Benefiz-Aktion für Bedürftige Neuer Kühltransporter für die Tafel tut Not

Die drei ehrenamtlichen Tafel-Helfer Rosemarie Schober, Mike Wils und Bärbel Paschold (rechts) mit dem „Sorgenkind“ der Hilfsorganisation. Das Fahrzeug war einst in Coburg ausgemustert und den Sonnebergern überlassen worden. Nun hat der Transporter das Ende seiner Lebenszeit erreicht. Für eine Ersatzbeschaffung braucht es um die 40 000 Euro. Foto:  

Der Spendenaufruf der Sonneberger Tafel wird gehört: Über 11 000 Euro sind bereits zusammengekommen. Nun will auch der Kreistag eine Zuwendung prüfen.

Sonneberg - Ganz ohne Fingerhakeleien passierte zur vergangenen Kreistagssitzung kein Antrag unter den beteiligten Fraktionen den politischen Betrieb. Egal was aufgerufen wurde, ein Kontra aus dem jeweils anderen politischen Lager war immer zu haben. Das galt auch für jenen Antrag auf „Bezuschussung eines Kühlfahrzeugs für die Sonneberger Tafel“, den Uwe Schlammer für Linke und Grüne einbrachte.

Vorbehaltlich dessen, was der Kreishaushalt hergibt, nannte Schlammer 20 000 Euro als sinnvolle Hausnummer. „Zunächst ist festzustellen, dass es ausgesprochen traurig ist, dass ein so reiches Land wie Deutschland über ein flächendeckendes System an Tafeln verfügen muss.“ In der Praxis, so der Sonneberger, sei es aber nun einmal so, dass viele Menschen für ihre Versorgung auf das Hilfswerk angewiesen sind. Und in Zeiten der Corona-Pandemie sind es nicht weniger geworden.

Wie berichtet (Freies Wort vom 25. Juni) brauchen die Helfer selbst dringend Hilfe. Um die Lebensmittelspenden nach der Abholung frisch und gekühlt an die Tafelausweis-Inhaber weiterreichen zu können, ist ein Kühltransporter vonnöten. Doch hat das derzeitige, zwölf Jahre alte Fahrzeug seine besten Zeiten längst hinter sich – und deutlich über 200 000 Kilometer auf dem Zähler. Dass der Wagen im Dezember die nächste TÜV-Runde übersteht, ist fraglich, weswegen der Spendenaufruf gestartet wurde.

Im Kreistag mochte sich Andreas Groß (AfD) nicht eben leichten Herzens für den Vorstoß erwärmen. Erstens sei im bereits beschlossenen Haushalt 2021 keinerlei Stelle notiert, um eine solche Zuwendung unterzubringen. Und im Antrag sei auch keine Aussage zur Gegenfinanzierung gemacht, führte er aus. Der Gleichbehandlung halber müsste der Kreistag eigentlich auch andere Organisationen unterstützen, die auf einem ähnlichen Feld unterwegs sind, so Groß.

Vizelandrat Jürgen Köpper (CDU) hielt den Ball flach: „Zunächst einmal ist ein Prüfauftrag zu erkennen.“ Über dessen Ergebnis, mithin ob eine außerplanmäßige Ausgabe machbar ist oder nicht, bleibe im Kreisausschuss oder im Kreistag gesondert zu informieren. Dem Geplänkel ein Ende setzte schließlich Steffen Haupt (CDU). „Jeder, der hier im Raum sitzt, kann sich eigentlich nicht vorstellen was es heißt zehn Cent mehr oder weniger in der Tasche zu haben. Für solche Menschen aber ist die Tafel lebensnotwendig.“ Von daher forderte Haupt ein sofortiges Ende der Aussprache und warb, dem Antrag zuzustimmen. So kam’s auch – mit 23 Ja-Stimmen und bei drei Enthaltungen. Die Kreisverwaltung hat somit zu schauen, ob sich eine Unterstützung des Hilfswerks finanzieren lässt.

Tatsächlich haben sich die Sonneberger in Monatsfrist schon als aufgeschlossen und großzügig gegenüber dem Anliegen gezeigt. Wie Diakoniewerk-Sprecherin Daniela Löffler auf Nachfrage äußert, sind mit Stand vom 27. Juli rund 11 600 Euro an Überweisungen auf dem Spendenkonto eingegangen.

Ein Dankeschön zurück

Als einer der letzten Geber hatte sich dieser Tage Patrick Pape mit 500 Euro eingereiht. Der gesetzliche Betreuer steht schon lange in Verbindung mit Sylvia Möller, der organisatorischen Leiterin der Diakonie-Einrichtung. „Sylvia war und ist noch immer für mich und meine Klienten da“, sagt Pape. „Immer wenn Not am Mann ist, kann ich auf sie zählen – sei es mit einem Nothilfepaket oder anderweitiger Unterstützung.“

So sei es für ihn selbstverständlich gewesen, der Tafel nun selbst unter die Arme zu greifen, als er den Spendenaufruf las. „Auf diese Weise kann ich etwas zurückgeben als Dankeschön für die jahrelange gute Zusammenarbeit“, sagt Pape. Seinen Dienst, so Möller, verrichtet das Kühlauto nur noch unter Ächzen und Stöhnen. „Mittlerweile hat nicht nur die Karosserie Rost angesetzt, sondern das Kühlmodul selbst, sodass eine verlässliche Kühlung der sensiblen Lebensmittel auf Dauer nicht mehr garantiert ist.“

Um die Abholung der Lebensmittel in der Region und die Versorgung der Bedürftigen auch weiterhin gewährleisten zu können, tut also Ersatz Not, gerne auch eine Nummer kleiner als der derzeitige 7,5-Tonner. Neben der Spielzeugstadt wird eine die Außenstelle in Neuhaus regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt – ebenfalls mit diesem einen Wagen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam schaffen, auch die kleinste Spende hilft“, sagt Möller. „Ich bitte alle, die spenden möchten, in den Verwendungsnachweis das Wort ‚Fuhrpark‘ zu notieren“, so die Tafel-Verantwortliche. „Auf diese Weise kann das Geld sofort zugeordnet und ausschließlich für die Neuanschaffung eines Fahrzeugs verwendet werden. Selbstverständlich werden für alle Spender Bescheinigungen ausgestellt. Für den Versand geben Sie bitte die Adresse an.“

Kontakt

Wer die Arbeit der Tafel im Landkreis Sonneberg unterstützen mag, kann dies mit einer Geldspende unter folgender Bankverbindung tun: VR Bank Coburg, IBAN: DE44 7836 0000 0000 3203 90, BIC: GENODEF1COS.

Wer sich selbst aktiv in die ehrenamtliche Arbeit einbringen mag, dem steht als Ansprechpartnerin Sylvia Möller für Fragen zur Verfügung entweder telefonisch unter 03675/426442 oder per E-Mail an info@sonneberger-tafel.de.

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