Abschied vom Berufsleben Abschied für Klaus mit der „Dreikantfeile“

Gemeindearbeiter Klaus-Peter Kirchner aus Kaltensundheim war für ein besonderes Dienstfahrzeug bekannt: einen Minitransporter italienischer Bauart auf drei Rädern. Jetzt geht der Fahrer in den Ruhestand.

Das dreirädrige Gefährt und Klaus-Peter Kirchner gehörten viele Jahre zum Ortsbild. Hier steht das Fahrzeug gerade in der Garage. Foto:  

Kaltensundheim - Die dreirädrigen italienischen Gefährte der Marke Piaggio waren das Markenzeichen für die Gemeindearbeiter in Kaltensundheim – als Klaus-Peter Kirchner 2009 in der Gemeinde Kaltensundheim als solcher begann, stieg auch er in das wenige kleine Fahrzeug. Eine Ladefläche hinten, Platz für zwei Mann im Fahrerhaus, das gehörte zum Alltagsgeschäft. Natürlich hatte der Gemeindearbeiter auch mit anderer Technik zu tun, zum Schneeschieben etwa und fürs Rasenmähen. Vom Bauhofstützpunkt in Kaltensundheim, gleich neben der „Rhön-Klinik“, mit all seinen Geräten und von seinem Job hat Klaus-Peter Kirchner sich nun verabschiedet. Er wird im kommenden Februar 64 und geht, selbstgewählt, in den vorzeitigen Ruhestand.

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In der vergangenen Woche wurde er im Rathaus Kaltennordheim verabschiedet, coronagerecht mit wenigen Besuchern im Saal des Bürgerhauses. Bürgermeister Erik Thürmer, seit dem Beitritt von Kaltensundheim zur Stadt der Dienstherr, sprach von einem bewegten Jahr, das zum letzten für Klaus-Peter Kirchner werden sollte. Der Kaltensundheimer ist gelernter Kfz-Schlosser, arbeitete bei der Bezirksdirektion für Straßenwesen Suhl und später bis 1996 beim Straßenbauamt Meiningen, bei der TSI. 2009 führte ihn sein beruflicher Weg als Gemeindearbeiter in seinen Heimatort. Vielfältig sind die Aufgaben eines solchen – „er muss in viele Ecken springen und in vielen Situationen helfen, vom Kindergarten bis zu den Grünflächen. Und natürlich beim Winterdienst“, sagte Bürgermeister Erik Thürmer. „Treu und sorgsam“ habe Kirchner seinen sehr vielfältigen Dienst versehen, würdigte er und übergab ein passendes Abschiedsgeschenk.

Eine besondere Überraschung war wohl das kleine weihnachtliche Kulturprogramm, das die „Wilden Pferde“ aus dem Kindergarten Kaltennordheim einstudiert und aufgezeichnet hatten. Es lief nun über die Leinwand ab und sorgte für viel Freude. Vom Gedicht bis zu neuen und traditionellen Weihnachtsliedern war alles dabei. „Corona macht den Abschied anders“, hatte Erik Thürmer gesagt. Und das galt wohl nicht nur für dieses digital statt live dargebrachte Programm. Das ganze letzte Berufsjahr war für Klaus-Peter Kirchner eben auch „anders“ gewesen.

Ortsteilbürgermeister Edgar Gottbehüt freute sich für seinen ehemaligen Gemeindearbeiter, dass dieser nun die Ruhe genießen kann, „die man nach einem langen Arbeitsleben verdient hat“. Vieles werde Klaus-Peter im Dorf entdecken, zu dem auch er seinen Teil beigetragen hat, hieß es. Der Gemeindearbeiter sei immer „der verlängerte Arm des Bürgermeisters“ gewesen, so Gottbehüt, doch habe dieser auch vieles selbst entdeckt, was er anpacken musste. „Ich werde das vermissen“, bekannte Edgar Gottbehüt, doch er vertraue auch auf die Nachfolger, die sich künftig um die Angelegenheiten in Kaltensundheim kümmern werden.

Einen Gemeindearbeiter für jeden Ort, das gibt es nun nicht mehr, erklärte Bürgermeister Erik Thürmer. Dennoch werde natürlich für Ordnung und Sauberkeit und vieles andere im Dorf weiter gesorgt. Hinweise kann man als Bürger an den Bauhofleiter Uwe Jung übermitteln und insbesondere für die „oberen Orte“ ist Ralf Schmuck aus Kaltenwestheim als Teamleiter ein Ansprechpartner.

Bauhofleiter Uwe Jung würdigte Klaus-Peter Kirchner als jemanden, den er in den vergangenen zwei Jahren als ruhigen, sachlichen und seine Arbeit super erledigenden Mann kennengelernt habe. Als Gemeindearbeiter müsse man alle möglichen Berufssparten ausfüllen, von Holz über Mähen bis zu Maurerarbeiten. „Es gibt immer wieder Neues und es ist sehr herausfordernd“, sagte er.

Wie sehr der Teufel manchmal im Detail steckt und jemand gefordert ist, nach dem Rechten zu sehen, war übrigens jüngst in der Kaltensundheimer Ortsteilratssitzung zu erfahren: Hier wurde darauf hingewiesen, dass der Jugendklub in den Wintermonaten gut im Auge behalten werden muss. Denn hier läuft eine Wasserleitung, die nicht einfrieren darf. Klaus-Peter Kirchner habe einen Schlüssel für den Klub gehabt und sich da immer gekümmert – das soll auch sein Nachfolger bitte tun, um möglichen Schaden von einem gemeindlichen Gebäude abzuwenden, bat Adrian Schmuck.

Doch zurück zur Verabschiedung des Gemeindearbeiters: Zeitgleich mit ihm hat auch Isolde Hüther, ehemalige Kindergärtnerin, ihr Berufsleben beendet. Auch sie wurde vergangene Woche verabschiedet, auch (und besonders) für sie gab es das Programm des Kindergartens und Abschiedsworte sowie -geschenke. Hüther hatte auch in den Kindergärten Frankenheim und Kaltensundheim gearbeitet.

Mit Klaus-Peter Kirchner hat sie noch eine weitere Gemeinsamkeit außer den gemeinsamen Abschied vom Berufsleben: Beide sind am 2. Februar 1957 geboren worden.