Ausbildungsberufe Berufsanfänger im Bau intensiv gesucht

Die Baubranche sollte attraktiver gemacht werden, fordert die IG BAU. Sie sieht in dieser abwechslungsreichen Branche viel Potenzial.

Facharbeiter im Bau werden dringend gesucht. Der Bauberuf ist vielseitig. Neben dem vom Wohnungs- bis zum Gleis- und Straßenbau gehört auch der Gerüstbau (Foto) dazu. Foto: IG Bau

Arnstadt - Aktuell sind im Ilm-Kreis noch 280 Ausbildungsplätze zu vergeben, teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit. Die Gewerkschaft sieht in dieser Branche viel Potenzial. Um Nachwuchs für Bauberufe zu finden, müsse die Branche attraktiver gemacht werden.

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Das neue Ausbildungsjahr startet – doch viele Firmen suchen weiterhin Nachwuchs: Im Ilm-Kreis sind von insgesamt rund 610 gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell noch 280 Plätze zu vergeben. Das teilt die IG BAU mit und beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. Die IG BAU Erfurt warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, sollte ein Großteil der Stellen unbesetzt bleiben – und ruft Berufsstarter dazu auf, sich insbesondere in der Baubranche umzusehen. Laut Arbeitsagentur sind bei Hoch- und Tiefbauunternehmen in Thüringen derzeit noch rund 210 Plätze frei. Das entspricht etwa der Hälfte aller gemeldeten Ausbildungsstellen in der Branche.

„Die Corona-Pandemie ist insgesamt am heimischen Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Teils bieten Firmen weniger Plätze an oder fahren die Lehre ganz zurück. Auch der Berufsschulunterricht kann nicht überall wie gewohnt stattfinden. In vielen Bereichen bewerben sich aber auch deutlich weniger Schulabgänger“, sagt Ralf Eckardt, Bezirksvorsitzender der IG BAU Erfurt. Doch jeder Azubi, der jetzt fehle, sei in drei Jahren eine dringend gebrauchte Fachkraft weniger. Besonders das Baugewerbe müsse angesichts der anhaltend hohen Auftragslage – vom Wohnungs- bis zum Gleis- und Straßenbau – noch mehr Berufsanfänger für sich gewinnen.

Dabei stünden Bau-Azubis im Branchenvergleich in puncto Bezahlung an der Spitze, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt. Ein angehender Maurer kommt demnach im ersten Ausbildungsjahr auf 805 Euro pro Monat. Im zweiten Jahr liegt die Vergütung bei 1000 Euro, im dritten sind es 1210 Euro. Im Anschluss an den Gesellenbrief können sich Beschäftigte fortbilden und es bis zum Polier oder Bauleiter bringen.

Viele Fachleute verließen jedoch nach der Ausbildung ihren Baubetrieb, so die Gewerkschaft – vor allem wegen harter Arbeitsbedingungen und den oft langen, aber unbezahlten Fahrzeiten zu den Baustellen. „Es kommt darauf an, den Bau auch nach der Ausbildung attraktiver zu machen. Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist hier wichtig“, betont Carsten Burckhardt vom IG BAU-Bundesvorstand.

Deshalb fordert die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde für die Branche eine Entschädigung der Wegezeiten, 5,3 Prozent mehr Einkommen und den Angleich der Ost- an die Westlöhne. Die Arbeitgeber hätten in den Tarifverhandlungen bis Ende September die Chance, die Branche für die Zukunft aufzustellen. „Ohne höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen wird es kaum gelingen, die enorme Nachfrage nach neuen Wohnungen, sanierten Straßen und energetischen Gebäudesanierungen in den kommenden Jahren zu bewältigen“, so Burckhardt.