Dass sich Putins Krieg schon jetzt auch auf das Meininger Kleinstadtleben auswirkt, zeigt sich nicht nur bei jedem Einkauf. Jüngstes Beispiel sind die Pläne der Stadt Meiningen für ihr Bahnhofsgebäude. „Die weltpolitische Situation hat konkrete Auswirkungen beim Meininger Bahnhof“, bestätigt Bürgermeister Fabian Giesder. Denn der Immobilieneigentümer ist ein Russe, auch wenn die Firma erst in Sachsen ihren Sitz hatte und jetzt sogar in Meiningen angemeldet ist, somit als deutsche GmbH gilt. Der russische Eigentümer hatte in den vergangenen Jahren so einiges versucht, um die Entwicklung des Bahnhofs voranzutreiben. Aufgrund der Gebäudegröße bietet dieser eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten. Einige entscheidende Pläne gingen aus unterschiedlichsten Gründen nicht auf. Beispielsweise war die Förderung nicht in gewünschter Höhe möglich, fehlten Handwerker und sprangen wegen der Corona-Einschränkungen Mieter ab. Somit konnte die Sanierung nicht, wie vertraglich vereinbart, 2021 abgeschlossen werden. Die Stadt hat dadurch nun die Möglichkeit, dem Besitzer den Bahnhof abzukaufen, und plant das auch für dieses Jahr. „Er hat uns Ende 2021 angezeigt, dass es nichts mehr wird mit der Sanierung und uns gefragt, ob wir die Option aus dem Vertrag ziehen wollen, das Gebäude zu kaufen – auf der Grundlage eines externen Gutachtens. Es sind wohl auch noch einige Dienstleistungen gegenüber Mietern offen. Man muss ihm zugutehalten, dass er ehrlich mit uns umgegangen ist“, sagt das Stadtoberhaupt. 2,1 Millionen Euro wurden für den Ankauf im Stadthaushalt 2022 eingeplant. Das Verkehrswertgutachten, das jetzt erwartet wird, soll die Verhandlungsbasis sein. Weil das ein zweites Mal beauftragt werden musste, ging Zeit verloren. „Das hat uns zurückgeworfen“, erzählt Fabian Giesder. Und dann kam auch noch der Krieg dazu. Der Bürgermeister bleibt trotzdem im Hinblick auf den Bahnhof zuversichtlich: „Das ist jetzt schon kritischer zu sehen. Ich gehe aber erst mal nicht davon aus, dass sich grundsätzlich etwas an dem Kauf ändert. Wir sind in Kontakt mit dem russischen Eigentümer. Aber wir haben schon so unsere Befürchtungen. Andererseits gibt es die Hoffnungen, dass die Situation sogar zu zügigeren Gesprächen führt. Die deutsche Botschaft in Russland arbeitet zum Glück noch – ich hoffe sehr, dass sie offenbleibt“, nennt der Bürgermeister eine entscheidende Voraussetzung, dass der Kauf des Bahnhofs doch noch ausgehandelt und vollzogen werden kann. any
Bahnhofskauf „Botschaft arbeitet zum Glück noch“
Antje Kanzler 06.05.2022 - 16:42 Uhr