Abschluss in der Glasfachschule Das große Krabbeln in Glas

Doris Hein

Ihre Ausbildung zum Staatlich geprüften Glasbläser haben die neun Absolventen der Berufsfachschule Glas in Lauscha in der Tasche. Ihre Prüfstücke zeigen beispielsweise spinnen und Ameisen. Bleibt die Frage, wohin es die jungen Spezialisten nach der Ausbildung treibt.

Lauscha - „Eigentlich möchte ich sie gar nicht gehen lassen“, sagt Romy Steiner, die gemeinsam mit Günther Horn, Jürgen Kob und Uwe Rauschardt seit Jahren im Lauschaer Ableger der Staatlichen Berufsbildenden Schule Sonneberg jungen Menschen die Grundlagen der Glasgestaltung nahebringt. „Sie waren eines unserer besten Lehrjahre mit einer großen Bandbreite an kreativen Ideen und gelungenen Umsetzungen.“ Neun Schüler haben heuer ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Zwei von ihnen, Luzie und Peter, als Christbaumschmuckgestalter. Fenja, Paula, Gini, Dana, Lena, Barbara und Eric als Glasgestalter.

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So mancher von ihnen hätte gerne beide Spezialisierungsrichtungen absolviert. Ob man künftig in diesem Fall vielleicht ein viertes Lehrjahr dranhängen könnte? Aktuell ist das leider nicht so vorgesehen.

Die Prüfstücke (auf den Fotos dem jeweiligen Schüler zugeordnet) waren in diesem Jahr besonders gut, betont Steiner.

Sie verbleiben traditionell in der Schule und legen dort Zeugnis ab vom Können der Absolventen. Die Herangehensweise der Schüler war dabei sehr unterschiedlich. So hat etwa Luzie ihren Baum, in Anlehnung an den Baum der Seelen im Avatar-Film, detailliert geplant, besondere Formen entwickelt und sie mit UV-Farben bemalt. Fenja hingegen hat quasi in letzter Minute ihre Fantasie und die geschickten Finger spielen lassen und eine Alien-Welt erschaffen. Für Ideen der Schule ließen sich alle stets begeistern – etwa für Glaspokale für den Lauschaer WSV 08 und den Sonneberger Pistorlauf oder gelungene stilisierte Tänzerinnen.

Endlich einmal Lauschaer

Noch etwas war besonders an den Schülern, die dieser Tage ihre Zeugnisse entgegennahmen: Paula, Gini und Eric sind echte Lauschaer und auch Fenja darf man mittlerweile getrost als solche bezeichnen. Und das kommt leider sehr selten vor, so Steiner.

Gini bekam übrigens, neben ihrem Abschluss als Glasgestalter, gleichzeitig noch den Realschulabschluss zugesprochen. Für Paula gab es ein Extra-Lob, denn immerhin hatte sie kurz vor den Prüfungen noch Tochter Alma zur Welt gebracht – und trotzdem ihren Abschluss geschafft.

Allerdings wird wohl nur ein kleiner Teil der Absolventen dem Kunstglas treu bleiben. Auf jeden Fall Fenja, die in Zwiesel gemeinsam mit Freund Anton noch einmal drei Jahre die Schulbank drücken will, um Glasmacher zu werden. Sie hoffe, dort nebenbei am Brenner arbeiten und so die Ausbildung finanzieren zu können, erzählt die extrem kreative junge Frau. Beide wollen auf jeden Fall ihren Lebensmittelpunkt in Lauscha behalten, wo sie Haus, Familie und Freunde haben. Und später kombinierte Kunstwerke aus Ofen- und Brenner-Arbeit schaffen.

Ihr weiterer Weg wird kein leichter sein – das haben sie alle schon von gestandenen Glasbläsern im Ort gehört und mittlerweile teilweise auch selbst gemerkt. Helfen dürfte dabei, dass sechs Absolventen „nebenbei“ auch die gemeinsame Prüfung mit der Handwerkskammer bestanden haben und demnächst in Suhl ihren Gesellenbrief entgegennehmen dürfen.

Übrigens: Wer das traditionelle Kunsthandwerk an einer der ältesten Glas-Schulen Europas erlernen möchte, der kann sich für das kommende Schuljahr gerne noch informieren und bewerben auf lauscha.sbbs-son.de.

Handwerkskammer wirbt mit Vollzeitstudium für kreative Köpfe

Quo vadis – wohin geht ihr, hieß es für die Abschlussklasse der Berufsfachschule Glas in Lauscha dieser Tage. Am Tag der Zeugnisübergabe war auch Torsten Lindemann im Schulgebäude in der Bahnhofstraße anwesend.

Im Gepäck hatte er ein neues, überlegenswertes Angebot. Am 6. September startet nämlich erstmals an der Werkakademie des Bildungscampus BTZ Rohr-Kloster ein Design-Vollzeitstudium auf Bachelor-Niveau. Voraussetzung für die Zulassung zu dieser Aufstiegsfortbildung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung, wie sie etwa die Absolventen der Berufsfachschule Glas nun in der Tasche haben.

Die Fortbildung zum „Gestalter im Handwerk“ dauert in dieser Form zwölf Monate. Der Abschluss ist staatlich anerkannt nach § 42a der Handwerksordnung

Die Werkakademie Rohr-Kloster ist eine Einrichtung der Handwerkskammer Südthüringen, deren Fokus auf der gestalterischen Weiterbildung im Handwerk liegt.

Im Mittelpunkt der insgesamt 1200 Stunden steht vor allem das praxisbezogene Gestalten handwerklicher Produkte. Beim experimentellen Arbeiten in der Werkstatt lernen die Studenten, kreativ zu sein und dabei Tradition, Erfahrung und Wissen mit neuen Ideen zu verbinden, informierte Lindemann.

Gestaltungsgrundlagen, Geschichte und Theorie der Gestaltung, Entwurf und Modellbau, Fotografie und Grafik, gestalterische Praxis und Projekte werden berufsbezogen und berufsübergreifend gleichermaßen unterrichtet.

Mit dem erworbenen Wissen sollen die Studenten in die Lage versetzt werden, nicht nur handwerkliche Produkte kreativ zu gestalten, sondern auch Grundlagen der Bereiche Entwurf, Beratung, Planung und Verkauf zu beherrschen. Marketing und Präsentationstechniken sollen die Studenten auf ein marktgerechtes Arbeiten vorbereiten.

Das Vollzeitstudium kann durch die Aufstiegsfortbildungsförderung (AFBG) finanziert werden. Ein Zuschussanteil bis zu 60 Prozent und ein rückzahlungsfreier monatlicher Beitrag zum Lebensunterhalt in Höhe von rund 900 Euro sind möglich, informierte Lindemann.

Interessenten melden sich am besten direkt bei Torsten Lindemann unter Tel. (036844) 47120, per Mail an werk.akademie@btz-rohr.de.