Adventskalender des Staatstheaters Keine echten Spiegel auf der Bühne!

Spezielle Spiegelfolie bieten ähnliche Effekte wie richtige Spiegel. In der Inszenierung von „Amadigi di Gaula“ ist das gut zu sehen. Foto: /Christina Iberl

Auch in diesem Jahr möchte das Staatstheater Meiningen die Wartezeit auf die Bescherung wieder mit einem Adventskalender „versüßen“. Er soll in die wundersame Welt der Theatergesetze entführen und geht dem nach wie vor im Theater lebendigen Aberglauben auf die Spur.

Nur wenige Gegenstände sind so eng mit düsteren Legenden verknüpft wie der Spiegel. So glaubte man lange, dass im Moment des „Sich-selbst-Betrachtens“ ein Teil der Seele in den Spiegel wandert. Geht dieser in genau diesem Moment auch noch zu Bruch, bleibt die Seele dort zurück.

Sieben Jahre braucht es, um das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen - daher rührt auch die Vorstellung, dass ein zerbrochener Spiegel sieben Jahre Unglück bringt. Spiegel gelten außerdem als Tor zur Schattenwelt, als Portal für dunkle Mächte und Zauberei, man denke nur an die böse Stiefmutter im Märchen „Schneewittchen“.

Die Gründe dafür, dass ein echter Spiegel auf der Bühne verboten ist, sind dagegen überraschend einfach: Die Oberfläche des Spiegels reflektiert das Scheinwerferlicht, dazu kann es zu Blendungen des Publikums oder der Darsteller auf der Bühne kommen – und ins Theater geht man nicht, um von einem gleißenden Licht, sondern von der Schauspiel- oder Sangeskunst der Menschen auf der Bühne geblendet zu werden. Außerdem birgt ein echter Spiegel immer die Gefahr kaputt zu gehen und Scherben stellen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar.

Nichtsdestotrotz gibt es Möglichkeiten, Spiegelflächen in Inszenierungen zu verwenden. Spezielle Spiegelfolie bieten ähnliche Effekte, zudem können sie mit der richtigen Beleuchtung zu wahren Wundermitteln der Illusion werden, wie in der Inszenierung von „Amadigi di Gaula“ zu sehen – dort sieht es tatsächlich so aus, als würde sich über dem Spiegel ein Tor zur Schattenwelt öffnen …

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