"Strategisch großer Fehler"
Neben den Kartbahnen machte Schumacher einen Kardinalfehler aus. "Leider hat Deutschland mit dem Verkauf der Formel-3-Namensrechte vor vielen Jahren an die Fia den Motorsport in Deutschland belanglos gemacht. Das war ein strategisch großer Fehler", kritisierte er. "Damals gingen noch alle Größen, ob Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton, bei uns den Weg über die Formel 3 in Richtung Formel 1. Mittlerweile ist die Formel 3 vereinheitlicht und fährt im Rahmen der Formel 1, früher war das bei der DTM der Fall."
Was sollte also passieren? "Zuerst müssten sich speziell die automobil- oder motorsportnahen Konzerne zusammentun und Sportstätten fördern, damit wir wieder Kartbahnen haben und so auch wieder international interessanter werden", sagte Schumacher und forderte einen Neustart: "Politik, Verbände, Industrie, Sponsoren und die Medien müssten alle mal ein Reset vornehmen, da ist in den letzten Jahren leider aus wirtschaftlichen und teils ideologischen Gründen oder auch Kompetenzthemen viel falsch gelaufen."
Wie sehr strahlen Großevents?
Die Situation in der Formel 1 sei aus deutscher Sicht "derzeit nicht zufriedenstellend", räumte ADAC-Sportpräsident Ennser ein. Man sehe aber in der Gesellschaft "gerade bei den Jüngeren eine Affinität für den Motorsport, und ich bin mir sicher, dass man es schaffen kann, daraus einen Boom zu entfachen".
Wenn Deutschland wieder ein Formel-1-Rennen ausrichten wolle, brauche "es politisches Bewusstsein für die enorme nationale wie internationale Strahlkraft großer Sportevents – und den entsprechenden Rückhalt. Im Rahmen der Bewerbung um die Olympischen Spiele scheint es ein Einsehen über die positiven Effekte solcher Events für Gesellschaft und Wirtschaft zu geben", meinte Ennser, der jahrelange Erfahrung als Formel-1-Rennkommissar hat.
Gesucht: Vorbilder zum Nacheifern
Das Anliegen des ADAC sei es, "Industrie und Politik an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam die Rückkehr der Königsklasse zu ermöglichen. Entscheidend für einen Boom sind auch deutsche Fahrer, die Fans begeistern und Identifikation schaffen."
In der Formel 1 ist nur Hülkenberg übriggeblieben, der beim Start in Melbourne aber auch schon 38 ist. Und in der Formel 2 gibt es Oliver Goethe (21, MP Motorsport), Sohn eines Deutschen und einer Dänin. Der gebürtige Brite wurde 2025 aber nur 15. in der Fahrerwertung.
Vielleicht muss man auf Pilotenseite noch geduldiger sein. Ennser und sein Vorgänger Hermann Tomczyk, Vorsitzender der ADAC Stiftung Sport, verweisen exemplarisch auf den erst elfjährigen Devin Titz. Der junge Kartfahrer aus der Förderung der ADAC Stiftung Sport wurde kürzlich in das Juniorprogramm des Formel-1-Teams Mercedes aufgenommen.
Talente im Motorsport Team Germany
Titz gehört genauso wie Goethe zum Motorsport Team Germany, dem gemeinsamen Förderprogramm der ADAC Stiftung Sport und des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB). Die größten Talente haben dabei Aussicht auf Unterstützung durch die Hersteller Audi, BMW, Mercedes, Porsche und Toyota.
"In unserer aktuellen Kaderauswahl des Motorsport Team Germany befinden sich äußerst talentierte Kart- sowie Formel-4-Nachwuchssportler deren Ziel natürlich die Formel 1 ist, auch wenn der Weg dorthin noch weit sein dürfte", sagte Tomczyk und meinte mit Blick auf die Förderung von Titz: "Wenn im deutschen Motorsport zusammengearbeitet wird, ist vieles möglich." Wie viel tatsächlich, das muss die Zeit zeigen.