Benshausen feiert Eine Hütte voller Musikanten

Hätte der Schmücke Joel gewusst, wie schön es zum Hüttenmusikantentreffen am Geisenhimmel ist, er hätte auch für die Benshäuser Baude ein Lied schreiben lassen. Aber es gibt ja Gott sei dank genügend Kundige, die immer wieder den Weg hinauf zur Hütte finden.

Sonntagmorgen am Geisenhimmel. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel. Auf den Tischen steht das erste frisch gezapfte Bier. Drei einsame Alphörner warten auf ihren Einsatz. Und dann, Punkt 10.30 Uhr, sind mit einem Mal zwölf Musikanten auf der Bühne, um sich das abzuholen, was ihr Lohn ist: Applaus und gute Laune.

Zum 25. Mal geht das Hüttenmusikantentreffen über die Bühne. Kaum zu glauben, denn auch der Großteil der Mitwirkenden ist 25 Jahre älter geworden. So wie Jahn Görting, der Vater dieses Festes. Im Herzen, da ist er jung geblieben. „Ich hätte mal nie gedacht, dass das so lange Bestand haben würde. Aber wir sind auf der Erfolgsleiter immer höher geklettert. Die Zuschauer werden immer mehr. Da hat man doch keine Zeit, an Wehwehchen zu denken“, schmettert er kraftvoll heraus. So wie er sehen es viele der rund 30 musikalischen Mitstreiter. Ein Teil von ihnen war von Anfang an dabei. Damals, als alles am Domberg startete. Seit Jahren aber ist der Geisenhimmel zum Treffpunkt für die Musikanten geworden. Die meisten denken so, wie Jahn Görting: „Ich bin ein ganz normaler Musikant. Es macht mir Spaß wenn ich Musik für die Leute machen kann, die ihnen gefällt.“

Nun aber sei es endlich mal an der Zeit, diesem Mann ein Dankeschön zu sagen. Das haben sich jedenfalls Klaus Härtl als Betreiber der Hütte, Peter Büttner, als stellvertretender Ortsteilbürgermeister und Roland Schmidt, besser bekannt als Birx, gedacht. Und so hat der Birx eben einfach mal in seiner heimischen Werkstatt eine Schnitzerei plus eines Wanderwegeschildes mit der Aufschrift „Geisenhimmel 1,3 Kilometer“ gefertigt. Beides wurde Jahn Görting feierlich auf der Hüttenmusikanten-Bühne übergeben.

Wie immer hat auch diesmal das Fest mit dem Rennsteiglied begonnen. Während die einen bereits mitschunkeln und mitsingen, erklimmen die anderen erst noch die Wegstrecke bis zum Geisenhimmel. Manch einer tut das lieber im Shuttle, das an diesem Tag den Berg ziemlich oft bewältigen muss. Und schließlich wird auch der Schmücke Joel gemeinsam geschmettert. „Dankeschön, hüsch mitgesunge“, bedanken sich die Musiker bei den Gästen.

Unterdessen ist bei Werner Blacky Hertha Stress angesagt. Er hat in Windeseile ein Programm zusammen gestrickt. Jeder Musikant oder jede Band hat einen Auftritt mit jeweils drei Liedern. Das soll nach Möglichkeit alles klappen. Aber der Blacky, da sind sich alle einig, der macht das schon. Immerhin gehört auch er seit rund 15 Jahren zum Stammpersonal der Hüttenmusikanten. Früher, da hat er selbst mal Tanzmusik, zum Beispiel bei den Eldorados, gemacht. „Heute, da singe ich nur noch“, verrät er schmunzelnd. Obwohl er nun schon so lange das Zepter auf der Hüttenmusikanten-Bühne schwingt, kann er nach so langer Zeit noch immer über das Prinzip der Veranstaltung staunen. „Es ist schon verwunderlich, dass die Musiker einfach nur für eine Bratwurst und ein Bier kommen. Der Applaus vom Publikum ist ihnen Honorar genug.“

Manchmal kommt eben dieser Applaus auch für ausgefallene Einlagen. Spätestens wenn die Brotteröder Ginkerlitzen ihre Anekdoten hervorkramen, wird es lustig. Dann geben sie nämlich zum Besten, dass sie ihre Westen von den Kastelruther Spatzen geborgt und die grünen ausgeflippten Sonnenbrillen von einem großen Sponsor geschenkt bekommen haben.

Immer dabei gewesen, bis auf ein einziges Mal, ist Hans-Joachim (Jockel) Schübel. „Das war letztes Jahr. Und da war ich krank. Mit dem Jahn Görting spiele ich nun schon 46 Jahre zusammen. Für heute habe ich mir drei eigene Lieder ausgesucht“, erzählt er. Dann deutet er auf seine Fingerkuppen, die von Hornhaut etwas dicker sind: „Jeden Tag spiele ich eine Stunde lang Gitarre.“ Das soll er möglichst lange noch tun. Denn auch nächstes Jahr wird es ein Hüttenmusikantenfest geben. Geht es nach Hüttenwirt Klaus Härtl, dann ist ein Ende nicht in Sicht. Das geht natürlich nur, wenn viele Helfer gemeinsam anpacken. Und dabei nicht aufs Geld, sondern auf das Ergebnis schauen.

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