Aschenbrödel Ein zauberhaftes Märchen

Carla Witte als Aschenbrödel auf der Meininger Märchenbühne. Foto: /Liebig/MT

Das Meininger Theater bringt „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nach Motiven des legendären deutsch-tschechischen Märchenfilms auf die Bühne. Kleine und große Zuschauer erleben ein zauberhaftes Märchen.

Es ist der erste Moment, der in diesem Märchen den Faden auf der Meininger Bühne spinnt. Jenen Faden, den kleine wie große Zuschauer nicht wieder loslassen wollen in dieser reichlichen Märchenstunde. An den sie geradewegs zu ziehen beginnen, um zu sehen, wie es weitergeht, und sich diese wunderbare Geschichte, um die sich alles dreht, endlich erfüllt: Der Prinz findet seine Prinzessin – dem bösen Spiel von Stiefmutter und Stiefschwester zum Trotz.

Natürlich kennen wir diese Geschichte. So gut, dass wir alle Bilder im Kopf haben. Schöner als in diesem einen Film ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nie erzählt worden. Und doch sind wir von neuem überwältigt: Von einer monumentalen Winterlandschaft, die sich gleich im ersten Moment auftut, vom „Aschenbrödel“-Song, den die Meininger Hofkapelle eigens eingespielt hat, und natürlich von Carla Witte – dem Aschenbrödel, das da so wild und ausgelassen durch die Winterwelt tanzt. Märchen sind ein Werk der Fantasie – und am Meininger Theater weiß man, dass dabei nicht gespart werden darf. Noch dazu wenn es gilt, Motive eines legendären Films in Szene zu setzen.

Und also trägt Ausstatter Helge Ullmann dick auf: Eine glitzernde Wintertraumwelt, ein königliche Ballsaal, das stattliche Gehöft, in dem das Aschenbrödel mit Stiefmutter und Stiefschwester lebt – alles dreht sich im flotten Wechsel auf die Bühne. Eine königliche Kutsche fährt herein und wieder hinaus, das Pferd Nikolaus trabt durch den Wald, Schneebälle werden geworfen, Tauben flattern vom Himmel und auch eine Eule klappert mit den Augen. Und die die drei Haselnüsse, na klar, verwandeln sich auf magische Weise in wunderschöne Kleider, wenn sie das Aschenbrödel zu Boden wirft.

Gabriele Gillert hat ein Händchen für dieses Märchen. Sie ist clever genug, sich nur ein paar Motive als Handlungsanleitung aus dem Film zu holen – wohl wissend, dass alles andere nur Abklatsch wäre. Denn dem Original käme sie ja sowieso nie bei. Und also dreht sie gekonnt am Charakter der Figuren: Das Aschenbrödel ist ganz schön frech und kess und gar nicht das scheue Rehlein aus dem Film. Matthias Herold lässt einen herrlich tollpatschigen und leicht genervten König durch das Märchen geistern – vom gutmütig drein schauenden Rolf Hoppe keine Spur. Eine Königin spart sich Gabriele Gillert gleich ganz, sie hätte sowieso nichts beizutragen. Dafür lässt sie Hans-Joachim Rodewald als einen vom Prinzen getriezten Prinzenausbilder, witzigen Zeremonienmeister und buckelnden Knecht im Hause der Schwiegermutter die Erzählung antreiben. Dorchen (Marie-Sophie Weidinger) ist natürlich doof, naiv und völlig überdreht in ihren Schreikrämpfen. Die unablässig mit einem Stock herum fuchtelnde Schwiegermutter (Christine Zart) erscheint ein paar Zacken bösartiger als im Film: Eine ganz unausstehliche Person. Und der Prinz? Yannick Fischer stellt ihn ganz einfach wie einen jungen Rotzlöffel auf die Bühne. Das passt, das findet zusammen.

Gabriele Gillert schafft es, die Kinder bei der Stange zu halten – was schwer genug ist bei einem gut 75 Minuten langem Theaterspiel. Sie achtet auf jedes Detail und hat geniale Einfälle – etwa wenn blinkende Umrisse aus vielen kleinen Lichtern wie Täubchen vom Himmel flattern und dem Aschenbrödel helfen, Linsen und Erbsen auszulesen. Wenn Pferd Nikolaus auf zwei Menschenbeinen bemerkenswert echt über die Bühne läuft. Und wenn die Kinder im Saal dem Prinzen – der immer in die falsche Richtung läuft – helfen, das freche Aschenbrödel im Winterwald zu finden.

Freilich staunen alle über das Hochzeitskleid. Und als der Prinz – das Dorchen ist mangels passendem Fuß zum Schuh längst ausgenoggt – in den Saal ruft, jetzt werde endlich geheiratet, da jubeln die Kinder. Die älteren im Saal aber ahnen, warum dieser Märchenfilm seinen unvergänglichen Zauber besitzt: Dort reiten Prinz und Prinzessin gemeinsam durch den weißen Schnee des Böhmerwalds in die Ferne – wie die Geschichte weitergeht, bleibt alleine der Fantasie überlassen. Auf der Meininger Bühne endet der Faden im Ballsaal des Königs. Das genügt und ist dem Theater zauberhaft gelungen.

Nächste Vorstellungen: 23./24. November, 5./6. Dezember, www.staatstheater-meiningen.de

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