Täter spähen inzwischen sogar die PIN aus
Nicht immer bleibt es beim Diebstahl der Geldbörse. Immer häufiger versuchen Täter, an wesentlich größere Beute zu kommen.
So wurde ein Seniorenpaar in Suhl auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes von zwei Männern angesprochen. Während die Täter nach Wechselgeld fragten und Münzen auf den Boden fallen ließen, verschwand unbemerkt die EC-Karte der Frau.
Besonders perfide: Nach Einschätzung der Polizei hatten die Täter zuvor bereits die PIN an der Kasse ausgespäht. Noch bevor die Karte gesperrt werden konnte, hoben sie einen vierstelligen Betrag vom Konto ab. Später versuchten sie sogar noch an einem Geldautomaten in Ilmenau Geld zu ziehen.
Senioren besonders im Visier
Auffällig ist, dass die Täter häufig ältere Menschen ins Visier nehmen. Viele Senioren verstauen ihre Handtaschen im Einkaufswagen oder legen Geldbörsen in den Korb eines Rollators. Genau darauf spekulieren die Diebe.
Schon vor Jahren registrierte die Polizei ähnliche Fälle in Sonneberg. Dort wurden ältere Frauen auf offener Straße bestohlen, als Täter in die Körbe von Rollatoren griffen oder Handtaschen entrissen. Auch in Hildburghausen nutzten Diebe die Ablenkung einer älteren Kundin aus und stahlen während eines Gesprächs die Geldbörse aus ihrer Tasche.
Die Methoden ändern sich dabei kaum. Die Täter setzen auf Schnelligkeit, Routine und die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer.
Polizei geht direkt in die Supermärkte
Genau deshalb wollen die Beamten in der Aktionswoche dort präsent sein, wo die Risiken besonders groß sind: vor Discountern, Supermärkten und Einkaufszentren.
In persönlichen Gesprächen erklären die Polizisten typische Vorgehensweisen der Täter. Viele Opfer bemerkten den Diebstahl erst an der Kasse oder sogar Stunden später. Deshalb sei es wichtig zu wissen: Niemand müsse sich schämen, Anzeige zu erstatten. Professionelle Täter nutzten gezielt Sekunden der Unaufmerksamkeit.
Die Polizei empfiehlt:
- Geld, Karten und Ausweise möglichst körpernah in verschlossenen Innentaschen aufzubewahren.
- Hand- und Umhängetaschen stets geschlossen vor dem Körper zu tragen.
- Taschen mit Wertsachen niemals an den Einkaufswagen zu hängen.
- Geldbörsen und Smartphones nicht offen im Einkaufswagen oder Rollator liegen zu lassen.
- Beim Bezahlen die Eingabe der PIN konsequent abzuschirmen.
- Misstrauisch zu werden, wenn Fremde plötzlich Hilfe benötigen, ungewöhnlich nahe kommen oder gezielt ein Gespräch beginnen.
Denn die Täter brauchen oft nur wenige Sekunden. Und wenn die Geldbörse erst einmal verschwunden ist, folgen nicht selten gesperrte Bankkarten, neue Ausweise und im schlimmsten Fall hohe Kontoabhebungen. Die Frage, die viele Opfer hinterher stellen, lautet daher oft dieselbe: „Hing meine Handtasche nicht eben noch am Einkaufswagen?“
Wer Opfer eines Diebstahls geworden ist, sollte sich nicht scheuen, die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten. Die Täter gehen häufig professionell vor und nutzen gezielt kurze Momente der Ablenkung. „Opfer einer solchen Straftat müssen sich deshalb nicht dafür schämen, dass ihnen der Diebstahl zunächst nicht aufgefallen ist“, heißt es in der Mitteilung der Landespolizeidirektion Thüringen.