Alte Tradition in Mupperg bewahren Mit Stecknadel und Feder filigrane Muster auf Eier zaubern

Ganz vorsichtig erhitzt Gerlinde Friedrich die bereits bemalten Eier über der Kerze, um sie wieder zu entwachsen. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Sorbische Eier zu gestalten ist nicht einfach und erfordert viel Geschick. Gerlinde Friedrich aus Mupperg hat jedoch schon seit vielen Jahren den „Dreh“ raus und verziert Eier mit dieser ganz besonderen Technik.

Mupperg - Zu Ostern gehören bunte Eier dazu. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so sein. Manch einer macht es sich einfach, kauft entweder bereits gefärbte Eier oder wählt aus der Vielzahl der Farbpalette aus und versucht zu Hause sein Glück. Einige wenige legen aber großen Wert darauf, die Ostereier auf ganz besondere Weise zu verzieren. Eine von ihnen ist Gerlinde Friedrich. Sie hat sich schon als junges Mädchen in die sorbischen Ostereiern verguckt und gestaltet bis heute den Schmuck in dieser Technik.

„Ich habe das am 17. April 1962 zum allerersten Mal gemacht“, weiß sie noch ganz genau. Damals gab es noch Abende des DFD (Demokratischen Frauenbundes). Die Ortsvorsitzende Anneliese Heinze hatte Otto Schott eingeladen und der zeigte den Frauen, wie man sorbische Eier macht. Gerlinde Friedrich war als 16-Jährige dabei und entdeckte diese Kunst für sich. Später am Institut für Lehrerbildung in Meiningen konnte sie die Technik vervollkommnen. Inzwischen hat sie viele kleine Kunstwerke geschaffen, die nicht nur bei ihr zu Hause zu bewundern sind.

Sorbische Eier kann man auf verschiedene Art und Weise herstellen. Gerlinde Friedrich hat sich für die Wachsreservetechnik entschieden. Ihre Utensilien, die man dazu braucht, stammen noch von ihrem allersten Kontakt mit der Eiergestaltung. Als Malwerkzeuge dienen ihr Glasstecknadeln, die sie in einen Holzstift gesteckt hat, und Gänsefedern. Das Wachs wird in einem ausrangierten, 90 Grad gebogenen Löffel über einer Kerze erhitzt. Dabei, so weiß sie, ist es ganz wichtig auf die Mischung zu achten. „Stearin und Bienenwachs 1:1“, erklärt sie. Stearin allein würde platzen. Zuviel Bienenwachs klebt. Ganz neu entdeckt hat sie erst vor Kurzem die Plasteschale vom Babybel-Käse. „Das geht wunderbar“, schwärmt sie.

Immer ein Auge muss die Künstlerin auch auf das Wachs haben. Zu heiß qualmt es, zu kalt lässt es sich nur schwer verarbeiten. Aber nach so vielen Eiern, die Gerlinde Friedrich gemalt hat, hat sie ein sehr feines Gespür für die richtige Temperatur.

„Es wird aber nicht gemalt, sondern gedruckt“, klärt sie auf. Wenn man ihr über die Schulter sieht, weiß man, dass sie recht hat. Zunächst nimmt sie den „Stecknadelstift“ , taucht ihn ins Wachs ein und druckt dann die ersten Formen auf. Ein Punkt oder ein Strich und schon ist die erste Linie fertig. Mit der Gänsefeder kommen nun Dreiecke drauf. Wahnsinn, das sieht so leicht aus. „Ist es auch, wenn man ein ruhiges Händchen hat“, sagt sie. Und man darf auf keinen Fall zaghaft sein, sondern ruckzuck mit etwas Druck das Wachs auftragen. Ok? Gehen die Eier dann nicht kaputt? „Ach wo, auch wenn sie ausgeblasen sind, halten sie schon was aus“ versichert sie. Von Vorteil ist es, wenn man sich schon vorher ein Muster ausgesucht oder ausgedacht hat. Dann fällt es leichter. „Das Ei einteilen – entweder in der Hälfte oder dreifach – und nach und nach das Muster auftragen“, erklärt sie weiter. Zur Auswahl stehen eine Vielzahl von Mustern. „Mein Lieblingsmotiv ist die Sonne“, verrät sie und verweist darauf, dass man auch halbe Sonnen, Trauben oder Bänder auftragen kann. Extra für die Mupperger Kirche hat sie Eier mit dem Kreuz, der Taube, dem Fisch, dem Christus-Monogramm und einem Schiff gestaltet. „Die hängen zu Ostern immer über dem Taufstein“, erklärt sie.

Ist das Muster fertig, kommt es in die Farbe. Hier bedauert die „Eier-Künstlerin“ sehr, dass es die Stofffarbe aus DDR-Zeiten nicht mehr gibt. Mit einer halben Tablette konnte sie 50 Eier färben. Heute reicht die Lebensmittelfarbe, die sie verwendet, gerade mal für fünf Eier. Haben die Eier die gewünschte Farbe angenommen, müssen sie erst einmal trocknen. Die Hobbykünstlerin benutzt dafür gerne Eierkartons. Da sind sie sicher und gehen nicht kaputt. Falls es doch einmal schnell gehen muss, kann man sie auch mal bei niedriger Temperatur im Backofen trocknen. Sobald sie trocken sind, muss das Wachs wieder abgetragen werden. Also noch einmal über die Kerze, leicht erwärmen und mit einem Tuch abwischen. Sind alle weißen Stellen entwachst, hat man es geschafft. Das sorbische Ei ist fertig. Möglich sind natürlich auch mehrere Farben. „Das ist aber schwieriger“, weiß sie aus Erfahrung.

Wie viele sorbische Eier Gerlinde Friedrich bis heute gemacht hat, kann sie nicht mehr sagen. „Eine Menge“, schätzt sie nur. Gerade zu DDR-Zeiten war dieser österliche Schmuck heiß begehrt. In den 70er und 80er Jahren hat sie das Kunstgewerbe in Sonneberg regelmäßig mit zwei mit ihren Schätzen vollgepackten Eierpaletten beliefert. Extra dafür hat sie sich eine Hobbygenehmigung beim Rat des Kreises besorgt, schließlich sollte alles seine Richtigkeit haben.

Unvergessen ist für sie eine Einladung nach der Wende in die Alte Schäferei nach Ahorn. Auch hier sollte Gerlinde Friedrich ihre sorbischen Eier verkaufen. „Gute Idee“, dachte sie so bei sich, denn diese schöne Tradition soll möglichst in vielen Haushalten zu sehen sein. Doch als sie ihre Preise befestigte, sind die Veranstalter aus allen Wolken gefallen. „Das geht nicht, das ist viel zu billig“, stellten sie fest. „Aber hier haben es meine Eier sogar ins bayerische Fernsehen geschafft“, ist sie heute noch stolz.

Die schöne Technik hat sie im Laufe der Jahre auch an andere weitergegeben. Zu Veranstaltungen im Spielzeugmuseum wie beispielsweise der Museumsweihnacht ist sie ebenfalls mit ihren Utensilien angereist wie in Kloster Veßra. Auch so mancher Elternabend im Kindergarten wurde zur Bastelstunde, in der sich andere die Technik von Gerlinde Friedrich erklären ließen. „Und natürlich im Seniorenkreis“ ergänzt sie.

Natürlich ist das Hobby sehr aufwendig und auch zeitintensiv. Allein für das Wachsen eines Eis plant sie eine Viertel- bis halbe Stunde ein. Dann noch das Färben und Entwachsen. Das Auspusten der Eier ist da noch nicht mitgerechnet. „Aber es macht mir immer noch großen Spaß“, sagt sie und freut sich, dass zu den Eiern, die sie vor 40 Jahren das erste Mal gemacht hat, immer wieder neue hinzukommen.

 

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