Altensteiner Park Äolsharfe vom Altenstein klingt wieder

Ilga Gäbler

Die Äolsharfe ist im Altensteiner Park an ihren angestammten historischen Platz zurückgekehrt. Möglich gemacht hat das eine Spende des Fördervereins in Höhe von 5000 Euro.

Kaum einer glaubte wohl daran, noch zu Lebzeiten den Klang einer Äolsharfe im Altensteiner Park zu hören. Kenner und Liebhaber wussten natürlich um sie. Doch weit mehr als 100 Jahre war sie im Park aus dem Blickfeld verschwunden. Sie tauchte nur noch in historischen Dokumenten und Büchern auf.

Und nun gab es diese faustdicke Überraschung: Die Äolsharfe kehrte zurück, an ihren angestammten historischen Platz in einer künstlich erweiterten Felsnische des Hohlen Steins mit dem Chinesischen Häuschen darauf. Freilich in einer modernen Version.

Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten lud dazu ein, diesen historischen Moment mitzuerleben. Mitarbeiter der Schlösserstiftung, Mitglieder des Fördervereins Altenstein/Glücksbrunn, Parkführerinnen und interessierte Bürger kamen. Darunter auch jene beiden Männer, ohne die es das neue Altensteiner Saiteninstrument nicht gäbe: Gottfried Schmidt aus Jena, ein Kenner der Materie und Tüftler, sowie Bauschlosser Sebastian Reich aus Bad Liebenstein. Der Zufall führte beide zusammen.

Am Ende ihrer Zusammenarbeit entstand eine Windharfe aus Aluminium mit sechs Saiten aus Kunststoffmaterial. Als Sebastian Reich sie an der ursprünglichen Stelle installierte, erhielt er Beifall. Schließlich hatten die Anwesenden das Glück, einem unvergesslichen Augenblick beizuwohnen.

Alles passte: Der Park präsentierte sich in herbstlichen Farben. Die Sonne schien. Und die Weitsicht vom Chinesischen Häuschen aus war fantastisch. Nur eines fehlte: der Wind. Der aber war der Hauptakteur, denn er muss die Saiten zum Klingen bringen und kein Musiker. Parkverwalter Toni Kepper bangte: „Gerade jetzt ist es windstill.“ Geht das – eine Windharfen-Premiere ohne Wind?

Toni Kepper ergriff die Gelegenheit beim Schopf und berichtete über die Geschichte der Altensteiner Äolsharfe. Bereits 1802 gab es im Park zwei Windharfen. Parkgründer Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen hatte sie unterhalb des Chinesischen Häuschen anbringen lassen. Bis hinunter ins Tal sollen sie ihre wohlklingenden Töne geschickt haben.

„Geräusche spielten in der Gartenkunst um 1800 eine große Rolle“, erklärte der Parkverwalter. „Damals wurden bei der Gestaltung der Parks nicht nur Landschaftsbilder bewusst gewählt, sondern auch akustische Elemente wie das Plätschern eines Wasserfalls oder die orientalisch, fernöstlichen Klänge von Windharfen.“

Wie hörte sich das an? Fördervereinsmitglied Martin Henkel zitierte den Dichter Friedrich Mosengeil, der 1815 in seinem Buch „Bad Liebenstein und seine Umgebungen“ dieses romantische Phänomen so beschrieb: „… ein linder Westwind sanft nach Morgen strömt. Dann öffne die Flügeltüren der Altensteiner Harfen und setze dich lauschend auf die Bank und höre ihnen zu, bis sie leise einander verklingen…“ Zugleich lässt Mosengeil auch wissen, dass heftiger Wind zu „entsetzlichen Misstönen“ führen konnte.

Ende des 19. Jahrhunderts allerdings verstummten die Harfenklänge gänzlich. Als August Trinius, der Wanderschriftsteller Thüringens, um 1890 auf dem Altenstein haltmachte, fand er „zerissene Saiten“ vor. Er notierte in seinem „Thüringer Wanderbuch“: Es werde „keine Hand wieder die Harfe neu besaiten“.

Bis 1914 hätten die Windharfen noch existiert, sagte Toni Kepper. Meiningens Hofbaumeister Karl Behlert versuchte mehrfach, durch eigene Konstruktionen den legendären Klang zurückzuholen. Vergeblich. „Der dichte Baumbestand verhinderte mittlerweile die notwendigen Luftbewegungen. 1923 wurde dann auch das Chinesische Häuschen abgebrochen“, berichtete Horst Weinberg vom Förderverein.

2013 aber wurde das Chinesische Häuschen besonders durch das finanzielle Engagement des Vereins wieder aufgebaut. Jedoch alle Windharfen-Projekte scheiterten indessen.

Bis 2021: Damals besuchte Gottfried Schmidt den Altensteiner Park und hörte während einer Führung von den früheren Äolsharfen. Das weckte die Neugier des Diplomingenieurs für Feinmechanik aus Jena. Denn er hatte zwei dieser Instrumente zu Hause stehen. „Nach einem Vortrag von Dr. Mins Minssen, der sich auch mit Äolsharfen beschäftigt, habe ich zwei eigene Modelle aus Holz gebaut“, erzählte Gottfried Schmidt.

Also rief er bei der Schlösserstiftung in Rudolstadt an und bot eine seiner gut funktionierenden Windharfen an. Im September traf er sich mit Toni Kepper. Benötigt wurde aber ein wetterfester Kasten für das Holzinstrument. Damit kam Metallbauer Sebastian Reich aus Bad Liebenstein ins Spiel. Doch würde ein Kasten aus Metall als Schutz ausreichen? Nach reiflicher Überlegung entschieden sich alle Beteiligten für ein neues Instrument aus Aluminiumblech. Das Experiment glückte. Sebastian Reich bedankte sich ausdrücklich bei Gottfried Schmidt für dessen große Unterstützung. „Ich konnte ihn jederzeit anrufen. Er hat immer ein offenes Ohr für mich gehabt und aus seinem umfangreichen Wissen kein Geheimnis gemacht. Ich habe viele Tipps von ihm bekommen - bis hin zu dem Rat, für die Saiten Angelschnur zu verwenden.“ Der Experte aus Jena empfahl, die neue Äolsharfe nach der Installation mindestens einmal vierteljährlich zu stimmen. Zudem wünschte er, dass künftig eine Info-Tafel dem Parkbesucher Auskunft über das ungewöhnliche Instrument und seine Historie geben soll.

Dazu gehört wohl auch der Fakt, dass erst der Förderverein Altenstein/Glücksbrunn mit seiner Spende von 5000 Euro die Verwirklichung des Projekts möglich machte. „Toni Kepper dankte im Namen der Schlösserstiftung für diese großzügige Hilfe. Ebenso galt sein Dank Gottfried Schmidt.

Denn beim Windharfen-Nachbau kam es auf jedes noch so kleine Detail an. Nunmehr ist das Instrument so fein justiert, dass auch geringe Luftbewegungen den Saiten Töne entlocken können. Und das passierte dann auch, nachdem Sebastian Reich die Harfe installiert hatte. Ein leiser surrender Klang breitete sich aus. Die Anwesenden lauschten.

Die Gäste des Altensteins dürfen sich auf noch mehr freuen. Vielleicht sogar auf ein Klang-Duett mit den Glasglöckchen am Chinesischen Häuschen. Denn dies erlebbar zu machen, war einst die Idee des Schöpfers des Altensteiner Parks.

 

Bilder