Ärztestammtisch in Zella-Mehlis Stadt will Ärzten und Patienten helfen

Zum ersten Ärztestammtisch der Stadt Zella-Mehlis sind Bürgermeister Torsten Widder und Staatssekretärin Tina Rudolph mit Medizinern ins Gespräch gekommen. Wo brauchen Ärzte Hilfe?

Torsten Widder und Tina Rudolph beim Ärztestammtisch. Foto: Stadt Zella-Mehlis

Herausforderungen im Arbeitsalltag, mangelnder Nachwuchs und die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) standen im Mittelpunkt des ersten Ärztestammtischs der Stadt Zella-Mehlis. Bürgermeister Torsten Widder und Tina Rudolph, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, kamen dabei mit Medizinerinnen und Medizinern der Stadt Zella-Mehlis und aus dem Ortsteil Benshausen ins Gespräch. Die Ärzte berichteten, was sie jeden Tag bewegt und welche Erwartungen sie an die Landes- sowie Bundespolitik haben.

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Suche nach Hausarzt oder Nachfolger

Immer wieder wird das Thema Ärztemangel an Bürgermeister Torsten Widder herangetragen – sei es von Medizinern selbst, die händeringend auf der Suche nach Mitarbeitern oder einem Nachfolger sind oder von betroffenen Bürgern, die beispielsweise keinen Hausarzt finden. Bereits im vergangenen Jahr hat, unter der Organisation des Seniorenbeirats der Stadt Zella-Mehlis, dazu ein Austausch mit Vertretern der KV stattgefunden. Der Ärztestammtisch soll nun etabliert werden, um ins Gespräch zu Verbesserungsmöglichkeiten zu kommen. „Ich möchte von Ihnen hören, wo die Probleme liegen und wie wir als Kommune helfen können, wie wir die Rahmenbedingungen mitgestalten können“, erklärte Bürgermeister Torsten Widder das Anliegen. Auch wenn die Zahlen aus der Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung eine gute Versorgung bescheinigten, so sähe die Lebensrealität anders aus. „Ich möchte danke sagen für Ihre Arbeit mit den Patienten – das ist mir wichtig“, drückte der Bürgermeister seine Wertschätzung aus.

Im Laufe des Austauschs wurden verschiedene Themen gestreift. So ging es um die gestiegenen Kosten, die gleichbleibenden Einnahmen gegenüberstehen. Auch über die Reputation des Arztberufes machen sich die Mediziner Gedanken. Denn in ihrer täglichen Arbeit vermissen sie oft nicht nur die Wertschätzung, sondern bekommen auch die Verzweiflung und Wut der Patienten direkt zu spüren. Dass die Arztpraxen mit ihrer Arbeit am Limit seien, darüber waren sich die Mediziner einig und belegten dies auch durch Patientenzahlen oder begründeten es mit der Schließung von Praxen in den vergangenen Jahren. Viele bestätigten, dass die Stadt und die zuständige Lerchenberg Service- und Immobilienmanagement GmbH, der das Gesundheitszentrum gehört, sehr gut unterstützen.

Studienplätze für Thüringer

Nachholbedarf sehen Ärzte beispielsweise, wenn es um die Schaffung und Vergabe von Studienplätzen geht beziehungsweise nach dem Studium darum, die jungen Ärzte nach Zella-Mehlis zu holen. Dass die Universität in Jena mehr darauf setzen müsse, Studenten selbst auszuwählen und bevorzugt solche mit Thüringer Wurzeln einen Platz erhalten sollten, darüber waren sich die Ärzte einig.

Blick auf die Teilnehmerrunde des ersten Ärztestammtisches. Foto: Stadt Zella-Mehlis

Tina Rudolph nahm die Anregungen und Kritik auf. Sie hob hervor, was bereits erreicht wurde: „Wir haben auf Landesebene Wege gefunden, die inzwischen anderen Bundesländern als Blaupause dienen.“ So gebe es beim Studium in Jena einen ambulant-orientierten Strang im Studium, der angehende Ärzte auch auf Themen für den Praxisalltag wie etwa Buchführung vorbereite. Auch die Stiftungspraxen – dabei können Absolventen zunächst „auf Probe“ eine Praxis führen und sich erst später entscheiden, ob sie diese übernehmen – hätten sich bewährt.

Ein Studierenden-Stammtisch

Bürgermeister Torsten Widder will die Thematik weiter begleitet. „Gibt es Möglichkeiten für ein kommunales Stipendium oder welche Möglichkeiten haben wir, Praxisräume zu sanieren, sodass noch jemand einsteigt?“, nannte er Beispiele. Noch in diesem Jahr soll ein Studierenden-Stammtisch angeboten werden, damit Absolventen den Kontakt zu ihrer Heimatstadt halten und nach dem Studium vielleicht wieder zurückkehren. „Wir als Kommune werden vor Ort alles tun, was in unserer Macht steht und den Prozess begleiten, um die Versorgung der Bürger nachhaltig zu sichern“, so Widder.