Antifaschismus in Suhl „Mut der Friedbergkämpfer in den Alltag tragen“

Antifaschisten, Bürger und Stadträte aus Suhl gedachten am Sonntag am Ehrenmal an der Alten Wendeschleife auf dem Friedberg den ermordeten Antifaschisten der Widerstandsgruppe Friedberg.

Linken-Stadtrat, VVN/BdA-Landesvorstandsmitglied und Bundestags-Direktkandidat Philipp Weltzien beim Gedenken mit Bürgern und Bürgermeister Jan Turczynski. Foto: /Karl-Heinz Frank

Es ist 80 Jahre her, dass am 5. Januar 1945 in Weimar die Köpfe von Antifaschisten der Widerstandsgruppe Friedberg unterm Fallbeil der Nazis zu Boden fielen. Als erste ermordet wurde Minna Recknagel, eine Stadträtin aus Suhl, die unter anderem daran beteiligt war, die Wahrheit über den Massenmord an Juden mittels Gas in den Vernichtungslagern zu verbreiten. Ihr in den Tod folgten ihr Mann Emil Recknagel, Adolf Anschütz, Rudolf Gerngroß, Friedrich Heinze, Ernst König, Carl Stade und Ewald Stübler. Sie hatten in der Suhler „Friedberg-Gruppe“ und in Rüstungsbetrieben wie Haenel und Gustloff, dem „arisierten“ Simsonwerk, mit Gleichgesinnten illegale antifaschistische Arbeit geleistet. Ihnen zu gedenken und an ihr Vermächtnis zu erinnern, hatten am Sonntagvormittag Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten Suhl/Südthüringen (VVN/BdA) an das kleine Ehrenmal auf dem Friedberg eingeladen. Etwa 20 Bürger und Antifaschisten kamen, um mit dem Gedenken den Start in das Jahr zu vollziehen, in dem am 8. Mai der 80. Jahrestag der Befreiung begangen wird.

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„Es reicht nicht, sich an der Wahlurne gegen rechts zu positionieren – auch wenn das ein wichtiger Schritt ist. Wir müssen schon heute aufklären, debattieren und den Menschen zuhören, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen. Denn gerade diese Menschen sind anfällig für die einfachen Antworten und die Sündenbock-Rhetorik rechter Ideologien“, sagte Linken-Bundestagskandidat und VVN-Vorstandsmitglied Philipp Weltzien.

Die Friedbergkämpfer zeigten, was es bedeute, Haltung zu zeigen. Sie riskierten alles, um für ihre Überzeugungen einzustehen, so Weltzien in seiner Gedenkrede. „Wir hingegen leben in einer Demokratie, in der unser Widerstand nicht das Leben kostet, aber dennoch Mut erfordert.“

Die Bundestagswahl im Februar sei eine Chance, um sich klar gegen die Feinde der Demokratie zu stellen und für eine Gesellschaft einzutreten, die von Vielfalt, Respekt und Solidarität geprägt sei, ließ Weltzien wissen. „Lasst uns deshalb handeln – nicht nur im Februar, sondern jeden Tag. Lasst uns den Mut der Friedbergkämpfer in unseren Alltag tragen, indem wir uns für soziale Gerechtigkeit und gegen rechte Hetze einsetzen. Lasst uns in ihrem Sinne sagen: Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg. Alerta!“