Der 9. November 1989 – allen, die damals in der DDR gelebt haben und die schon alt genug waren, hat sich dieser Tag unauslöschlich ins Gedächtnis eingeprägt. So fällt es jedem auch heute, 35 Jahre später, immer noch leicht, sich zu erinnern an diesen Donnerstag und die nachfolgenden Tage. Zu überwältigend, zu ungewohnt, zu unbegreiflich waren die Ereignisse, die sich an der Mauer in Berlin, und wenig später auch an der innerdeutschen Grenze abspielten. Was für viele lange Zeit ein Traum war, wurde quasi über Nacht Wirklichkeit. Dazu zählt unser Kollege Oliver Benkert, der damals unter all dem ohnehin schon Ungewöhnlichen noch Einmaligeres erlebte. Noch in der Nacht zum 10. November bricht er mit Bruder Frank und Kumpel Bernd Kleinod mit einem alten Lada auf zur Grenze auf die Schanz bei Henneberg. Doch dort hat man noch nichts von Reisefreiheit gehört und verweigert ihnen, schon am Schlagbaum in Sülzfeld, die Weiterfahrt. Immer mehr Menschen kommen dort zusammen, rufen und verlangen die Öffnung der Grenze für alle. Erst Stunden später geben die Posten auf, öffnen den Schlagbaum – die beiden Benkerts und Kleinod, die ganz vorn stehen, fahren zum Grenzübergang, werden kurz kontrolliert und sind plötzlich, gegen 3.40 Uhr die „Ersten im Westen“. Gefolgt von vielen Trabant, Wartburg und Co, fahren sie das erste Mal im Leben in Richtung Mellrichstadt, sind glücklich wie nie zuvor. Jeder Kollege in der Redaktion von Meininger Tageblatt hat diesen Tag anders erlebt – für einige ging er fast unbeachtet vorüber, andere wollten die Reisefreiheit „unverzüglich, sofort“, in Anspruch nehmen. An unseren Erlebnissen lassen wir Sie, liebe Leser, in aller Kürze teilhaben. Lesen sie die nachfolgenden Beiträge – sicher kommt Ihnen manches bekannt vor.