Bauarbeiten in der Weidebrunner Gasse Schicksal der Linde am seidenen Faden

An exponierter Stelle, nämlich vom Lutherplatz kommend in Richtung Weidebrunner Gasse, steht seit fast 30 Jahren diese Linde. Foto: Sascha Willms Foto:  

Ziemlich aufgeregt rief ein Anwohner der Herrengasse am Freitag in der Redaktion an. Die Linde vor seinen Haus drohe abgeholzt zu werden. Wir sollen dorthin kommen, um das zu dokumentieren. Bauamtsleiter Lothar Hilpert gab einige Zeit später Entwarnung. Der Baum kann stehen bleiben.

Schmalkalden - Horst Hentschel schaut von seiner Wohnung in der Herrengasse 6 seit fast 30 Jahren auf die Linde an der Kreuzung Herrengasse/Haargasse/Pfaffengasse. Nun wird dort seit einiger Zeit im Zuge der Baumaßnahme Weidebrunner Gasse saniert, mit Sicherheit auch ein Grund, noch öfter aus dem Fenster zu schauen.

Freitagfrüh jedoch rief der Anwohner in der Redaktion an und teilte mit, dass „der Baum, der seit 30 Jahren hier steht, vermutlich abgeholzt werden soll“. Bei den Bauarbeiten sei die Mauer, die die Linde umfasst, abgerissen worden und nun, so vermutete Horst Hentschel, wird auch der Baum fallen. Mit Bauamtsleiter Lothar Hilpert hatte Horst Hentschel bereist gesprochen, aber offensichtlich traute er der Sache nicht.

Auf Nachfrage der Redaktion bestätigte Lothar Hilpert, dass im Zuge der Sanierung geplant sei, die alte Mauer um die Linde durch eine neue zu ersetzen. Als die alte nun abgerissen wurde, sei zum Vorschein gekommen, „dass die Linde nie richtig gewurzelt hatte“. Die Pflanzung damals, 1992, sei seines Erachtens nach „schlampig“ ausgeführt worden.

Auf ein wenig Schotter habe man den Baum einfach draufgesetzt. „Er saß darin wie in einem Blumentopf und nur die Mauer aus Beton als Einfriedung hat ihn gehalten“, sagte Hilpert, der gerade dabei war, mit Bert Fabritius, dem Baumexperten im Rathaus, zu besprechen, ob die Linde noch zu retten sei. Man prüfe, ob man den Baum erst einmal heraushebe, woanders zwischenlagere und wieder einsetze. Oder ob es noch eine andere Möglichkeit gebe.

Nach diesem Gespräch meldete er sich nochmals in der Redaktion. „Die Linde kann erhalten werden und dort stehen bleiben“, stellte er fest. Man werde, wie geplant, eine neue, dieses Mal 3,50 Meter im Durchmesser große, Mauer um die Linde bauen und mit einem Metallring absichern. Außerdem soll eine Pflanzgrube, die es bisher nicht gab, ausgebaggert und Pflanzsubstrat aufgebracht sowie das entstehende Loch aufgefüllt werden. Horst Hentschel hatte, als die Redaktion die freudige Nachricht überbringen wollte, die neue Lage bereits von Lothar Hilpert erklärt bekommen.

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