Bad Liebenstein Spürhund findet große Mengen Bargeld

Scheinfirmen statt Sprachschule, Schleuseraktivitäten statt fernöstliche Heilmedizin - die Vorwürfe gegen eine Chinesin, die in Bad Liebenstein das alte Krankenhaus gekauft und ihre großen Pläne vorgestellt hat, wiegen schwer.

Bad Liebenstein - Die Leute bleiben stehen, beobachten die Szenerie vor dem alten Krankenhaus in Bad Liebenstein. An allen Ecken des Grundstücks stehen Einsatzfahrzeuge der Bundespolizei. Polizisten in Schutzausrüstung durchkämmen Gebäude und Grundstück: Eine Razzia der Bundespolizei Halle. Seit sieben Uhr sind sie am Donnerstag vor Ort. Etwa 40 Mann der Kriminalitätsbekämpfung, zehn Fahrzeuge und ein Zollspürhund. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Gera, Schwerpunkt organisierte Kriminalität, durchsuchen sie das alte Krankenhaus und das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus.

Der Verdacht gegen eine chinesische Staatsbürgerin lautet: gewerbsmäßiges Einschleusen von Menschen sowie Beihilfe zur Visa-Erschleichung. Sie soll Scheinfirmen gegründet und so chinesischen Staatsbürgern zu einem illegalen Aufenthalt in Deutschland verholfen haben, erklärt Pressesprecherin Anja Schneiderheinze von der Bundespolizei Erfurt. Ermittelt wird auch gegen einen 40-jährigen Deutschen.

Die Bundespolizei nimmt sich viel Zeit, alle Büros zu durchsuchen und Beweise sicherzustellen. In den Räumen im alten Krankenhaus treffen sie niemanden an. "Wir haben geklingelt, aber niemand hat geöffnet", berichtet Anja Schneiderheinze. Also musste man sich selbst Zutritt verschaffen. Anders im benachbarten Wohnhaus mit Büros. Hier wird geöffnet. Mit Hilfe einer Dolmetscherin wird die chinesische Staatsbürgerin, gegen die sich der Verdacht richtet, befragt.

Akten werden aus den Büros getragen. Vor dem alten Krankenhaus steht eine Briefkastenansammlung mit zwölf Boxen. Ob diese den vermuteten Scheinfirmen zuzuordnen sind, werden die Ermittlungen zeigen. Und auch, woher das viele Bargeld stammt, das der Spürhund erschnüffelt hat.

Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer (CDU) hat die Polizeipräsenz in seiner Stadt völlig überrascht. Informiert über die Razzia war er nicht. "Ich habe aus den Medien davon erfahren", sagt er. Aber er sei am Einsatzort gewesen, um sich zu informieren. Für ihn habe es keine Anzeichen gegeben, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Neben der Razzia in Bad Liebenstein lief auch eine Durchsuchung zweier Gebäude in Hennef (Nordrhein-Westfalen). Hier war die Chinesin mit einem Großhandel registriert.

Die 55-Jährige, die in Deutschland lebt, war 2015 mit großen Plänen in der Kurstadt aufgetaucht. Hier hat sie sich mit ihrer Zhongde International GmbH niedergelassen. Sie sprach von einem Hotel, einer Sprachschule, einem Businessbüro für chinesische Unternehmer und einem chinesischen Gesundheitszentrum. Mit der Sanierung des alten Krankenhauses hat sie tatsächlich auch begonnen, von der Hotelidee allerdings hatte sie sich 2016 schon wieder verabschiedet. Von den anderen Projekten ist nichts zu sehen. Das Gebäude, in das sie viel Geld stecken wollte, wirkt verlassen. Erst im August dieses Jahres wurde in einer Gesellschaftsversammlung der Gegenstand des Unternehmens neu beschrieben: Neuer Gegenstand sind der Handel und Vertrieb (Im- und Export) von Nahrungsmitteln, der Betrieb von China-Restaurants, die Beratung von Unternehmen und Vermittlung von Lizenzgeschäften, das Angebot von Sprachkursen, der Betrieb einer Sportschule, die Förderung und Vermittlung von Arbeitskräften für den deutschen Arbeitsmarkt.

 

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