Altenstein Wenn das Geld auf der Straße liegt

Helmut Will

Was macht man, wenn man ein Portemonnaie findet? Gabriele Höll musste nicht lange überlegen. Sie verhielt sich vorbildlich.

Gabriele Höll zeigt auf den Ort auf der Straße von Altenstein in Richtung B 303, wo es vor ihren Augen "Geldscheine regnete." Foto: Helmut Will

Altenstein - "Es regnete Geld", sagt Gabriele Höll aus Altenstein und lacht dabei. Als sie mit ihrem Auto am 9. Juli, gegen 19 Uhr, von Altenstein in Richtung B 303 fuhr, wirbelte der Wind vor ihren Augen Geldscheine in die Höhe. Auf der Fahrbahn lag außerdem ein Geldbeutel.

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Die 52-Jährige ist selbstständig, Kursleiterin für Yoga und Walken und war auf der Fahrt zu einem Kurs nach Coburg. "Ich traute meinen Augen nicht, als plötzlich vor mir Geldscheine durch die Luft flogen", sagt Gabriele Höll, grinst und sagt, dass auf der Höhe in Altenstein der Wind halt oft kräftig blase. Sie hat angehalten, die Geldscheine und diverse Papiere eingesammelt, was bei dem Wind gar nicht so leicht war. "Es war quasi schon ein Aufwärmtraining für meinen Yoga-Kurs in Coburg", sagt die Sozialpädagogin. Ihr war natürlich sofort klar, dass jemand seine Geldbörse verloren hat. Vor ihr war noch ein anderes Auto gefahren und ihr kam kurz der Gedanke, dass der Geldbeutel von diesem stammen könnte, was sich aber später als nicht richtig herausstellte. Was dachte sie, als sie das Geld einsammelte? Gabriele Höll runzelt ihre Stirne und sagt: "Ich habe zu keiner Sekunde daran gedacht, dass ich das Geld behalten werde." Nach ihren Worten war es ein dreistelliger Betrag, dabei waren noch Tankbelege und weitere diverse Papierstücke. Nachdem sie alles eingesammelt hatte, fuhr sie weiter in Richtung Coburg, da dort ihr Yoga-Kurs auf sie wartete. "Vorsorglich habe ich aber die Polizei in Ebern angerufen und von meinem Fund erzählt, nicht, dass ich noch Probleme bekommen würde, falls jemand meine Einsammelaktion bemerkt haben sollte." Nach ihrer Arbeit hat sie den Geldbeutel zur Eberner Polizei gebracht.

"Dort wurde ein Fundanzeige aufgenommen, während sich der Beamte nebenbei über meine Arbeit als Yogalehrerin erkundigte. Für mich war das auch ein gewisser Zeitaufwand, den ich aber gerne in Kauf genommen habe", so Gabriele Höll. Hat sie nicht wirklich einmal daran gedacht das Geld für sich zu behalten? Gabriele Höll entgegnete spontan: "Wäre ich glücklicher, wenn ich den nicht allzu hohen Geldbetrag behalten hätte?" Jedenfalls sei es für ihr eigenes Gewissen ein sehr befriedigendes Gefühl gewesen das verlorene Geld bei der Polizei abgegeben zu haben. Für manche Menschen sei möglicherweise der gefundene Betrag sehr viel Geld.

Polizeihauptkommissar Detlef Hauck, Stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Ebern, sagte zu diesem Fall: "Solche Geschichten fallen für mich persönlich in die Rubrik der ‚Kleinen Freuden des Alltags‘. Es ist immer wieder schön auf ehrliche Menschen zu treffen, die mit ihrer Ehrlichkeit anderen Menschen eine Freude bereiten." Hauck freut sich auch, dass es seinem ermittelnden Beamten möglich war, anhand von diversen Papieren, die nicht direkt auf den Verlierer hinwiesen, diesen trotzdem zu ermitteln und ihm seine Geldbörse samt Inhalt übergeben zu können. "Gesetzlich steht dem Finder gemäß Paragraf 991 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) bei einer Fundsache bis zu einem Wert von 500 Euro ein Finderlohn von fünf Prozent zu. Umso schöner ist es jedoch nach meinem Empfinden, wenn man heutzutage auch noch mit einem herzlichen Dankeschön belohnt werden kann", sagt Hauck.

Bei dem Verlierer handelt es sich um Uwe Bornkessel aus Lendershausen. "Er hat mich angerufen und sich überschwänglich bei mir bedankt", sagt Gabriele Höll, was sie gefreut und in ihrer Überzeugung bestätigt hat, richtig gehandelt zu haben. Bornkessel selbst sagt, dass er überrascht war, als er von der Polizei in Ebern die Nachricht erhalten hat, dass seine Geldbörse samt Inhalt von einer ehrlichen Finderin auf der Dienststelle abgegeben wurde. "Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet", so der 54-Jährige, der mit seinem Motorrad unterwegs war als er seine Geldbörse verloren hat. Er schildert, dass er nach einem Stopp in Ebern wohl die Tasche seiner Lederkombi, in der er den Geldbeutel steckte, nicht verschlossen habe. "Ich habe dann eine Runde im Itzgrund gedreht, bin nach Altenstein gefahren und dort fiel mir die Geldbörse aus der Tasche", sagt Uwe Bornkessel. Als er das Fehlen bemerkte, habe er sich mit dem Gedanken getragen bei Fundbüros, die es entlang seiner Motorradtour in den Gemeinden gibt, nachzufragen. "Allerdings kam mir die Polizei in Ebern mit einem Anruf, dass meine Geldbörse dort abgegeben wurde, zuvor", freute sich Bornkessel. Er habe Höll einen Finderlohn angeboten, was sie ablehnt habe.

Würde in so einem Fall jemand diesen behalten und könnte ermittelt werden, müsste er oder sie mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen. Unterschlagung beziehungsweise Fundunterschlagung ist ein Vergehen und wird mit Freiheitsstraße bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.