Ärzte an den Instrumenten Medizin nach Noten

Das Bild entstand beim Konzert der Musici Medici 2014 in der Marienkirche in Heinersdorf. Vorne sitzend der Organisator und Gastgeber Jürgen Schindhelm aus Heinersdorf. Foto: Hofmann

Musik ist bekanntermaßen Medizin für die Seele. Noch besser dürfte die Wirkung sein, wenn echte Mediziner musizieren. Am Freitag und Samstag können die Zuhörer im Landkreis Sonneberg die Probe aufs Exempel machen.

Das in der Region beliebte und bekannte Kammerorchester Musici Medici gastiert wieder im Landkreis Sonneberg. Am Freitag, 8. Juli, um 18 Uhr präsentiert sich das Orchester anlässlich „20 Jahre Sommerkonzert“ in der Marienkirche in Heinersdorf, wo 2001 der Ursprung der Sommertourneen in Südthüringen begann. Am Samstag, 9. Juli, gibt es um 17 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Neuhaus-Schierschnitz ein weiteres Konzert. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Es bestehen bis heute gute Freundschaften und es gibt eine Fangemeinde im Frankenwald und Südthüringen für das Kammerorchester der Universitätsmedizin Berlin. Nach drei Jahren pandemiebedingter Pause freuen sich die Musiker, dieses Jahr endlich wieder an ihren altbewährten Konzertort in Thüringen zurückzukehren.

Nachdem viele Mitglieder aus beruflichen Gründen Berlin in den letzten Jahren verlassen haben, ist die seit 2001 stattfindende Sommertournee in kleinerer Besetzung inzwischen zu einem willkommenen Treffpunkt der ehemaligen „Musici“ geworden, um auch weiterhin gemeinsam Musik zu machen.

Die heutigen Musiker kommen neben Berlin aus Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Repertoire beinhaltet Kammermusik vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, vom Concerto grosso bis zur argentinischen Folklore.

Zur Tradition gehört jeweils ein virtuoses Flötenkonzert. Nach zwölf Jahren in Folge in Thüringen gastierte das Ensemble in den letzten Jahren in Cloppenburg bei Oldenburg, in Altfriedland im Oderbruch und in Dortmund.

Die Musici Medici gründeten sich 1981 aus einer Kammermusikgruppe am Biochemischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin und bestanden viele Jahre fast ausschließlich aus Medizinstudenten. Heute zählt das Orchester 40 Mitglieder, von denen etwa zwei Drittel Ärzte und Medizinstudenten sind. Die künstlerische Leitung liegt seit 1988 in den Händen von Jürgen Bruns. Jährlich werden zwei bis drei größere Konzertprogramme erarbeitet. Die Gruppe war in der Vergangenheit schon mehrfach im Sonneberger Unterland zu Gast.

Auf dem Programm am kommenden Freitag und Samstag stehen Werke von Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Unico Willem Reichsgraf van Wassenaer (1692-1766) und anderer Komponisten.

Wenig bekannt unter diesen Komponisten ist der Reichsgraf. Von Wassenaers kompositorischem Schaffen sind sechs Concerti Armonici für Streichorchester überliefert. Diese waren zunächst anonym erschienen. Erst nach 1979, als der Musikwissenschaftler Albert Dunning die Werke auf Schloss Twickel, einem Wohnsitz van Wassenaers, entdeckte, konnten sie zweifelsfrei van Wassenaer zugeordnet werden. Die Familiengeschichte der Van Wassenaers reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Unico Willem wurde in eine Familie von Generälen, Admirälen und Diplomaten geboren. Er studierte unter anderem Recht.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1714 unternahm er eine ausgedehnte Reise durch Europa, auf der er vermutlich Paris, Rom, Florenz, Venedig, Wien und Prag besuchte. Er war Mitglied der Admiralität und tätig als einer der Direktoren der Niederländischen Ostindien-Kompanie sowie als Botschafter in Paris und Köln. Ab 1756 trug er Verantwortung im niederländischen Zweig des Deutschritterordens, wo er bis zum Landkomtur aufstieg.

Autor

 

Bilder