Berufsschule Sonneberg Politische Unterstützung für Berufsschulstandort Sonneberg

Die Sonneberger Landtagsabgeordnete Beate Meißner sprach vor wenigen Tagen mit dem Leiter der SBBS, Foto: /privat

Die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg sorgt sich um den Abzug wichtiger Ausbildungsberufe. Die Landtagsabgeordnete Beate Meißner sieht die Vorhaben der Landesregierung ebenfalls kritisch.

Sonneberg - Um sich ein Bild über die aktuelle Situation zu machen, besuchte die Landtagsabgeordnete Beate Meißner vor Kurzem die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg. Im Gespräch Schulleiter Steffen Werner, ging es neben den Auswirkungen des aktuellen Pandemiegeschehens auch um neue Projekte. Das Hygienekonzept der Schule funktioniert tadellos. Momentan können so bis zu 300 Schüler der insgesamt 1000 die SBBS besuchen.

Selbstverständlich habe es unter den Schülern und Lehrkräften vereinzelt auch Coronainfektionen gegeben, doch fanden diese ihren Ursprung im privaten Umfeld, so der Schulleiter. Testungen erfolgen freiwillig und werden sowohl von Lehrkräften, technischem Personal als auch Schülern wahrgenommen.

Beim Distanzunterricht und der Nutzung der Thüringer Schulcloud profitiere man von den Erfahrungen als „Digitale Pilotschule“: „Den Onlineunterricht gestalten unsere Lehrkräfte in einer Art Vorlesung. Das funktioniert sehr gut, auch weil die Lehrerinnen und Lehrer hier sehr ambitioniert sind, unsere Vorreiterrolle zu schätzen wissen und sehr ernst nehmen“, so Schulleiter Werner.

Die SBBS wurde in Eigeninitiative Anfang 2019 auf Grund eines ausgearbeiteten Konzeptes als eine von 22 Schulen in Thüringen (davon nur eine weitere Berufsschule) für dieses Förderprogramm ausgewählt. Dabei werden dem Landratsamt Sonneberg als Schulträger über einen Zeitraum von fünf Jahren jeweils etwa 25 000 Euro zur Verfügung gestellt. Digitaler Stammtisch, Arbeit mit dem Activeboard, Digitales Klassenbuch sind hier nur einige erwähnenswerte Schlagworte.

Seit November 2020 läuft nun der infrastrukturelle digitale Ausbau des Schulnetzwerkes. Hinsichtlich der Umsetzung und dafür benötigter technischer Voraussetzungen gebe es jedoch noch Gesprächsbedarf. Die Abgeordnete versprach, sich auch als Mitglied des Fördervereins der SBBS diesbezüglich mit Landrat Hans-Peter Schmitz in Verbindung zu setzen, um im konstruktiven Austausch eine zufriedenstellende Lösung für alle herbeizuführen.

Überzeugt von der Innovationskraft des Schulstandortes wies sie in diesem Zusammenhang auf eine Initiative der CDU-Landtagsfraktion hin. „Uns ist es gelungen, im Landeshaushalt 2021 fünf Millionen Euro für die Digitalisierung von Berufsschulen einzustellen. Ich werde dafür werben, dass hierbei die guten Erfahrungen unserer SBBS im Hinblick auf die speziellen Bedarfe der berufsbildenden Schulen genutzt werden und digitale Lehrgänge und Unterrichtseinheiten auch von Landesseite gefördert werden“ so Meißner.

Doch nicht nur die „Digitale Pilotschule“ macht die SBBS zu einer Berufsschule mit Alleinstellungsmerkmal sondern auch weitere innovative Projekte wie das MINT-Förderprogramm des Bundes. Ideen gibt es hier schon viele, die aufgrund von Corona aber noch warten müssen – 3-D-Drucker, Lasercutter, das Fabrikationslabor und verschiedene Modellbauprojekte stehen bereits zur Erforschung durch die Schüler bereit.

Erst vor kurzem erreichte die Berufsschule zudem eine weitere gute Nachricht. Für eine Zusammenarbeit mit dem Wissenschafts-Projekt H2-Well wurde eine Förderung in Höhe von 245 000 Euro bewilligt. Hierbei werden wasserstoffbasierte Aus- und Weiterbildungsangebote und die Entwicklung eines Berufsbildes des H2-Technikers gefördert. „Ein wichtiger Schritt für unsere Region“, freut sich die Landtagsabgeordnete.

Sorgenfalten bereiten dem Schulleiter jedoch die Änderungsvorschläge des von Helmut Holter (Linke) geführten Thüringer Bildungsministeriums zur Schulnetzstruktur für Berufsschulen. Alle sechs Jahre wird das Berufsschulnetz im Freistaat überarbeitet, die nächste Novelle folgt zum Schuljahresbeginn 2022/23.

Auch wenn am Sonneberger Standort die Beschulung der Elektroniker und der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik konzentriert werden solle, schmerze der geplante Abzug der Berufe Kaufmann im Einzelhandel, Industriekaufmann und Industriemechaniker und das trotz ausreichender Schülerzahlen und vorhandener personeller und sächlicher Ausstattung.

Die als Begründung angeführte Schaffung von Schwerpunktschulen für artverwandte Ausbildungsberufe greife vielleicht in Großstädten sei aber im ländlichen Raum mehr als unpraktikabel sind sich die Abgeordnete und der Schulleiter einig.

„Der Erhalt eines arbeitsortnahen Berufsschulnetzes ist der Schlüsselfaktor für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Sicherung des Fachkräftenachwuchses im ganzen Land. Eine Konzentration von Berufsschulstandorten entlang der Autobahn 4 wäre daher der bildungs- und wirtschaftspolitische Tiefschlag für die Region, vor allem aber für den ländlichen Raum“, betont die Sonneberger Abgeordnete.

Die CDU-Fraktion im Landtag stehe daher an der der Seite des Thüringer Landkreistages, der erst Anfang Februar von der Landesregierung ein Bekenntnis zu den Berufsschulen im ländlichen Raum und eine Rücknahme der beabsichtigten Einschnitte im Berufsschulnetz forderte. Um den Sonneberger Berufsschulstandort zu sichern und die Landesregierung zum Umdenken zu bewegen, werde sie sich daher zeitnah mit dem Landrat abstimmen.

Eine Schule lebt auch von neuen Schülern. Zum digitalen Tag der offenen Tür der Sonneberger Einrichtung am 27. Februar erhalten Interessenten zahlreiche Informationen.

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