Benshäuser Marktplatz Buntes Tanzfest unterm Lindendach

Hexen und Zauberer, Lichtpunkte und Schamanen sind am Samstag über den Benshäuser Marktplatz gewirbelt. Beim 45. Lindentanzfest standen neben den Tanzhaus-Mitgliedern auch befreundete Vereine auf der Bühne.

Das Gewand, das Emilia trägt, ist nicht gerade sommerlich. „Das sind drei Schichten Klamotten übereinander’, erklärt sie. Auch ihre Mittänzerinnen tragen ein traditionelles Kleid, als sie für den Tanz „Sellenger’s round“ auf die Marktplatzbühne in Benshausen treten. Gut zwei Monate haben sie geübt, damit die Schritte sitzen. Auch einen zweiten Tanz, den Boureé, haben sie vorbereitet. „Unser Lehrer hat mal eine ganze Nacht durchtanzt in Irland. Er war davon so begeistert, dass er es uns beigebracht hat“, berichtet Emilia. Sie tanzt seit sieben Jahren. Schon im Kindergarten entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Bewegung. Inzwischen kommt die Suhlerin jeden Freitag nach Benshausen, um im Tanzhaus zu trainieren.

„Die Kinder stehen heut das erste Mal seit eineinhalb Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne“, sagt Lehrer Jan Eppler. Corona-bedingt hatte er die Tanzgruppe trennen müssen.

Das, was die Kinder auf die Bühne zaubern, ist nur eine von dutzenden Darbietungen, über die dich die Gäste am Samstag freuen können. Vier Stunden füllen sie mit ihrem Können. Dabei wechseln sich traditionelle Programmpunkte mit ganz neuen ab: Einer davon ist der Auftritt von Sara Decker. Sie beweist, dass mit Musik und Bewegung miteinander vereinen kann, auch wenn man im Rollstuhl sitzt. Hinter einem weißen Laken lässt sie einen Lichtpunkt tanzen – und es wirkt, als würden sich dabei auch sie und ihr Rollstuhl im Takt bewegen. Um Bewegung und Stillstand geht es beim Eiszapfen-Tanz, zu dem Jan Eppler alle Kinder auf die Bühne holt. Die Nachwuchstänzer müssen stillstehen, sobald die Musik stoppt. Läuft sie, können sie als Raketen durchs All sausen oder als Störche über die Bühne laufen.

Erstmals präsentieren sich auch die Mitglieder des Benshäuser Karnevalsverein beim Lindentanzfest. „Wir wollten nicht mehr allein auf der Bühne sein und haben alle einladen, die sich mit Musik und Tanz beschäftigen“, begründet Jan Eppler.

Dass nach langer Pause endlich wieder gefeiert werden kann, freut Ortsteilbürgermeister Matthias Kohl. Die Schirmherrin, die Marktlinde, habe schon vor Hunderten Jahren beobachten können, wie die Weinhändler mit ihren Fuhrwerken vorfuhren.

Um Wein dreht es sich auch am Samstag. Wer Lust hat, darf kosten. Vor allem in Weiß und in Rosé passe er als leichter Sommerwein perfekt zu den Temperaturen rund um 30 Grad, ist sich Sabine Wirth sicher. Die Gastronomin aus Meiningen hat gemeinsam mit Tanzhauschef Heiko Denner Wein aus Unterfranken mitgebracht. Um sich im Anschluss zu stärken, brennt natürlich der Rost. Die Eltern der Tänzer und die Mitglieder des Tanzhauses haben außerdem gebacken wie die Weltmeister. Gut 35 Torten und Kuchen sind entstanden, schätzen sie.

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