Sehr zum Unmut von Zverev. "Das ist unglaublich. Das gibt es nicht. Das kann nicht euer Ernst sein", kommentierte Zverev die Behandlungspause des Spaniers in der entscheidenden Phase des dritten Satzes im Gespräch mit dem Oberschiedsrichter.
"Das ist Schwachsinn. Der hat Krämpfe. Das ist absoluter Schwachsinn, der kann doch kein Medical nehmen", schimpfte Zverev. Behandlungen sind eigentlich nur bei Verletzungen gestattet, nicht aber bei Krämpfen. Alcaraz gab an, dass er einen Stich im Adduktorenbereich gespürt hatte.
Alcaraz holt sich clevere Auszeit
Becker gab Zverev recht. "Er war in diesem Moment der Sieger. Hätte Alcaraz weiterspielen müssen, hätte er es nicht geschafft", sagte Becker. "Aber Alcaraz ist ein cleverer Junge, sagt, er hat da ein kleines Ziehen und darf dann die Verletzungspause nehmen."
Auch nach der Partie wiederholte Zverev, dass er die Entscheidung nicht nachvollziehen könne. Allerdings wollte er das Thema nicht weiter befeuern. "Ich will jetzt nicht darüber reden, weil ich denke, das war einer der größten Kämpfe, die es hier in Australien je gegeben hat. Das verdient jetzt nicht, das Thema zu sein", sagte Zverev.
Alcaraz kann kaum laufen
Alcaraz hatte ab Ende des dritten Satzes deutlich Probleme, sich zu bewegen. Doch Zverev konnte daraus zunächst kein Kapital schlagen. Dem 28-Jährigen unterliefen ein paar leichte Fehler, sodass sich der Spanier in den Tiebreak rettete. Dort endlich nutzte Zverev die körperlichen Schwierigkeiten seines Gegners aus und ließ Alcaraz laufen. Nach 3:03 Stunden Gesamtspielzeit holte er sich den dritten Satz.
Alcaraz ließ sich auch danach massieren und war nach wie vor weit von seiner normalen Fitness entfernt. Zverev schien der strauchelnde Gegner aber eher zu irritieren. Die deutsche Nummer eins versäumte es weiter, Druck auf Alcaraz auszuüben. Dennoch schaffte er nach 4:07 Stunden den Satzausgleich. Auf einmal war in der Rod Laver Arena wieder alles offen.
Zverev anfangs ohne Chance
Dabei hatte es in den ersten zweieinhalb Sätzen nach einer deutlichen Angelegenheit für Alcaraz ausgesehen. Zverev haderte lange Zeit mit seinem Aufschlag. Nach den zwei verlorenen Sätzen schien die Aufgabe für Zverev fast unmöglich. Alcaraz hatte im gesamten Turnierverlauf noch keinen Satz verloren, Zverev brauchte nun drei für den Einzug ins Finale. Auch er selbst schien nicht wirklich daran zu glauben. Doch dann begann das Drama. Alcaraz kämpfte mit großen Problemen, Zverev schaffte den Satzausgleich.
Unfassbares Niveau im fünften Satz
Im fünften Satz hatte sich Alcaraz dann weitgehend wieder erholt. Doch Zverev spielte nun großes Tennis und schaffte ein frühes Break. Das Drama nahm weiter seinen Lauf. Beim 5:4 schlug Zverev zum Matchgewinn auf, kassierte aber das Break. Alcaraz ließ sich von den Zuschauern feiern und nutzte die Emotionen, um das Spiel doch noch zu drehen.