Bahn-Tagebuch Raus mit dem Pöbel aus Bus und Bahn

Das Auto stehen lassen und mit dem Deutschlandticket und der Bahn auf Arbeit pendeln. Danny Scheler-Stöhr, Leiter der Ilmenauer Lokalredaktion, ist wieder zum Bahnfahrer geworden – und zum Tagebuchschreiber.

Ein Zug der Südthüringen Bahn (hier am Bahnhof in Ilmenau). Foto: Danny Scheler-Stöhr

Endlich! Es geht wieder los. Nach dem großen Erfolg des Neun-Euro-Tickets im vergangenen Jahr ist nun das 49-Euro-Ticket gestartet. Das ist nun – wie der Name schon vermuten lässt – deutlich teurer als das Vorgängermodell. Finanzminister Christian Lindner sagte ja einst, das ginge gar nicht anders: Eine Gratismentalität – wie es sie beim Neun-Euro-Ticket gegeben habe – sei nicht effizient, nicht fair und unökologisch. Ich vermute vielmehr, man hatte ziemlich schnell realisiert, dass der ÖPNV in unserem Land genauso gut aufgestellt ist wie die Digitalisierung oder die erneuerbaren Energien. Und da brauchte es dann wohl schlichtweg eine Lösung, den ganzen Pöbel aus den Bussen und Bahnen rauszuhalten.

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Das hat offenbar ganz gut funktioniert. Standen sich vor einem Jahr zum Start des Neun-Euro-Tickets die Menschen am Bahnsteig noch gegenseitig auf den Füßen rum, ist am Dienstagvormittag kaum ein Mensch am Gleis zu sehen.

Systeme sind überlastet

Warum das so ist? Ich habe keine Ahnung und wundere mich auch: Eigentlich müssten sich die Menschen in den Zügen stapeln. Immerhin habe ich seit Sonntagabend versucht, mir so ein 49-Euro-Ticket digital über die App der Deutschen Bahn zu besorgen. Vergebens. „Momentan versuchen viele Personen gleichzeitig, ein Deutschlandticket zu kaufen, sodass unsere Systeme leider überlastet sind“, stand da geschrieben. Die Server bei der Bahn sind also offenbar genauso marode wie ihre Schienen und Züge.

Nur gut also, dass man sich das Ticket überall holen konnte. Ich hätte mir die Fahrkarte als Thüringer also auch beim Verkehrsverbund in Hamburg oder der Bus- und Bahngesellschaft Hintertupfingen kaufen können. Was ich dann letztendlich auch gemacht habe, glaube ich zumindest. Denn am Ende hatte ich mir zwar irgendeine App runtergeladen, Geld ausgegeben und irgendeinen QR-Code bekommen, der Zugbegleiter konnte am Dienstagmorgen damit aber recht wenig anfangen. „Mein Lesegerät kann das Ticket nicht verifizieren“, sagte er. Ich glotzte ihn verdutzt an. Und nun? Er lachte nur und fügte an: „Da verkauft gerade jeder sein eigenes Ding. Es wird schon passen.“

Das Deutschlandticket gratis bekommen?

Deswegen, liebe Leserinnen und Leser, habe ich jetzt den ultimativen Tipp für ein kostenloses Deutschlandticket: Malen Sie sich über Microsoft Paint einfach einen beliebigen QR-Code, schicken Sie sich das Ganze dann ans Smartphone und zeigen Sie Ihre „digitale Fahrkarte“ bei der Kontrolle vor. Die Chance, dass Sie damit durchkommen, ist wohl größer als zunächst vermutet. So ist das eben, wenn man im digitalen Niemandsland Deutschland auf digitale Lösungen setzt.