Autobahn-Winterdienst „Da vorne ist dann nicht mehr geräumt“

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Der Winterdienst auf den Autobahnen in Thüringen steht in den Startlöchern. Dass er bisher in dieser Saison noch nicht gebraucht wurde, ist zwar ungewöhnlich, aber deshalb ist auch niemand enttäuscht.

Die Streusalz-Lager sind voll, die Fahrzeuge bereit und zusätzliche Kräfte engagiert. Aber was macht eigentlich ein Winterdienst, wenn draußen tagsüber noch immer Temperaturen von um die 20 Grad Celsius herrschen? „Dinge wie Grasmahd oder Leitpfosten-Wäsche“, sagt Christoph Wolf, der als Geschäftsbereichsleiter Betrieb und Verkehr in der Außenstelle Erfurt der Autobahn GmbH der Chef über den Winterdienst auf den Thüringer Autobahnen ist. Schließlich gebe es auf den Autobahnen auch dann noch genug zu tun, wenn gerade mal nicht geräumt oder gestreut werden muss.

Deshalb ist man bei der Autobahn GmbH auch nicht traurig darüber, dass Menschen und Technik in der aktuellen Saison in Sachen Winterdienst noch nicht eingreifen mussten. Schließlich kann es im Thüringer Wald durchaus auch schon mal im Oktober den ersten Schnee geben. Oder überfrorene Fahrbahnen...

Dass alles längst bereit ist, demonstrierte die bundeseigene Autobahngesellschaft am Dienstag mit einem Presse-Termin. Schließlich wurden auch einige neue Fahrzeuge angeschafft. Aber der 1. November markiert auch den Beginn des Schichtdienstes in den Autobahnmeistereien, damit immer reagiert werden kann, ob es nun am Tag oder in der Nacht oder eben am Wochenende schneit. Der Wunsch, sich zu Beginn der Saison als gut gerüstet zu präsentieren, hat vielleicht auch mit der Erfahrung der Autobahn GmbH zu tun, die zum 1. Januar 2021 die Verantwortung von den Autobahnämtern der Bundesländer übernommen hatte – und zum Einstig gleich einen vergleichsweise harten Winter erwischte.

Schwerpunkt sei insbesondere die Autobahnmeisterei in Zella-Mehlis, die die am höchsten gelegenen Streckenabschnitte im Thüringer Wald betreut. Hier liegen vier sogenannte Räumschleifen in der Verantwortung von Leiter Jörg Wiese – drei auf der A 71, eine betrifft die A 73. Das sind jeweils 60 Streckenkilometer, also 30 Kilometer einfache Entfernung, erläutert Wolf. In Rentwertshausen (A 71) und Eisfeld-Nord (A 73) können die Fahrzeuge an Streusalz-Stationen auch „nachladen“, falls das nötig ist.

Insgesamt sind den Angaben zufolge thüringenweit knapp 200 Kolleginnen und Kollegen in den vier Autobahnmeistereien im Einsatz, um mit insgesamt 55 Fahrzeugen die Autobahnen in einen befahrbaren Zustand zu bringen. Die fast 1000 Betriebskilometer sind dabei auf 20 Räumschleifen aufgeteilt.

Allein in Zella-Mehlis lagern den Angaben zufolge 1980 Tonnen Salz und 290 Tonnen Sole – wobei es hier auch eine eigene Anlage gibt, um selbst Sole herzustellen. Das nasse Salz haftet den Erfahrungen zufolge besser auf der Straße und ist damit wirksamer. In einem „richtigen“ Winter würden pro Woche durchaus schon mal 300 Tonnen Salz allein in Zella-Mehlis verbraucht, sagt Wolf. Weshalb dann auch mal nachgeliefert werden muss. Das hier genutzte Salz kommt übrigens aus Sondershausen.

Bei allem Einsatz können aber auch die Winterdienstler nicht verhindern, dass auf glatter Straße doch mancher Fahrer in der Leitplanke oder Böschung landet. „Wenn wir mit 40 Kilometern pro Stunde räumen und mancher meint, er könne sich vorbei quetschen und weiter mit 80 fahren, dann sind die Gesetze der Physik einfach mal stärker“, sagt Wolf. „Vor dem Winterdienst-Fahrzeug ist einfach nicht geräumt.“ Inzwischen würden die Fahrzeuge deshalb im Einsatz mit einem Leucht-Schild am Heck „Überholverbot“ signalisieren, insbesondere wenn sie zusätzlich zum Schiebe-Schild vorn auch noch mit einem Seitenschild die Fahrbahn „in einem Rutsch“ räumten oder mehrere Fahrzeuge in Formation unterwegs seien. „Aber Straßenverhältnisse wie im Sommer können wir auch nicht schaffen.“

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