Trocken statt nass K+S startet Umbau der Kali-Produktion

Nicole Schippers

K+S krempelt sein Werk Werra um: Statt salziger Abwässer soll es bald ein trockenes Verfahren zur Rohsalzaufbereitung geben. Was das für die Umwelt bedeutet.

Der Kasseler Düngemittelkonzern K+S treibt sein Transformationsprojekt Werra 2060 voran. Am Fabrikstandort Wintershall in Heringen/Werra haben Umbauarbeiten im Rahmen des Projekts begonnen. Werra 2060 soll die Produktion des Konzerns im hessisch-thüringischen Grenzgebiet bis 2060 sichern. Mit dem rund 600 Millionen Euro teuren Umbau will K+S zudem den CO2-Ausstoß und die Abwässer deutlich senken. 

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Dazu wird jetzt ein bestehendes Gebäude des Werks Werra erweitert, in dem Kalirohsalz aufbereitet wird. Nach Abschluss des Umbaus soll das Aufbereitungsverfahren dann umgestellt werden. 

Umstellung des Aufbereitungsverfahrens

Rund 65 Prozent des Rohsalzes werden laut K+S derzeit nass aufbereitet. Das Rohsalz wird dabei in Wasser oder einer heißen Lösung aufgelöst, um Wertstoffe von Begleitmaterialien zu trennen. Dabei fallen salzhaltige Haldenabwässer an, die die Umwelt belasten. Die Entsorgung dieser Wässer ist seit Jahrzehnten ein ökologisches und politisches Streitthema. Es versalzt die Werra und die Weser, in die der Fluss mündet, und sie   ist eine immerwährende Gefahr für die Natur und das Grundwasser such im westlichen Wartburgkreis.

Im Laufe des Jahres 2028 soll die Aufbereitung auf ein trockenes Verfahren umgestellt werden. Dabei werden die Partikel unterschiedlich elektrisch aufgeladen und anschließend in einem starken elektrischen Spannungsfeld voneinander getrennt. Bei der sogenannten elektrostatischen Trennung (ESTA) fallen laut K+S keine umweltschädlichen Prozessabwässer mehr an. Dem Konzern zufolge wird die Menge der insgesamt am Werk Werra anfallenden Produktionswässer, die entsorgt werden müssen, so um etwa 50 Prozent reduziert. 

Die verbleibenden festen Rückstände sollen nicht mehr auf die Halde gebracht werden, sondern unter Tage als Versatzmaterial dienen. Dadurch wird die Aufhaldung am Standort Wintershall nach Angaben des Unternehmens um etwa 90 Prozent reduziert, und die Halde hört nahezu auf zu wachsen. 

Flutung in Springen war untersagt worden

Das neue Verfahren senke den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß des Standortes deutlich, sagte der K+S-Vorstandsvorsitzende Christian Heinrich Meyer bei einer Baustellenbegehung. Nach dem Umbau werde das Kaliwerk ein weltweit vorbildliches, hochgradig nachhaltiges und umweltschonendes Werk sein. 

Einer der Gründe für die Umstellung ist  das zunächst gescheiterte Vorhaben, salzhaltige Abwässer in der früheren Grube Springen auf  Thüringer Seite zu lagern. Die Behörden in Hessen und Thüringen sehen ein unkalkulierbares Risiko für die benachbarte Giftmülldeponie Herfa-Neurode und hatten die Flutung zu Beginn des vergangenen Jahres untersagt. K+S  hatte damals angekündigt,juristisch dagegen vorzugehen.

K+S hatte Angaben bereits mehr als 60 Millionen Euro in die Flutung des Bergwerk Springens investiert und 20 Kilometer Rohre verlegt. Durch diese sollten Millionen Kubikmeter Salzabwässer aus dem Kaliwerk Hattorf, die am Standort Wintershall in Heringen zu einer fast gesättigten Lösung angereichert würden, von Hessen nach Thüringen in das Bergwerk Springen fließen.. 

Größter Arbeitgeber der Region

Was mit den auch nach einer Umstellung aufs Trockenverfahren in zwei Jahren noch anfallenden Salzabwässern passieren wird, teilte K+S bei aktueller Gelegenheit nicht mit.

Die riesigen Salzwassermengen, die bei der Kali-Produktion entstehen, dürfen seit 2022 nicht mehr in den Untergrund versenkt werden. Ab 2028 sollen sie auch definitiv nicht mehr über die Werra entsorgt werden. Derzeit bringt K+S Abwässer per Kesselwagen in langen Güterzügen ins niedersächsische Sigmundshall bei Hannover, wo sie in einem stillgelegten Bergwerk dauerhaft entsorgt werden. 

Das Werk Werra mit seien rund 4.400 Mitarbeitern produziert nach Angaben von K+S etwa die Hälfte aller kalium- und magnesiumhaltigen Düngemittel in der EU und kann damit einen Großteil des europäischen Bedarfs decken. K+S beschäftigt insgesamt über 11.000 Mitarbeiter, davon knapp 7.000 in Hessen und Thüringen.