Bad Salzungen Jugendliche werden Kommunalpolitiker

Friedjof Ohms leitet eine der drei Gruppen an. Foto: Heiko Matz

Einblicke in die Kommunalpolitik erhalten 20 junge Geflüchtete und Einwanderer beim dreitägigen Planspiel „Next Step: Democracy“ am Berufsschulzentrum Bad Salzungen. Und sie sollen selbst Ideen entwickeln.

Bad Salzungen - Welche politischen Entscheidungen können in Bad Salzungen getroffen werden, welche werden in Berlin gefällt? Wie funktioniert Kommunalpolitik und wie werden Anträge auf den Weg gebracht? Beim Planspiel „Next Step: Democracy“, das am Mittwoch am Staatlichen Berufsschulzentrum in Bad Salzungen startete, erhalten 20 junge Geflüchtete und Einwanderer nicht nur Einblicke in die Grundlagen der Demokratie, sondern gestalten Kommunalpolitik in fiktiven Fraktionssitzungen und einer fiktiven Stadtratssitzung aktiv mit. Sie sollen ihre eigenen Ideen zur integrativen Gestaltung der Stadt Bad Salzungen einbringen. Dabei geht es – aufgeteilt in drei Gruppen – um die Themenfelder Integration, Sprache, Gesellschaft, Wohnen, Soziales, Sport, Freizeit und Ankommen – „eben das, was sie persönlich betrifft“, erklärt Natalie Nekolla vom Verein „Politik zum Anfassen“. Unterstützung erhalten die Jugendlichen, die unter anderem arabisch, persisch, russisch, kurdisch oder thailändisch sprechen, dabei von echten Bad Salzunger Stadträten. Denn am Ende des Projektes sollen konkrete Vorschläge an die Bad Salzunger Stadtverwaltung übergeben werden.

Dass sich Jugendliche mit Politik befassen, sei heute nicht mehr selbstverständlich, sagte Andrea Mey, stellvertretende Schulleiterin. „Die Schüler haben mit Politik nicht mehr viel am Hut. Das ärgert mich“, fügte sie hinzu. Deshalb sei das Projekt so wichtig, wobei sie sich wünsche, dass es nicht nur an diesen drei Tagen stattfinde, sondern generell in den Unterricht eingebunden werde sollte. Ihren Schülern wünschte sie am Starttag „viele gute Ideen und Vorschläge, die eventuell auch umgesetzt werden können“.

Vom Projekt begeistert zeigte sich auch Landrat Reinhard Krebs (CDU). Zum Auftakt am Mittwochvormittag war er extra ins Berufsschulzentrum gekommen. Für die Migration und Integration sei das Planspiel von hoher Bedeutung. „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen“, sagte er zu den Jugendlichen und verwies darauf, dass im Wartburgkreis Menschen aus 106 verschiedenen Ländern leben. „Ich freue mich, dass der Wartburgkreis so international aufgestellt ist.“ Es sei wichtig, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Denn der Wartburgkreis sei bei vielen Zugereisten oft nur ein Durchgangsort. „Wir haben aber ein großes Interesse daran, dass Sie hier bleiben“, sprach er die Schüler direkt an. Bei immer weniger Geburten, aber mehr Todesfällen sei das Verhältnis der demografischen Entwicklung nicht mehr optimal. Deshalb sollte man zueinander finden und zeigen, dass es miteinander gehe. Als größter und wirtschaftsstärkster Landkreis Thüringens „machen wir uns Gedanken, wie wir mit den jungen Menschen die Zukunft gestalten können“.

Er sei ein Freund der kommunalen Selbstverwaltung. „Was wir hier vor Ort nicht richten, macht sonst keiner“, sagte Reinhard Krebs abschließend.

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