Berlin Lauterbach fordert Signal gegen Lockerungen in Thüringen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow will nur noch lokal auf das Infektionsgeschehen reagieren. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die landesweiten Corona-Vorschriften sollen in Thüringen bald enden. Aus der SPD wird Kritik an dem Linken-Landeschef Bodo Ramelow laut. Karl Lauterbach fordert gar ein Signal des Bundes.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat die Bundesregierung aufgefordert, ein Signal gegen die angekündigten Corona-Lockerungen in Thüringen zu setzen.

«Mit der Entscheidung in Thüringen droht ein bundesweiter Wettlauf der Länder, der aus medizinischer Sicht katastrophal wäre», sagte Lauterbach der «Rheinischen Post». «Das Corona-Kabinett sollte an diesem Montag unbedingt ein Gegensignal setzen, um das zu verhindern.»

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte angekündigt, vom 6. Juni an auf allgemeine, landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften zu verzichten. Damit würden landesweite Regeln zu Mindestabständen, dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten. Anstatt dieser Vorgaben soll es dann regionale Maßnahmen abhängig vom Infektionsgeschehen vor Ort geben. Dafür ist ein Grenzwert von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche im Gespräch.

Lauterbach rief Ramelow zu einer Kehrtwende auf. «Bodo Ramelow sollte seine Entscheidung überdenken und zurücknehmen. Er hinterlässt damit den Eindruck, als knicke er als Ministerpräsident vor Aluhüten und rechtsradikalen Schreihälsen ein und setzt wichtige Erfolge, um die wir international beneidet werden, fahrlässig aufs Spiel.»

Bartsch verteidigt Ramelow

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch hat Ramelow in der Debatte um einer Aufhebung der Coronavirus-Beschränkungen verteidigt. Er sei gegen einen Lockerungswettlauf und für ein möglichst koordiniertes Vorgehen, sagte Bartsch am Montag im Deutschlandfunk. Er sei aber wie sein Parteifreund dafür, die Restriktionen zu regionalisieren: "Wir können nicht dauerhaft Beschränkungen vornehmen, wo es keine Infektionen gibt." FDP-Chef Christian Lindner begrüßte das. Der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann (CSU), sprach in der Bild-Zeitung von einem "hochgefährlichen Experiment".

Lauterbach warnte zudem vor zu großer Sorglosigkeit in der Gastronomie. Es brauche nur noch wenige solcher Fälle wie im Landkreis Leer, damit das derzeitige Freiheitsgefühl der Menschen einer Grundskepsis gegenüber der Gastronomie weiche. Das wäre für die Restaurants das schlimmste Szenario. Deswegen brauche es weiterhin extrem strenge Vorsichtsmaßnahmen und nicht die überall zu beobachtende Lässigkeit. «Kein Essen der Welt kann so gut sein, dass ein Restaurantbesuch eine lebenslang eingeschränkte Funktion von Lunge, Nieren und Hirn rechtfertigen würde.» Man kämpfe seit drei Monaten mit einer Epidemie, die aber leicht zwei Jahre anhalten werde.

 

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