Schmalkalden - „Ich brauch Freunde, ich brauch Kraft, denn nur dann wird es ein Supertag“, ein Text, der unter die Haut geht. Christoph Werner sang und spielte Keyboard dazu. Christoph ist blind, „sah“ aber auf seine Weise sehr wohl, wie er mit dem Song begeisterte. Landrätin Peggy Greiser, die Schirmherrin des Projektes, war ebenso beeindruckt wie die Bürgermeister von Meiningen und Schmalkalden. Applaus gab es nach dem Lied sehr viel – Christoph strahlte und befand sich mittendrin. Genau so soll es sein. Doch Christoph braucht Hilfe. Momentan ist es sein Bruder, der ihn unterstützt. Genauso gut könnte es ein anderer Mensch sein, ein Mensch, der gerne mit anderen Menschen zu tun hat. Ein Mensch, der sich gerne einbringen möchte, ein Mensch mit viel Liebe zu anderen Menschen, ein Mensch, der ein Ehrenamt sucht. Das passende zu finden, fällt manch einem nicht immer leicht. Die gerade neu ins Leben gerufene Freiwilligenagentur Südthüringen mit dem bezeichnenden Namen InkluWIR ist als Projekt der Lebenshilfe Südthüringen in Kooperation mit dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen, dabei behilflich. Ihr Büro hat die Anlaufstelle im Auer Weg 1, im Domizil der Lebenshilfe Südthüringen. Im unteren Bereich befindet sich nach wie vor die Begegnungsstätte für Menschen mit Handicap. Das Büro von Projektleiter Dirk Wessely ist in der oberen Etage. Dort wird er dienstags und donnerstags anzutreffen sein. Die Idee hinter dem Projekt: Einen Beitrag zur Stärkung des Miteinanders und der Hilfsbereitschaft im Südthüringer Raum zu leisten. „Im Bereich Lebenshilfe hat das Ehrenamt ohnehin einen besonderen Stellenwert“, berichtete Dirk Wessely als langjähriger Mitarbeiter bei dieser Einrichtung. Genauso aber hat man in letzter Zeit eine Art Stagnation beobachtet. Viele Personen in verschiedenen Vereinsvorständen seien im Seniorenalter und die Nachwuchsgewinnung erweise sich als schwierig. So gelte es, Interessenten möglichst projektorientiert zu vermitteln, um sicher zu stellen, dass die mit dem Ehrenamt verfolgten Ziele erfüllt werden könnten. Mit der Freiwilligenagentur InkluWIR soll ein Kompetenzzentrum und eine Koordinierungsstelle für die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, geschaffen werden. Das dazu gehörige Büro in Schmalkalden konnte in der vorigen Woche eröffnet werden. Das Projekt wird über fünf Jahre von der Aktion Mensch gefördert. Das Tolle an dem Projekt: Interessierte bestimmen selbst, wie, wo und wann sie jemanden unterstützen möchten. In gemeinsamen Gesprächen wird geklärt, welche Erwartungen und Wünsche derjenige mit einem Ehrenamt verbindet und welche Erfahrungen er seinerseits weitergeben kann. In der Freiwilligenagentur erhalten die Interessenten zudem Informationen zu Initiativen, Verbänden und Vereinen, sodass gemeinsam der Bereich gefunden wird, in dem Er oder Sie sich einbringen möchte. Während der Zeit als Freiwilliger begleitet der Projektleiter seine „Klienten“. Zusammen gearbeitet wird außerdem in einem großen Netzwerk von Partner. Einige davon waren zur Büroeröffnung in die Beratungsstelle gekommen. Landrätin Peggy Greiser weiß, wie viele Menschen aller Altersgruppen sich im Landkreis ehrenamtlich engagieren. „Ohne sie wäre unser Landkreis nicht das, was er ist, nämlich eine lebenswerte Prachtregion“, stellte sie heraus. „Es braucht immer Menschen, die anderen Menschen helfen“, formulierte Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski. Sein Meininger Amtskollege, Fabian Giesder meinte: „Die Arbeit am Menschen lässt sich nicht in einen Acht-Stunden-Tag packen.“ Er wisse sehr wohl, wie viel Bürokratie auch mit der Vereinsarbeit verbunden sei. „Das macht die ehrenamtliche Arbeit nicht unbedingt leicht.“ Gefreut habe ihn, wie schnell Menschen in der zurückliegenden harten Zeit der Pandemie bereit gewesen wären, anderen helfend zur Seite zu stehen. Unter anderem lenkte er die Gedanken der Anwesenden auf die Hilfen bei der Beschaffung von Impfterminen oder den Einkaufsservice für kranke und ältere Menschen. In der Gesellschaft gebe es sehr viel, was nicht mit Geld zu bezahlen sei, so Giesder. In Sachen „InkluWIR“ ist schon Etliches passiert. So gibt es bereits einen Flyer, der weiträumig verbreitet wurde. In Meiningen fand eine Aktionswoche statt. Erste Schulungen gab es und auch eine Bedarfserhebung von Ehrenamtlichen wurde bereist ermittelt. Unter dem Motto „Ehrenamt zeigt Gesicht“ ist eine Presseserie angedacht. Zudem plant man eine Wanderausstellung zum Thema.