Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) malt zum Jahresempfang ein drastisches Zukunftsbild: „Ohne Zuwanderung könnten in 100 Jahren die paar verbliebenen Einwohner abends beim Lagerfeuer auf die 1350-Jahrfeier mit einer Flasche Doppelherz anstoßen.“ Das sei natürlich überspitzt formuliert, schiebt er hinterher. Damit will er der Öffentlichkeit die ganze Dramatik der Entwicklung klarmachen. Die Zahlen lügen nicht: Im vergangenen Jahr wurden 114 Kinder geboren, dem gegenüber stehen 312 Todesfälle. „Fast dreimal so viel Menschen verstarben im letzten Jahr wie geboren wurden.“ Betrachtet man nur die Geburten und Sterbefälle deutscher Staatsbürger (86 zu 309), hat die Stadt Bad Salzungen 223 Bürger verloren. „Das ist fast ein Prozent unserer Gesamtbevölkerung“, macht Bohl klar. Geht das so weiter, dann hätte Bad Salzungen ohne Zuwanderer in etwas mehr als 100 Jahren nahezu keine Einwohner mehr – wie in fast allen anderen Städten in Thüringen auch.