ASB in Sinzig ASB in Sinzig: „Starker Tobak, ganz starker Tobak“

Chaos und Zerstörung überall: In Sinzig herrscht noch immer Ausnahmezustand. Foto:  

Nach fünf Tagen Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet von Rheinland-Pfalz sind die Suhler Einsatzkräfte des ASB gesund in der Heimat zurück.

Suhl - Mit den Gedanken sind einige der acht ASB-Ehrenamtlichen des ASB-Südwestthüringen noch immer bei den Menschen im Katastrophengebiet, auch wenn sie mit ihren vier Krankentransportwagen am Samstagabend nach achtstündiger Verbandsfahrt mit anderen Thüringer Einheiten vom Bereitstellungsraum Nürburgring auf dem Hof des Suhler Katastrophenschutzzentrums in der Aue ankamen. Denn es war ein Einsatz der ganz besonderen, anderen Art, der ihnen viele neue Erfahrungen brachte, an die Grenzen der eigenen psychischen Kräfte ging, viel Leid zeigte, aber bei dem die Samariter auch Dankbarkeit empfingen.

„Es knabbert noch ganz schön an einem, was man in diesen Tagen dort erlebt hat, wie verzweifelt und traumatisiert noch immer viele Menschen sind“, sagt der erfahrene Suhler ASB-Mann Renè Dorst am Montag bei der Nachbereitung und gründlichen Reinigung der Fahrzeuge und Einsatzmittel. „Viele Betroffene dort fühlen sich wie in einer Blase. Sie funktionieren nur noch, räumen ihre Häuser leer, kommen gar nicht zum Nachdenken“, schildert er seine Eindrücke. Viele Gespräche haben er und seine Mitstreiter mit den Menschen in Sinzig geführt – auch mit Menschen, die nahezu alles verloren haben außer das nackte Leben. „Starker Tobak, ganz starker Tobak, was man da hört. Manche haben aus ihren Häusern zuschauen müssen, wir ihre Nachbarn in den Fluten verschwunden sind und können das Gesehene einfach nicht vergessen. Da muss man mitunter selbst mit den Tränen kämpfen“, sagt er.

Die Gesprächsangebote für Betroffene waren neben der medizinischen Absicherung der Aufräumarbeiten ein wesentlicher Aspekt des Einsatzes der Suhler. Die fachmännische Versorgung selbst kleinster Schnitte oder Wunden ist vor allem deshalb so wichtig, weil durch den mit Fäkalien, Öl und anderen Dingen stark verunreinigten Schlamm schnell eine Infektion droht.

Auch wenn die ASB-Leute keine ausgebildeten Notfallseelsorger sind – „das Interesse an ihrem Schicksal, die menschliche Zuwendung ist für die Betroffenen ganz, ganz wichtig“, sieht es Dorst, der bereits 2013 in Magdeburg und Gera im Hochwassereinsatz war. Die anderen Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr oder THW hätten andere Aufgaben und deshalb nicht die Zeit, einfach mal zuzuhören. „Diese Lücke haben wir geschlossen“, sagt Dorst. Nein, Worte reichen einfach nicht aus, um das zu beschreiben, was die ehrenamtlichen Katastrophenschützer vor Ort erwartete. „Wer dieses Chaos gesehen hat, der wird die Bilder nie wieder vergessen.“

Nicht minder beeindruckend sei die riesengroße Hilfsbereitschaft. „Da kamen Leute aus ganz Deutschland, brachten Notstromaggregate, Schaufeln oder Medikamente und halfen. Man glaubt es kaum, wie stark der Zusammenhalt in dieser Krisenlage zum Tragen kommt.“

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