Bayreuther Festspiele „Tannhäuser“: Leichtfüßig und tiefgründig

Roman Kocholl , aktualisiert am 09.08.2022 - 11:06 Uhr
Szene aus dem zweiten Akt „Tannhäuser“ mit Manni Laudenbach, Stephen Gould und Le Gateau Chocolat. Foto: Enrico Nawrath

Wie es aussieht, wenn Opernregie einem Stück leichtfüßig und tiefgründig, witzig und ernsthaft zu Leibe rückt, konnten die Besucher der „Tannhäuser“-Wiederaufnahme am Montag  im Festspielhaus erleben.   Tobias Kratzers Inszenierung steht heuer im dritten Jahr auf dem Spielplan der Bayreuther Festspiele.  Eine Produktion, der es gelingt, sowohl ein neues Publikum, als auch den ein oder anderen Traditionalisten zu begeistern.

Die großflächig und punktgenau eingesetzten Videos haben längst Kultstatus erlangt.  Insbesondere im zweiten Akt, der neben den vorproduzierten Filmen auch die Sänger live vor ihrem Bühnenauftritt zeigt, werden Maßstäbe gesetzt. Dazu gehört auch, dass in jedem Jahr ein bisschen aktualisiert wird. 

Die Corona-Teststation,  die 2021 zum Orchestervorspiel zu sehen war, hätte heute wohl niemand mehr lustig gefunden. Diese Szene wurde durch einen Dreh in Salzburg ersetzt.

Die quirlige Truppe um Venus und Tannhäuser biegt in ihrem Citroën versehentlich falsch ab und landet zunächst nicht vor dem Bayreuther, sondern vor dem Salzburger Festspielhaus. Der eine oder andere „Ring“-Geschädigte dürfte diesen Tipp im nächsten Sommer vielleicht dankbar aufnehmen ...

Auch  die Szene im Gang mit den Porträts aller Bayreuther Festspieldirigenten musste wieder neu gedreht werden. Hier wird nun Oksana Lyniv groß ins Bild gesetzt. Ihr Foto  wird mit einem Aufkleber in den ukrainischen Landesfarben versehen.

Immer wieder war im Publikum herzhaftes Lachen zu hören, was wohlwollend gemeint war.

Nachdem er im vergangenen Jahr nicht nach Bayreuth gekommen war, stand nun wieder, wie 2019, der Drag-Künstler Le Gateau Chocolat auf der Bühne. Damals gab es Beleidigungen gegen seine Person. Jetzt wurde auch Gateau Chocolat begeistert gefeiert.

Eine weitere gute Nachricht:  Nach Stephen Goulds Absage kurz vor der „Götterdämmerung“ am Freitag war der in diesem Sommer extrem stark beschäftigte Sänger als Tannhäuser wieder im Einsatz. Insbesondere im zweiten und dritten Akt ließ Stephen Gould seinen Tenor in beeindruckender Weise erklingen. Ihm zur Seite stand Markus Eiche als Wolfram, der seine Partie mit wohlklingend-kraftvoller Stimme und wunderbarem Legato sang. Überragend auch Lise Davidsen als Elisabeth. Ihre Stimme erfüllt das Festspielhaus mit einem Volumen, das in diesem Jahr ihresgleichen sucht. Ekaterina Gubanova sang und spielte die Venus hinreißend.

Bravos gab es auch für den Dirigenten Axel Kober und den Chor nach dieser musikalisch wie szenisch festspielwürdigen Aufführung.

Diese setzte sich wie gewohnt in der ersten Pause mit einem szenischen Zwischenspiel am Teich im Festspielpark fort.  In der zweiten Pause war am Festspielhaus ein Transparent zu lesen mit Richard Wagners  Worten:  „Frei im Wollen! Frei im Thun! Frei im Geniessen!“

 

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