Arbeitete Johann Sebastian Bach 1725 an einem Passionsoratorium für den Karfreitag? Die geistlichen Nachdichtungen über die letzten Stunden Jesu, oft mit drastischen Beschreibungen und emotional aufgeladenen Arientexten, waren im Barock ein Publikumsrenner – aber im strenggläubigen Leipzig ein Politikum. Alexander Grychtolik, 1980 in Berlin geboren, hat das überlieferte Fragment aufwendig vervollständigt. Der Cembalist, Improvisator, Dirigent und Musikforscher ist sich sicher: Bach musste das Werk aufgrund der Textzensur in die Schublade legen und überarbeitete stattdessen seine Johannes-Passion in einer neuen Fassung.