An der Werra Die Rückkehr der Biber

Klaus-Martin Luther

Seit 2007 – nach etwa 400 Jahren Pause – bevölkern die Biber (lat. Castor fiber) wieder Thüringer Gewässer. Auch Felda, Ulster und Werra bieten mittlerweile gut besetzte Biberreviere.

In der freien Natur werden die Biber selten älter als 12 bis 14 Jahre. Foto: Klaus-Martin Luther

Europas größtes Nagetier siedelte vor allem aus dem Norden von den Elbrevieren Sachsen-Anhalts nach Thüringen hinein. Die Biber sind streng geschützt und erreichen immerhin eine Körperlänge von rund einem Meter. Hinzu kommt noch der circa 35 Zentimeter lange und wegen seiner Plattheit auch „Kelle“ genannte Schwanz. Auch gewichtsmäßig können sich die stattlichen Nager mit etwa 25 Kilogramm (in Ausnahmefällen bis zu 35 Kilogramm, wobei die Weibchen etwas schwerer werden als die männlichen „Böcke“) durchaus sehen lassen. In der freien Natur werden die Biber selten älter als 12 bis 14 Jahre.

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Die bekannten Biberburgen aus Treibholz und Gehölzresten und die selbstgebauten Biberdämme findet man allerdings an der doch relativ breiten Werra nur selten. Das Biberpaar gräbt seinen Wohnkessel meist in das steile Gewässerufer, um hier geschützt mit seinem Familienverband den Tag zu verbringen. Der Eingang zum Wohnkessel liegt aus Sicherheitsgründen stets unter Wasser. Auch die Jungen (zwei bis fünf Welpen pro Jahr) werden hier aufgezogen. Das ist straff durchorganisiert. Selbst die vorjährigen Jungbiber sind hier stark mit eingebunden, bevor sie sich als zwei- bis dreijährige Junggesellen ein neues Revier suchen müssen.

Als reine Pflanzenfresser finden unsere Werra-Biber einen reich gedeckten Tisch vor, da hier insbesondere Weiden und Pappeln sehr zahlreich wachsen. Je nach Jahreszeit und Angebot frisst der Biber gerne junge Zweige, Blätter, Knospen und die Rinden von Gehölzen. Brennesseln, Löwenzahn, Knöterich, Giersch, Ampfer und über 150 weitere krautartige Pflanzenarten sowie auch die Wurzeln von Wasserpflanzen stehen auf dem Speiseplan.

Da die Biber keinen Winterschlaf halten, sind sie das ganze Jahr über aktiv. Zur späten Dämmerung und in der Nachtzeit gehen sie auf Nahrungssuche. Zu sehen bekommt man sie allerdings nur selten. Zum einen, weil Biber sehr scheu sind, zum anderen, weil man sie – wenn überhaupt – fast nur im Wasser erblickt. Als Angler hatte ich jedoch insbesondere beim Nachtangeln auf Aal schon mehrfach Sichtkontakt mit diesen imposanten, oft auch sehr verspielten Tieren. Ein besonderes Erlebnis ist es auch immer wieder, wenn ich zufällig Ohrenzeuge von relativ laut miteinander kommunizierender Biber werden konnte. Es ist einfach immer sehr spannend, sie zu beobachten. Kaum ein Nagetier hat nun einmal eine so interessante Lebensweise wie die Biber. Auch seine Fähigkeiten zum Gestalten seiner Umwelt sind überragend. Er ist der Top-Architekt und Baumeister unter den Tieren. Das daraus auch möglicherweise sich ergebende Konfliktpotenzial mit den Menschen hält sich zum Glück in unserer Werra-Gegend in Grenzen. Sinnvollerweise sind unsere Werra-Wiesen ja überwiegend als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen und dienen meist nur als Weideflächen und Heu-Lieferanten. Zum weiteren kann der NABU Thüringen über Jahre schon auf ein effektives Bibermanagement verweisen.

Bei der Betrachtung der Biber darf man auch keinesfalls außer Acht lassen , dass der Nutzen, den die Nagetiere für andere Tierarten sowie den Gewässerschutz leisten, enorm ist. Biberreviere zählen zu den artenreichsten Biotopen überhaupt. In Zeiten dramatischen Artensterbens ist das nicht hoch genug zu schätzen. Mein Resüme: Ich finde „Meister Bokert“ (sein Fabelname) als nun auch bei uns wieder heimische Tierart absolut faszinierend. Eine Tierart, die sich nichts gefallen lässt und dem Menschen zeigt, dass es sich lohnt, um seinen Lebensraum auch unter den heutigen Bedingungen zu kämpfen. Sie verdient allemal unseren Respekt, Achtung und Schutz.