„Wie sehen Menschen aus, die über Nacht eine neue Regierung bekommen haben?“, begründete Linken-Urgestein Gregor Gysi sein Interesse an seiner Lesereise nach Thüringen – und mit der Möglichkeit, Positionen in mehr als anderthalb Minuten darzulegen, die man bei Talkshow-Beiträgen zur Verfügung habe. Dass er sich da was zutraut, machte er gleich mit einem Seitenhieb auf den extrem leidenschaftslosen Olaf Scholz und dessen eher noch schlimmeren Kontrahenten Merz klar. Podiumspartner Hans-Dieter Schütt leitete ihn aber erst mal zur Thüringer Gegenwart, was den Stargast zu einem großen Lob für Bodo Ramelow und zu der Prophezeiung veranlasste, manches werde man erst zu schätzen, wenn es nicht mehr da ist. Er würdigte die zwischen Linken und der Brombeerkoalition getroffene Absichtsvereinbarung wie auch die Wahl des neuen Ministerpräsidenten mit dem ersten Urnengang als Weg, „Spielchen der AfD“ zu verhindern. Allerdings, so glaubt er, werde Mario Voigt mit dem Amt überfordert sein.