Bergwiesen-Mahdwettbewerb Thüringens beste Sensenmänner und -frauen

Aus allen Ecken Thüringens und darüber hinaus strömten am Samstag rund 1600 Gäste zum 19. Mahdwettbewerb nach Laudenbach. Beim Wettkampf zeigten sich die Einheimischen stark.

Katrin Lange ist erschöpft, aber zufrieden. Sie sei wohl mit Sense und Rechen großgeworden, aber gemäht habe sie schon ewig nicht mehr, sagt die Frau aus dem Altenburger Land, die mit ihrem Mann nach Trusetal gekommen ist. Dass es beim Wettbewerb auf Anhieb wieder so gut geklappt hat, verdanke sie ihrem Gastgeber, dem Trusetaler Gerhard Raßbach, der ihr am Abend zuvor noch einen Crashkurs rund um die Sense gab. „Um Mitternacht hat Gerhard angefangen, die Sense zu dengeln“, erzählt sie und muss lachen.

Raßbach gehört zu den Aktiven in der Stadt, die das Rahmenprogramm zum Mahdwettbewerb auf die Beine stellten. Er, Meiko Lesser und ihre Mitstreiter der Projektgruppe Grünes Klassenzimmer scheuten dabei keine Kosten und Mühen. Eine Vogelflugshow der Ruhlaer Falknerei, Mundart-Theater, Trachtentanz und Blasmusik, später auch rockigere Klänge, Kutschfahrten, Streichelzoo, allerlei Kreativangebote für Groß und Klein, gepaart mit einem regionalen Bauermarkt, der einige Spezialitäten vorhielt, vom Fisch bis zum Schwein am Spieß und Pulled Pork.

Von früh bis spät konnten sich die Besucher hier beschäftigen. Nur Schatten mussten sie sich immer wieder einmal unter einem der Pavillons suchen, denn die Sonne brannte zeitweise gnadenlos. Zu spüren bekamen das vor allem die mehr als 60 Teilnehmer des Mahdwettbewerbs, die unter dem heißen Stern die Sensen schwangen. Nach der Coronapause hatte der Landschaftspflegeverband Thüringen (LPV) nun zur 19 Auflage eingeladen. Zahlreiche Mitarbeiter und Helfer des Verbandes waren vor Ort, darunter Projektleiterin Maya Ehmig. Ina Worm und Uwe Börner werteten die Wertungsbögen der dreiköpfigen LPV-Jury aus und die hatte alle Hände voll zu tun.

60 Punkte konnte jeder Teilnehmer auf der ihm zugeteilten Parzelle erreichen, eine Zeitvorgabe gab es nicht. Wert gelegt wird dagegen auf parallele Schlaufen, die sogenannte Schwad, deren gleichmäßige Breite und ein dachziegelartiges Muster. Dazu kommt eine Schnitthöhe von drei bis fünf Zentimeter, durchgemähte Ränder und ein gleichmäßiges Schnittbild. Dabei waren die Bedingungen alles andere, als einfach. Hitze und Trockenheit ließen das Gras in den Tagen vor dem Wettbewerb schon bedrohlich gelb werden. „Du musstest die Sense richtig aufdrücken, um alle Halme einzufädeln“, beschrieb es Meiko Lesser. Zumindest hatten alle Teilnehmer dieselben Bedingungen, ergänzte Gerhard Raßbach. „Mähen ist eben ein Freiluftsport, wie Skilaufen. Da sind die Bedingungen auch nicht immer ideal.“

Dabei hinterließen die Einheimischen einen starken Eindruck. Allen voran die „Brotteröder Sissewaez’r“, die den Mannschaftspokal, in Form eines 30 Liter-Fasses der Watzdorfer Brauerei, mit nach Hause nahmen. Zu Gast waren unter anderem auch Ex-Landrat Ralf Luther, Andreas Trautvetter, Florian Meusel vom Verein Naturpark Thüringer Wald und Denis Peisker von der Thüringer Naturschutzstiftung, mit der das Team des Grünen Klassenzimmers künftig enger zusammenarbeiten wolle, sagt Lesser ein Riesenlob an seine Mannschaft, alle Freunde, Helfer und Unterstützer aussprach.

Dazu gehört auch Bürgermeister Kay Gossmann, der sich auch beim Mähen nicht lumpen ließ und seine Parzelle souverän runterholte. Die Sense, so Gossmann in seiner Eröffnung, sei ein Fossil unter den Agrargeräten, allerdings eines, dass nicht aussterbe.

Bis in die Nacht wurde auf dem Feld getanzt und gesungen. Die Stimmung sei bombastisch gewesen, so Lesser. Vor allem bei den „Chips“ später am Abend, aber auch bei Heike Fendter, den Linedancern, André am Akkordeon und Tanja am Mikro und dem Musikverein Brotterode um Karsten Fuchs. Schon zum dritten Mal fand der Mahdwettbewerb in Trusetal statt. Die Freunde und Helfer des Lerndorf-Vereins, die bis aus Eisenach, Suhl und Gotha kommen, um hier aktiven Umweltschutz zu leben, haben gezeigt, dass sie es noch können, freute Meiko Lesser am Sonntag am Telefon.

Das sind die Sieger
Frauen über 50 Jahre: 1. Martina Kümpel, Andenhausen, 2. Hertha Reiß, Ruhla/Thal, 3. Sabine Abe, Frankenheim/Rhön;
Frauen unter 50 Jahre: 1. Emmelie Lesser, Leipzig, 2. Daniela Hofer, Eisenach, 3. Nancy Storch, Fambach;
Männer über 60: 1. Manfred Oschmann, Ernstroda, 2. Georg Bodendorf, Brotterode, 3. Manfred Dölle, Markvippach;
Männer unter 60: 1. Mike Schmidt Brotterode, 2. Meiko Lesser, Laudenbach, 3. Bernd Fiedler (Schalkau)
jüngster Teilnehmer: Valentin Nothnagel, vier Jahre, aus Steinbach-Hallenberg;
ältester Teilnehmer; Siegfried Reiß, Ruhla mit 83 Jahren;
Alle Ergebnisse werden diese Woche auf der Internetseite des LPV veröffentlicht: www.lpv-thueringer-wald.de

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