Ahnenforscher in Milz Wo ist der reiche Onkel aus Amerika?

Kurt Lautensack
Erst vor einem Jahr gegründet, aber äußerst aktiv, ist der Milzer Heimatverein (im Bild der Vorstand). Foto: Kurt Lautensack

So mancher träumt davon, mit berühmten Menschen verwandt zu sein. Andere hoffen auf den bislang unbekannten Millionärsonkel in Amerika. Am 7. und 8. Oktober dreht sich im Milzer Kulturhaus (Landkreis Hildburghausen) alles rund um die Familienforschung. Gäste sind willkommen.

Der Heimatverein Milz gestaltet zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen (AGT), die gleichzeitig in Milz ihr Habjahrestreffen veranstaltet, ein interessantes und abwechslungsreiches Programm. Es hat für alle etwas zu bieten, die sich für die Ahnenforschung interessieren, vom Hobbyfamilienforscher über den Ortschronisten bis hin zu jenen Menschen, die sich schon immer mal mit ihrer eigenen Ahnentafel beschäftigen wollten. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand noch Anfänger in Sachen Familienforschung ist oder bereits Erfahrungen gesammelt und auf erste Ergebnisse verweisen kann. Es wird ein geniales Wochenende werden, verspricht der Vorsitzende des Heimatverein, Henri Eppler.

Das Interesse an der Genealogie erwacht meist an der eigenen Familie. Am Anfang steht meistens ein Familienfoto. Man beginnt mit Fragen an Eltern, Großeltern und Verwandte nach familiären Zusammenhängen und der Herkunft der Vorfahren. Familienstammbücher, alte Geburts- oder Sterbeurkunden und möglicherweise noch vorhandene Ahnenpässe wecken die Neugier, mehr über seine Vorfahren zu erfahren oder über jene, die bleibende (auch materielle) Erinnerungen hinterlassen haben.

Dies ist aber oftmals nicht leicht. Wo und wie fange ich an? Genau diesen Fragen versuchen erfahrene Familienforscher der Arbeitsgemeinschaft Genealogie an diesem Wochenende in verschiedenen Vorträgen nachzugehen und sie zu beantworten. Und wer weiß, vielleicht stößt jemand bei solchen Recherchen sogar auf adelige Vorfahren. Bekanntlich ist nichts unmöglich.

Für die eigene Familienforschung sind oftmals die Kirchenbücher hilfreich, da Personenstandsregister (Standesämter) in Deutschland erst im Jahr 1875 eingeführt wurden. Somit sind die Kirchenbücher für Zeiten vor 1875 oftmals die einzige Quelle für eigene Forschungen. So seien nach den Angaben von Henri Eppler die Kirchenbücher von Milz von 1567 bis 1875 nahezu lückenlos erhalten. Daher habe sich der Heimatverein Milz entschlossen, ein Ortsfamilienbuch zu erstellen. In solch einem Ortsfamilienbuch sind die Familien eines Ortes alphabetisch und chronologisch geordnet verzeichnet, dessen Quelle zum Beispiel auf die Kirchenbücher. Seit mehreren Monaten transkribiert (das heißt: in eine andere Schrift übertragen) der Heimatverein hierzu die Milzer Kirchenbücher und ist dabei auf interessante Einträge gestoßen. Eine Auswahl von interessanten Kirchenbucheinträgen wird an diesem Wochenende ebenfalls präsentiert. Außerdem gibt es Gelegenheit, das Kirchenbuchportal „Archion“ kennenzulernen.

Auswanderergeschichten und andere

Nicht minder interessant dürften die Geschichten der Auswanderer sein. Im 19. Jahrhundert erreichte die um 1820 einsetzende Auswanderungswelle im deutschsprachigen Raum ihren Höhepunkt. Die Auswanderungsströme zogen meist ausnahmslos in die Vereinigten Staaten. Allerdings zog es manche auch in der Hoffnung auf ein besseres, freies Leben, in andere Länder und Erdteile. So entstanden beispielsweise deutsche Kolonien in den verschiedensten Region der Erde, von Südamerika über Afrika bis Australien und Ozeanien, die bis 1914 zum flächenmäßig drittgrößten Kolonialreich nach dem britischen und französischen wuchsen.

Besonders interessant dürfte in diesem Zusammenhang der Vortrag des AGT-Mitgliedes Luciano Schmidt aus Santa Cruz do Sul (Brasilien) sein, der einen Einblick in die Auswanderungsgeschichte seiner Vorfahren aus Deutschland nach Brasilien gibt. Spuren der Vorfahren von Luciano Schmidt führen unter anderem auch nach Hildburghausen und Erlau („Grüner Baum“).

Spuren des Konsuls der Republik Guatemala in Minnesota (USA) Edgar Alex Edmund IV Sascha Dahinten führen beispielsweise nach Westenfeld. Inwieweit es etwas mit dem gebürtigen Jüchsener Ernst Dahinten (1885-1969) zu tun haben könnte, einem Lehrer, Heimatforscher und Museumsleiter des Otto-Ludwig-Museums, wird hier nicht erwähnt. In der Region bestens bekannt ist auch der Hainaer Christian Heurich (1842-1945), Ehrenbürger der Stadt Römhild, Förderer und Stifter vieler Einrichtungen (Steinsburgmuseum, Volksbad, Charlottenheim in Römhild, Heurichhaus in Haina, Wiederaufbau der Stadt Römhild nach dem Stadtbrand von 1891 oder Wiederherstellung des Otto Ludwig-Gartenhauses in Eisfeld ...). Zu seiner Lebensgeschichte referiert Eberhard Pfister. Schließlich beleuchtet Kai Lehmann das Leben des Meininger und Wasunger Scharfrichters Johann Jeremias Glas, der hunderte „Hexen“ auf den Scheiterhaufen brachte.

Arbeitsgemeinschaft Genealogie

Gegen vielerlei Widrigkeiten des SED-Regimes, gründeten interessierte Familienforscher im Februar 1984 einen genealogischen Arbeitskreis für die Bezirke Erfurt, Suhl und Gera unter dem Dach des damaligen Kulturbundes. Dieser wurde im August 1990 in einen Verein umgewandelt. Heute gehört die AGT zu einem der aktivsten Vereine in Deutschland, die sich mit der Familienforschung beschäftigen.

Dabei hat sich der Verein auf seine Fahne geschrieben, die Familienforscher durch vorhandene Kontakte miteinander zu verknüpfen und zur Erforschung der Thüringischen Genealogie beizutragen. In der AGT existieren verschiedene Regionalgruppen (unter anderem für Südthüringen), die regelmäßig Veranstaltungen durchführen. Auch neue Mitglieder sind in den Reihen der Familienforscher jederzeit willkommen. Alle Mitglieder erhalten regelmäßig ein Mitteilungsblatt mit interessanten Informationen rund um die Familienforschung.

 

Bilder