlichen Haus auf dem Eisenberg Nummer 41, in Mehlis. Hier war die Firma seines Großvaters August Wahl angesiedelt. In dem Familienbetrieb wurden auch Teile für ortsansässige Waffenfirmen oberflächenbehandelt, also beispielsweise geschliffen, poliert oder galvanisiert. Sein Großvater war in der Mehliser Schützengesellschaft engagiert und wurde auch einmal Schützenkönig. Ein Bild von ihm hängt heute noch im Thüringen-Schießstand auf der Zellaer Höhe.

„Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit in Zella-Mehlis. Ich habe die Hugo-Jacobi-Schule besucht. Wir haben oft in der Struth gespielt – auf der endlosen Wiese stand noch kein einziger Wohnblock. Im Sommer haben uns die Teiche und der Bach angelockt, im Winter gab es diverse Hügel, erst zum Rodeln, später zum Skifahren“, erzählt Klaus Spörer. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon in Düsseldorf. Klaus Spörer und seine Mutter folgten ihm im Jahr 1952, als er elf Jahre alt war, und seine ältere Schwester kam mit ihrer eigenen Familie einige Jahre später ebenfalls nach.

„Das war eine abenteuerliche Reise für uns. Wir sind mit dem Zug nach Berlin gefahren und dann mit der Straßenbahn von Ost- nach Westberlin. Dort waren wir zunächst in einem Flüchtlingslager, bevor wir mit dem Flugzeug von Berlin nach Hamburg ausreisen konnten. Das war mein allererster Flug.“ Von Hamburg ging es mit dem Zug nach Düsseldorf, wo die Familie heimisch wurde.

Kurzwaffen aus Suhl und Zella-Mehlis

Klaus Spörer lernte einen Beruf, der in seiner alten Heimat ebenfalls typisch ist – Werkzeugmacher. Er arbeitete zunächst im Unternehmen „Rheinmetall“, schulte später jedoch um und war bis zum Vorruhestand in ganz Deutschland unterwegs, um Computer zu reparieren. „Damals waren die Computer noch so groß, dass man in die Fabriken oder die Büros fahren musste, um sie vor Ort zu reparieren“, sagt er. Regelmäßig besuchte er jedoch auch seine Geburtsstadt und nahm an ihrer Entwicklung regen Anteil. Außerdem entwickelte er ein besonderes Hobby: Er sammelte Waffen, und zwar ausschließlich Kurzwaffen, die in Zella-Mehlis oder in Suhl produziert worden waren. Dafür besuchte er immer wieder die Waffenmesse in Dortmund, die später nach Kassel verlegt wurde.

„Mich hat insbesondere die Technik dieser Waffen interessiert. Das Schießen habe ich einige Male auf dem Schießstand ausprobiert, aber das ist nichts für mich. Gerne hätte ich noch mehr über die Geschichten der einzelnen Waffen erfahren, doch das war in den meisten Fällen nicht möglich.“ Die Geschichte einer Pistole 08 Krieghoff Suhl ist aber eine ganz besondere. „Die habe ich 2008 über ein Inserat gefunden und der Verkäufer hat mir von ihrer Herkunft erzählt.“ Demzufolge war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bei Quakenbrück ein deutscher Pilot notgelandet und wurde ausgeraubt. Derjenige, der die Pistole ergattert hatte, bekam jedoch schnell ein schlechtes Gewissen und aus Angst vor Verfolgung versteckte er die Pistole in einer Scheune, auf dem obersten Dachbalken. Erst Jahrzehnte später wurde die Waffe wiederentdeckt.

„Mir geht es gesundheitlich nicht mehr so gut und da fängt man eben an, sich um alles zu kümmern“, sagt Klaus Spörer beim Gedanken an seine umfangreiche Waffensammlung. 65 Stück aus Suhl und Zella-Mehlis hat er zusammengetragen. „Mein Sohn interessiert sich nicht für Waffen. Daher habe ich entschieden, dass die Waffen dorthin sollen, wo sie hingehören“, sagt er und meint damit seine Geburtsstadt.

Im Stadtmuseum sind die Freude und Aufregung angesichts der immensen Schenkung groß. „Wir forschen uns erst ganz langsam hinein, schauen uns jede einzelne Waffe an und erarbeiten uns Stück für Stück, was für einen Schatz wir da bekommen haben“, sagt Lothar Schreier. In zwei Kisten mit allen Unterlagen hat er mit Mitarbeiter Frank Eiselt – beide haben Waffenbesitzkarten – die Sammlung bei Klaus Spörer abgeholt. „Man hat gespürt, dass es ein besonderer Tag für ihn war. Solch eine Sammlung gibt man sicherlich nicht leichten Herzens weg.“

Einige der Waffen werden die Ausstellung bereichern. Doch natürlich bedeutet dieser Schatz auch eine große Aufgabe fürs Museumsteam: Es geht nicht nur darum, die Waffen sorgfältig zu katalogisieren und für die Nachwelt zu erhalten, sie müssen auch den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, die für alle Schusswaffen gelten, aufbewahrt werden. Lothar Schreier schätzt, dass jede einzelne Waffe im Durchschnitt 300 Euro wert ist, also auch in finanzieller Hinsicht ist es ein großes Geschenk.