Niemals solo unterwegs! Diese eiserne Regel gilt für das Wandern, Bergsteigen und Ski-Touren im Hochgebirge. Egal, wo. Egal, wann. IMMER!
Warum lassen Männer ihre Partnerin in der Wildnis im Stich? Was verbirgt sich hinter dem Social-Media-Trend „Alpine Divorce“? Rekonstruktion einer Tragödie.
Niemals solo unterwegs! Diese eiserne Regel gilt für das Wandern, Bergsteigen und Ski-Touren im Hochgebirge. Egal, wo. Egal, wann. IMMER!
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Eine Dreiergruppe ist eigentlich Pflicht. Einer kann beim Verletzten oder Verschütteten bleiben, der Dritte holt Hilfe. Denn: Über Leben und Tod entscheiden oft nur wenige Minuten.
Rückblick: Im Januar 2025 will ein Paar gemeinsam den 3798 Meter hohen Gipfel des Großglockner, des höchsten Bergs Österreichs, besteigen. Mitten im Winter, eine an sich schon wagemutige Idee.
Dann passiert das Unfassbare: Der 37-jährige Thomas P. lässt seine 33-jährige Partnerin bei der anspruchsvollen Tour über den Stüdlgrat zurück. Er geht einfach alleine weiter. Kerstin G. erfriert in der Nacht bei eisigen Temperaturen.
Im Februar 2026 verurteilt das Landgericht Innsbruck Thomas P. wegen grob fahrlässiger Tötung zu fünf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe. Inzwischen hat sein Anwalt Berufung gegen den Richterspruch eingelegt.
Der Fall hat weltweit für Aufsehen gesorgt und eine breite Debatte über Verantwortung, Geschlechterrollen und Sicherheit im Bergsport ausgelöst. Unfassbar: Kerstin G. war nicht die erste Partnerin, die Thomas P. bei einer Wanderung zurückgelassen hatte.
Auch in den sozialen Netzwerken werden der Fall und das Urteil emotional diskutiert. Unter dem Begriff „Alpine Divorce“ berichten Nutzer auf TikTok, Reddit, Instagram und X von ähnlichen Situationen: Beim Wandern oder auf Bergtouren waren auch sie von ihren Partnern oder Begleitern zurückgelassen worden. Der Ausdruck ist dabei metaphorisch gemeint – im Sinne von alpiner Scheidung oder Trennung am Berg.
Ein Video der TikTokerin @EverAfterIya ging im Februar 2026 viral mit inzwischen mehr als 21 Millionen Aufrufen und über 231.000 Kommentaren. In dem Clip sieht ist nur ein Schatten von ihr zu sehen, sie weint und sagt: „Der schlimmste Samstag meines Lebens.“
Der Beitrag löste eine Welle ähnlicher Erfahrungsberichte aus. Viele Netznutzer schildern Situationen, in denen sie auf einer Wanderung plötzlich allein weitergehen oder den Rückweg antreten mussten – mitunter ohne Orientierung oder ausreichende Versorgung.
Der Begriff "Alpine Divorce" ist nicht neu. Neu ist nur seine Verwendung auf Social Media. Im Zuge des tragischen Todes von Kerstin G. ist der aus der Literatur entlehnte Ausdruck wiederbelebt worden.
Der Terminus stammt aus einer Kurzgeschichte von Robert Barr (1949-1912) aus dem Jahr 1893. Der in Schottland geborene kanadisch-britische Schriftsteller ist für seine Detektivgeschichten bekannt. In der kurzen Story „An Alpine Divorce“ erzählt er von einem Mann, der plant, seine Frau während einer gemeinsamen Reise in den Schweizer Alpen durch das Hinabstoßen in einen Abgrund zu töten.
In den sozialen Medien wird der Begriff nun in einem übertragenen Sinne für maskuline Egomanie und Rücksichtlosigkeit verwendet. Der Mann stellt die Bedürfnisse der Partnerin in Outdoor-Situationen hintenan und denkt nur an sich.
Auf Instagram erklärt Stefan Winter, Experte des Deutschen Alpenvereins (DAV), was das Urteil im Großglockner-Fall für die Bergsport-Community bedeutet:
Fünf Aspekte sind Winter dabei besonders wichtig:
Nicht alle User*innen sind mit dem Begriff glücklich. Denn, so argumentieren sie, bei „Alpine Divorce“ handle es sich nicht um einen harmlosen „Schlussmach-Trend“, sondern um grobe Fahrlässigkeit und Rücksichtslosigkeit, die mit dem Tod enden könne und entsprechend strafbar sei – wie der Fall am Großglockner bewiesen hat.
Das Erstaunen und die Anteilnahme darüber, wie unfassbar viele Frauen so eine (lebens(gefährliche) Demütigung bereits am eigene Leib erfahren haben, sind groß. Auch über das richtige Verhalten bei Wanderungen wird viel diskutiert. Dazu gehören: regelmäßig Pausen einlegen, rechtzeitig umkehren, genügend Energie zuführen, auf offiziellen Wanderwegen bleiben. Und das Wichtigste: den richtigen (Berg-)Partner wählen.