Während Pedro Pascal in Santiago de Chile zur Welt kam, wurde Oscar Isaac in Guatemala-Stadt geboren. Man könnte nun denken, Stars müssten aus Lateinamerika stammen, um als Daddy wahrgenommen zu werden. Doch das führt weg vom Kern des Hypes.
Es geht eher um eine Aura, um eine Ausstrahlung von "Alles wird gut, Kleine(r)". Welche Ethnie der Mann hat, ob er graue Schläfen hat, Brusthaar oder einen Dad Bod (auf Deutsch: Vaterkörper, was das Bäuchlein meint, das viele Männer etwa ab den Vierzigern ihr Eigen nennen): All das ist ziemlich egal.
Die Attraktivität etwa von Pedro Pascal speise sich aus der Fürsorglichkeit, die er in Rollen und Auftritten zur Schau stelle, meinte die Medienwissenschaftlerin Sophie Einwächter von der Uni Marburg in einem dpa-Gespräch 2025. Pascal sei "ein gutes Beispiel für eine positiv aufgeladene, spielerische, nicht perfekte und dabei für Frauen und viele Minderheiten "sichere" Männlichkeit".
Gerade in der aktuellen krisenreichen Zeit fungiert so eine Art Kerl offensichtlich als Trostspender. Einen ähnlichen Hype habe es auch schon beim "Matrix"-Schauspieler Keanu Reeves gegeben, sagt Einwächter.
Womit wir bei möglichen anderen Namen wären. "Daddy"-Prototypen in Hollywood waren wohl einst Richard Gere und George Clooney. Heute könnte man auch Ethan Hawke, Antonio Banderas und Mark Ruffalo dazu zählen. In Deutschland fiele einem - gerade wegen seiner fürsorglichen Rolle als neuer "Pumuckl-Papa" - der Schauspieler Florian Brückner ein.
Ist diese Daddy-Bezeichnung nicht irgendwie problematisch?
Viele fremdeln mit der Umdeutung des Begriffs "Daddy" zu einem popkulturellen Phänomen. Sie denken an "Vaterkomplex", Sigmund Freud und Psychoanalyse.
Dabei sind "Vaterkomplex" und "Daddy Issues" keine klinischen Begriffe. Sie haben sich bloß eingebürgert für Frauen (oder auch Schwule), die - angeblich wegen einer gestörten oder fehlenden Vater-Beziehung in der Kindheit - als Erwachsene ältere und vermeintlich unpassende Männer daten.
Warum manche möglicherweise Schwierigkeiten haben, auf Gleichaltrige zu stehen oder sich überhaupt an andere zu binden, ist aber nicht vollends geklärt. Und sicher hat es nicht zwangsläufig mit dem eigenen Vater zu tun. Aus heutiger Sicht sollten Vorlieben wohl auch nicht vorschnell moralisiert werden.
Im Grunde geht es meist um das wohl ganz natürliche Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit, nach Fürsorglichkeit, Vertrauen und emotionaler Wärme.
Das soll jedoch nicht verschweigen, dass es auch die Daddy-Sexfantasie gibt, gar die Lust auf eine züchtigende Vaterfigur. Es gibt Frauen und Männer, die von einem Älteren dominiert oder ausgehalten werden möchten (Stichwort "Sugardaddy"). Es soll deshalb schon vorgekommen sein, dass Männer wegen der Assoziation mit Fetisch-Sex und Daddy-Kink ihren kleinen Kindern verbieten, sie "Daddy" zu nennen statt Papi.