Bauprojekt Kurheim „Charlotte“: AWO und Stadt halten am Projekt fest

Aktuell steht nur noch das Erdgeschoss des ehemaligen Kurheimes. Foto: Heiko Matz

Monatelang war unklar, ob die Arbeiterwohlfahrt Thüringen (AWO) nach dem Wechsel in der Geschäftsführung weiter am Wiederaufbau der „Charlotte“ in Bad Liebenstein interessiert ist. Nun ist klar: Sie hält an dem Projekt fest, aber nicht mehr als Investor, sondern nur noch als Betreiber.

Bad Liebenstein - Eigentlich sollte in diesem Jahr der Wiederaufbau des ehemaligen Kurheims „Charlotte“ im historischen Kurviertel Bad Liebensteins beginnen. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt das einsturzgefährdete Gebäude bis auf das Erdgeschoss abreißen lassen – mit Hilfe von Fördermitteln und im Vertrauen darauf, dass die AWO AJS GmbH das Haus wieder aufbauen und betreiben werde. Senioren-Wohngemeinschaften sollten hier in den oberen Etagen entstehen, im Erdgeschoss wollte sich die Stadt unter anderem mit der Bibliothek einmieten.

Doch dann gab es bei der AWO einen Korruptionsskandal, der einen Wechsel in der Geschäftsführung zur Folge hatte. Danach war monatelang unklar, ob die AWO an dem Projekt festhält. Nach intensiven Gesprächen steht nun fest: Das Wohlfahrtsunternehmen will weiter zwei Wohngemeinschaften für insgesamt 24 Senioren einrichten. Allerdings lediglich als Betreiber und nicht mehr als Investor.

„Mit Senioren-WGs haben wir mittlerweile an verschiedenen Standorten in Thüringen gute Erfahrungen gemacht. Ich bin mir sicher, dass dieses innovative Wohnkonzept hervorragend zu Bad Liebenstein passt und sich hier auch bewährt“, sagt Andreas Krauße, Geschäftsführer der AWO AJS GmbH. Vorgesehen sind rund 20 Quadratmeter große Appartements mit eigenem Bad und gemeinschaftlich genutzten Wohn- und Aufenthaltsräumen.

Suche nach Investor

Bad Liebensteins Bürgermeister Dr. Michael Brodführer (CDU) ist optimistisch, dass das Projekt nun voran- kommt: „Es freut mich, dass die AWO an dem Projekt grundsätzlich festhält und damit zu den Zusagen steht, die sie gegenüber der Stadt gegeben hat. Immerhin haben wir auf Grundlage dieser Zusicherungen selbst nicht unerhebliche Mittel für den denkmalgerechten Teilrückbau des Gebäudes aufgewandt.“

Nun wollen Stadt und AWO gemeinsam auf die Suche nach einem Investor gehen, damit 2022 – so der Plan – die Bauarbeiten starten können.

Im Erdgeschoss der „Charlotte“ möchte die Stadt weiterhin eine Heilwasser-Lounge einrichten, in der das natürliche Heilmittel Bad Liebensteins sowie Themen rund um Natur und Gesundheit präsentiert werden.

Wechselhafte Geschichte

Die Geschichte des einst imposanten Gebäudes ist wechselhaft. 1852 als „Hotel Müller“ erbaut, ist es seit 1880 bis heute unter dem Namen „Charlotte“ bekannt.

Der einstige Prachtbau hatte fast 20 Jahre leer gestanden, nachdem ausländische Investoren das Haus erwarben, sich aber nicht darum kümmerten. 2015 machte die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Auf ein im März 2019 durchgeführtes Interessenbekundungsverfahren meldete sich die AWO AJS GmbH und stellte im Mai 2019 das Bau- und Nutzungskonzept vor.

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