Ausstellung mit Schneekopfkugeln Donner-Eier mit Überraschungen

Das Hennebergische Museum in der Schleusinger Bertholdsburg zeigt seit Sonntag eine Sonderausstellung mit dem Titel „Schneekopfkugeln und Co.“ Das Sammeln dieser Steingebilde hat in Thüringen eine lange Tradition.

Schneekopfkugeln werden in Thüringen bereits seit mehr als 300 Jahren gesammelt. Die ersten Funde wurden am Fuße des deshalb für die Gebilde namensgebenden Berges Schneekopf nahe Gehlberg gemacht. „Es handelt sich um ein ureigenes Thüringer Thema“, sagt Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums, deshalb zur Eröffnung der Sonderausstellung „Schneekopfkugeln und Co.“ am Sonntagnachmittag im Innenhof des Schlosses Bertholdsburg in Schleusingen, welches das Museum beherbergt. „Bereits im 17. Jahrhundert fanden diese schönen und interessanten Gebilde das Interesse der Menschen.“ Denn die inneren Hohlräume der äußerlich oft unauffälligen Gebilde aus Vulkanstein halten etwa sehenswerte Kristallfüllungen parat, die beim auseinander schneiden zu Tage treten.

Neben Ralf Werneburg stehen Ralf Schmidt aus Suhl und Gerhard Holzhay aus Erfurt, die maßgeblichen Anteil an der Ausstellung haben. Werneburg dankt ihnen und später auch allen anderen, die mitgewirkt haben. Er spricht vor etwa 50 Besuchern bei den beiden Hauptdarstellern von „Grundpfeilern, die Voraussetzung für eine solche Ausstellung sind“. Das Museum hat die große Sammlung des Geologen Holzhay mit mehr als 2000 Schneekopfkugeln im Jahre 2019 mit Hilfe der Thüringer Staatskanzlei übernommen. 90 Prozent der circa 300 Exponate, die gezeigt werden, stammen aus seiner Sammlung. Der Geologe Ralf Schmidt ist wie Holzhay Rentner und zudem freier Mitarbeiter des Museums im Bereich Mineralogie. „Er hat die Ausstellung vorbereitet und maßgeblich realisiert“, sagt Werneburg über den Präparator für naturwissenschaftliches Sammlungsgut, der bereits an einer Reihe von Ausstellungen an verschiedenen Orten mitgearbeitet und die aktuelle in Schleusingen kuratiert hat.

„Seit etwa drei Monaten habe ich konzentriert an der Ausstellung gearbeitet und die letzten drei Wochen dann ganz intensiv“, sagt Ralf Schmidt. Die Übernahme der Holzhay-Sammlung liege zwar bereits drei Jahre zurück, „aber mehr als 2000 Stücke wollen auch erst fotografiert und inventarisiert sein“, sagt er und lobt Holzhays vorbildliche Dokumentation. „Denn ohne Fundort und Fundzeit ist ein Fund nichts wert.“

Schneekopfkugeln seien „schon etwas Besonderes“, sagt Ralf Schmidt. In Schleusingen werden Exemplare aus 30 Fundgebieten gezeigt – vom Thüringer Wald über Sachsen, das Saarland, den Schwarzwald bis nach Polen und die USA. „In den USA werden Schneekopfkugeln Thundereggs – Donner-Eier – genannt“, berichtet der Kurator im Zusammenhang mit einer Indianer-Legende, die sich um das Fabelwesen Donnervogel rankt. Außerdem in der Ausstellung zu sehen, sind Produkte, die aus Schneekopffüllungen wie Achaten hergestellt wurden, etwa Geschenkartikel und Schmuck – aus Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), wo auch Schneekopfkugeln gefunden wurden, und welche aus DDR-Produktion.

Damit nicht genug: Figurenachate, die zufällig beim Schneiden von Schneekopfkugeln entstehen, dürften manche Besucher besonders interessieren, wie eine Henne – „passend zum Henneberger Land“, sagt Ralf Schmidt. „Wir haben aber auch Maultier, Smiley, Donald Duck oder Nofretete in der Ausstellung.“

Schneekopfkugeln

Schneekopfkugeln sind äußerlich meist unauffällige Gebilde aus vulkanischem Gestein (Rhyolith), deren innerer Hohlraum mit Kristallen von Bergkristall, Amethyst und Rauchquarz oder mit verschiedenfarbigem Achat ausgefüllt ist.

Die Bezeichnung Schneekopfkugeln bezieht sich auf die frühesten Funde, die unterhalb des 978 hohen Schneekopf-Gipfels nahe Gehlberg im Bereich der Güldenen Brücke und am Felsenschlag gemacht wurden. Schneekopfkugeln gibt es nicht nur in Thüringen. Bildungen gleicher Entstehung sind von vielen Orten bekannt, an denen vulkanische Gesteine vorkommen.

Die Entstehung der Schneekopfkugeln des Thüringer Waldes ist auf Vulkanausbrüche vor etwa 250 Millionen Jahren zurückzuführen. Die saure Lava bildete wegen des hohen Gasgehaltes mit Gas und gesättigten Lösungen gefüllte Blasen. Die Lösungen kristallisierten aus zu Mineralen – umgeben von der harten Gesteinsknolle.

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