Im Behandlungsraum stehen Blumen und ein Präsentkorb, gut gefüllt mit Köstlichkeiten. „Davon kann ich mich zwei Wochen lang ernähren“, sagt Dr. Müller am Donnerstag in seiner Praxis scherzhaft. Einmal muss er noch Aufstehen und an seine Arbeitsstelle fahren, dann hat er es in den wohlverdienten Ruhestand geschafft. Hinter ihm liegen 42 Arbeitsjahre als Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Zurückblickend sagt er, waren es anstrengende, zeitintensive Jahre, mit vielen Entbehrungen, vor allem hatte die Familie oftmals das Nachsehen. Für Familie Müller in Rohr gehörte es zum Alltag, dass der Vater lange in der Praxis oder in der Klinik oftmals auch am Wochenende tätig war. Die beiden Töchter, mittlerweile im Erwachsenenalter, hatten sich daran gewöhnt. Denn in der Familie praktizierte nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter. Dr. Verena Müller ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinderpneumologin in der Kristallpassage. Auch sie war für ihre Patienten außerhalb der Sprechstundenzeiten da. „So kam es einige Male vor, dass die Töchter von der Disco nach Hause kamen und wir uns an der Tür auf dem Weg zur Arbeit begegneten“, berichtet der 68-Jährige. Diese Zeiten sind vorbei, denn am Freitag, dem 31. März, hängte das Ärzte-Ehepaar zeitgleich den weißen Kittel an den Haken. Sie verabschiedeten sich in ihren Ruhestand. Für die Kinderarztpraxis konnte ein Nachfolger gefunden werden, aber für das Fachgebiet der Kinder-Pneumologie (Lungenerkrankung) hinterlässt Verena Müller in Meiningen eine Lücke.