Auch während der Pandemie Verein unterstützt Schulen in Nicaragua

Der Verein übergibt Unterrichtsmaterialien an die Schüler in einem Dorf bei Terrabona Foto: Como No

Der Ilmenauer Verein Como No unterstützt seit 20 Jahren Schulen in Nicaragua. Doch die Corona-Pandemie stellt eine große Herausforderung dar.

Ilmenau - Dass Corona eine große Herausforderung für die Schulen ist, das weiß mittlerweile in Deutschland jedes Kind und auch jeder Erwachsene. Unterricht auf Distanz über das Internet zu realisieren, gelingt nicht immer, weil häufig die nötigen Ressourcen fehlen: Oft fehlt es an geeigneten Endgeräten bei den Schülerinnen und Schülern, an leistungsfähigen Onlineplattformen bei den Schulen und manchmal auch am Internetanschluss in den Haushalten. „Die Unterrichtssituation in Deutschland ist schwierig, in anderen Regionen der Welt ist das Ausweichen auf Distanzunterricht hingegen nicht nur schwierig, sondern unmöglich. Das gilt auch für Nicaragua, einem kleinen, sehr armen Land in Mittelamerika“, teilt Jens Wolling, Vorsitzender des Vereins Como No, mit. Der gemeinnützige Ilmenauer Verein engagiert sich seit 2001 in diesem Land, um die dortige Bildungssituation zu verbessern.

An Fernunterricht ist nicht zu denken

Unterricht an Computern über das Internet zu machen, sei in den Schulen, deren Schülerinnen und Schüler Como No unterstützt, völlig undenkbar. Die geförderten Schulen hätten weder Computerraum noch Internetanschluss. Vom Besitz eines Tablets könnten Lehrende und Lernende nur träumen. Die Bedürfnisse in den Schulen seien wesentlich basaler, manchmal gebe es nicht einmal ein Whiteboard oder eine Kreidetafel. „Unter diesen Bedingungen ist an Fernunterricht überhaupt nicht zu denken, und den Schulen bleibt keine Alternative zum Präsenzunterricht, zumal die offizielle Losung der nicaraguanischen Regierung lautet: Covid-19 ist im Land kein Problem“, so Jens Wolling.

Tatsächlich sind die offiziellen Fallzahlen in Nicaragua sehr niedrig. Jens Wolling geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. „Die Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens werden angewiesen, andere Todesursachen bei Corona-Patienten anzugeben“, sagt er. Schulschließungen würden nicht erwogen, manche Eltern würden jedoch aus Angst vor Ansteckung ihre Kinder nicht in die Schule schicken.

Kinder und Schulen unterstützt

Auch in dieser Situation setzt der Ilmenauer Verein die Unterstützung der geförderten Schulen im Land durch die Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit Schulmaterialien fort. „Es wurden sogar weitere, besonders entlegene Schulen zusätzlich in das Unterstützungsprogramm aufgenommen“, erklärt Wolling. Andere Aktivitäten, die Como No bisher unterstützt hat, mussten aber unterbrochen werden. Edenia Centeno Pravia, Projektmitarbeiterin in Nicaragua, teilte in einer Telefonkonferenz dazu mit: „Aktivitäten, bei denen sich ein engerer Körperkontakt nur schwer vermeiden lässt, wurden ausgesetzt: Tanz, Musik und auch die Anprobe neuer Schuluniformen wurde verschoben. Aber die 60 geförderten Patenkinder erhielten alle notwendigen Schulutensilien und auch die Unterrichtsmaterialien für die Lehrenden wurden an die Schulen verteilt. Sogar mehr Schulen als sonst wurden mit Unterrichtsmaterialien ausgestattet.“

Zahl der Patenkinder kontinuierlich gestiegen

Und auch Catalina Wolling, Gründungsmitglied des Vereins, zeigt sich optimistisch: „Wir freuen uns, dass wir die Anzahl der geförderten Patenkinder seit unserer Gründung 2001 von anfangs zehn auf nunmehr 60 steigern konnten. Das ist der Spendenbereitschaft unserer engagierten Ilmenauer Bürger zu verdanken.“

Länder-Vorträge sollen nachgeholt werden

Leider habe man im vergangenen Jahr keine öffentlichen Veranstaltungen anbieten können. „Zwei geplante Vorträge über Taiwan und El Salvador mussten abgesagt werden. Wir hoffen sehr, dass wir zumindest den Vortrag über El Salvador in 2021 nachholen können, denn die Länderabende, die wir in Kooperation mit der Volkshochschule durchführen, liegen uns ganz besonders am Herzen. Unsere Referenten stammen zumeist aus den Ländern, über die sie berichten und so erleben wir authentische und sehr persönliche Vorträge, die dazu beitragen, Verständnis für das Leben in anderen Regionen der Welt zu vermitteln“, sagt Thomas Geiling, zweiter Vorsitzender von Como No.

Und auch noch aus einem anderen Grund ist der Wegfall dieser Aktivitäten für den Verein problematisch. „Die Einnahmen, die wir beim ausgefallenen Stadtfest und durch die Länderabende erzielen, sind die zweitwichtigste Einnahmequelle nach den Spenden“ erklärt Mario Brunsch, der im Vorstand für die Finanzen zuständig ist. „Es macht sich schon bemerkbar, dass diese Posten im letzten Jahr weggefallen sind.“

Neue Mitstreiter willkommen

Umso dankbarer sind die Vereinsmitglieder, dass die Spender und Paten, die das Projekt teilweise schon seit vielen Jahren unterstützen, auch im Corona-Jahr dem Verein treu geblieben sind. Gegenüber dem Vorjahr konnte das Spendenaufkommen sogar leicht gesteigert werden. „Das ist sehr wichtig, denn der Bedarf in Nicaragua ist riesig. Allein in der Region Terrabona – von der Fläche circa ein Drittel so groß wie der Ilm-Kreis –, in der das Projekt angesiedelt ist, gibt es über 30 Schulen, von denen bisher nur ein kleiner Teil durch den Verein unterstützt werden kann“, so Jens Wolling. „Um die erfolgreiche Arbeit fortzuführen, freut sich Como No deswegen über jede Spende und natürlich auch über neue Mitglieder, die bei den Aktivitäten des Vereins mitmachen möchten.“

Informationen über den Verein und seine Aktivitäten finden sich im Internet unter www.como-no.org. Wer mit dem Verein in Kontakt treten möchte, kann eine E-Mail schreiben an vorstand@como-no.org.

Autor

 

Bilder