Bauernregeln Weihnachtswunderland oder Matschpampa?

Bernd Heim
Ein Schlittenhundegespann 2017 in Masserberg. Foto: Martin Schutt, dpa

Wie wird das Wetter im Dezember – und ganz wichtig: am Heiligen Abend? Die Bauernregeln wissen die Antwort. Ob sie stimmen, weiß man aber erst hinterher. Am 1. Dezember fällt die erste Entscheidung.

Der 1. Dezember ist meteorologischer Winterbeginn und das Jahr steuert nun seinem Ende entgegen. Am vergangenen ersten Adventswochenende flöckelte schon der erste Schnee. Jetzt in der Advents- und Vorweihnachtszeit werden bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember die Tage noch kürzer und dunkler.

Der zwölfte und damit Jahresmonat hat seinen Namen von den alten Römern bekommen. Bei unseren Altvorderen hieß er zumeist „Wintermond“ oder „Schneemonat“. Auch „Julmond“, von der als Julfest bezeichneten Feier der Wintersonnenwende bei den Germanen abgeleitet, sowie im Zuge der katholischen Christianisierung dann „Christmonat“ waren frühere Namen für den Dezember.

Schon bei unseren bäuerlichen Vorfahren bestimmten in diesen Wochen, neben der Arbeit in Haus und Stall, die Vorweihnachtszeit, das Weihnachtsfest selbst sowie dann auch der Silvestertag mit all ihren Sitten und Gebräuchen das Alltagsleben.

Da und dort lassen sich an einigen Bäumen und Sträuchern immer noch deren ver-färbte Blätter entdecken. Ist das etwa ein Anzeichen für einen wieder „nur“ schmuddeligen Winter? Wie gestaltet sich das Wetter im Dezember - in der Hauptzeit von Plätzchen, Lebkuchen, Stollen und Glühwein? Dazu kann ein Blick zurück nicht schaden.

Noch heute, im Zeitalter der Wettersatelliten und leistungsstarken Computer, lebt in der Bevölkerung eine Vielzahl von alten Wettersprüchen fort, die sich auf jahrhundertealte Witterungs- und Naturbeobachtungen beziehen. Nach den auch als „Bauernregeln“ titulierten Wetterweisheiten soll das Wetter im Dezember auch Hinweise auf das im kommenden Jahr zu erwartende Wetter geben.

Nicht von ungefähr sagte man: „Kalter Dezember, zeitiges Frühjahr“, „Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbar Jahr mit viel Klee“, „Wenn die Kälte in der ersten Adventswoche kam, hält sie zehn Wochen an“, „Je dicker das Eis um Weihnacht liegt, je zeitiger der Bauer Frühling kriegt“, jedoch: „Grüne Weihnacht - weiße Ostern“, „Trockener Dezember – trockener Sommer“, „Viel Wind und Nebel in Dezembertagen schlechten Frühling im neuen Jahr ansagen“.

Besonders beliebt waren einst die Lostagsregeln, die sich auf bestimmte Namenstage von Heiligen der katholischen Kirche bezogen, an denen das „Los“, also das künftige Wetterschicksal, angeblich bestimmt würde.

Für den 1. Dezember, dem Tag des Heiligen Eligius, soll gelten: „Fällt auf Eligius ein harter Wintertag, die Kälte noch vier Monat’ dauern mag.“ Dann also sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es auch weiße Weihnachtstage gibt und es bis Neujahr frostig kalt bleiben. Aber: „Gibt’s Re-gen am Bibianatag (2. Dezember), es noch vierzig Tage regnen mag“. Und für den 4. Dezember, dem Sankt-Barbara-Tag, soll es gelten: „Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee“. Vielfach stellte man früher Zweige von Kirsch- oder Apfel-bäumen in eine Vase, deren aus dem Winterschlaf geweckten Knospen dann zu Weihnachten blühen: „St. Barbaras Zweiglein trägt man ins Haus und naht der Winter mit Sturmgebraus, und ist er da mit Schnee und Eis, erblüht im Glas ein Wunderreis.“

Auch für den Nikolaustag (6. Dezember) gibt es zwei alte Wettersprüche: „Trockener Nikolaus, milder Winter rund um’s Haus“, aber: „Regnet es an Nikolaus, wird der Winter streng und graus“. Für den Tag des Heiligen Thomas (21. Dezember) heißt es: „Wenn Sankt Thomas dunkel war, gibt’s ein schönes neues Jahr.“ Für den 25. Dezember, den ersten Weihnachtsfeiertag, soll gelten: „Ist Weihnachten kalt, kommt der Winter hart und der Frühling bald“, jedoch: „Weihnacht im grünen Kleid hält für Ostern Schnee bereit“ beziehungsweise „Ist’s zu Weihnacht warm und lind, kommt zu Ostern Schnee und Wind.“ Die Aussage ist, dass nach frostfreiem Wetter um die Weihnachtsfeiertage häufig danach eine kalte Witterung lange ins Frühjahr hinein währt. Auch sagte man: „Wie die Witterung am Heiligabend, pflegt sie bis Monatsende zu bleiben.“ Denn nicht selten stellt sich in der dritten Dezemberdekade auch ein Warmlufteinbruch mit milder und regenreicher Meeresluft aus südwestlicher Richtung ein und es gibt ein „Weihnachtstauwetter“.

Ferner: „Wind in Sankt Silvesters (31. Dezember) Nacht, hat nie viel Wein und Korn gebracht,“ und weiterhin gibt es auch noch diese in einem alten Wettersprüche „zementierte“ und recht skeptisch ausfallende Wettervorschau: „Silvesterwind und warme Sonn’ wirft jede Hoffnung in den Bronn’ “.

Aus dem Julfest und der Feier der Wintersonnenwende der Altvorderen ist das Fest der „geweihten Nächte“ – Weihnachten – entstanden. Und seit Alters her beginnt in der Thomasnacht am 21. Dezember die Zeit der so genannten „Zwölf Nächte“, auch „Raunächte“ geheißen. Nach dem Volksglauben aus alten Zeiten jage dabei besonders nächstens ein Heer von wilden Gesellen am Winterhimmel dahin – so die fantasievolle Spukgestalten-Erklärung von Naturkräften und Witterungserscheinungen an diesen Tagen durch die Altvorderen.

Und dereinst vermied man es weitgehend, in dieser Zeit nicht nur schwere Arbeiten zu verrichten, sondern es sollte in den Haushaltungen tunlichst auch unterlassen werden, zwischen Weihnachten und Neujahr Wäsche zu waschen und zum Trocknen im Freien aufzuhängen. Darüber hinaus soll nach altem Volksglauben auch das in diesen Nächten Geträumte in Erfüllung gehen.

Und schenkt man den Prognosen des so genannten „Hundertjährigen Kalenders“ Glauben, so sollen die ersten Dezembertage mit Schneeregen nasskalt sein, es vom 6. bis 10. Dezember etwas milder werden, es vom 11. bis 18. Dezember trüb sein, vom 19. bis 28. Dezember frostig-klares Wetter und vom 29. bis 31. Dezember trübes Wetter ohne Schnee geben.

Auch wenn die alten Erfahrungswerte und Wetterweisheiten die Leistungen der modernen Meteorologie nicht ersetzen können, sollten sie doch immer einmal wieder in das Bewusstsein vor allem jüngerer Menschen gehoben werden, geht doch in der Hektik unserer schnelllebigen Zeit das Gespür für die Vorgänge in der Natur und die Fähigkeit der Beobachtung solcher Vorgänge verloren.

Und mit einzukalkulieren gilt es ja außerdem die Wirkungen des infolge der menschengemacht zunehmenden Erderwärmung sich gegenwärtig vollziehenden Klimawandels mit seinen immer häufiger werdenden Wetterextremen sowie aufgrund der steigenden Durchschnittstemperaturen und der Umweltverschmutzung bislang ungewohnten Veränderungen in Natur, Flora und Fauna. Schauen wir einmal, welche Trefferquote die alten Wetterprognosen haben werden.

Der Schriftsteller und Lyriker Erich Kästner (1899 - 1974) verfasste auch ein sechs-strophiges Dezember-Gedicht, dessen Strophen 1, 2 und 4 lauten:

„Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.

Ist gar nicht sehr gesund.

Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.

Kennt gar die letzte Stund’.

Ist viel gescheh’n. Ward viel versäumt.

Ruht beides unterm Schnee.

Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.

Und Wehmut tut halt weh.

Und wieder stapft der Nikolaus

durch jeden Kindertraum.

Und wieder blüht in jedem Haus

der goldengrüne Baum.“

 

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