85. Geburtstag In Luthers Land sesshaft geworden

Ein Leben zwischen Kanzel und gesellschaftlichem Engagement: Heute feiert der Schmalkalder Pfarrer i. R., Eckhard Simon, seinen 85. Geburtstag.

Eckhard Simon feiert heute seinen 85. Geburtstag. Foto: Annett Recknagel

In und um Schmalkalden kennt man ihn als engagierten Seelsorger, streitbaren Demokraten, als leidenschaftlichen Natur- und Umweltschützer. Er setzt sich für den BUND und den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ein, für Menschen in Not – und für das Fachwerkerlebnishaus in der Weidebrunner Gasse 13. „Sein Lebenswerk“, hat jemand über Eckhard Simon und das Haus ins Gästebuch geschrieben. Heute feiert der Pfarrer i. R. seinen 85. Geburtstag.

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Wer ihm begegnet, merkt schnell, dass Stillstand nicht zu seinem Wesen gehört. Auch lange nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist Simon eine Stimme, die gehört wird – nachdenklich, klar und stets dem Gemeinwohl verpflichtet. Über Jahrzehnte hinweg hat er das kirchliche Leben der Region, insbesondere das in der Kirchengemeinde Schmalkalden, mitgestaltet. Als Gemeindepfarrer begleitete er Menschen in den prägendsten Momenten ihres Lebens – bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und in Stunden des Abschieds. Viele verbinden mit ihm persönliche Erinnerungen und seelsorgerliche Wegbegleitung.

Von der Friedensbewegung inspiriert

Doch sein Engagement reichte über die Kanzel hinaus. Früh suchte Simon den Dialog in der Gesellschaft und brachte sich aktiv in kommunalpolitische Prozesse ein. 2014 zog er als erster Grüner in den Schmalkalder Stadtrat ein, später in den Kreistag. Im gleichen Jahr trat er als Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den Thüringer Landtag an. Er verstand Politik nie als Selbstzweck, sondern als Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Dabei blieb er seiner Haltung treu: christliche Grundeinsichten, demokratisch, werteorientiert, offen für Diskussion.

Die Bewahrung der Schöpfung treibe ihn an, hat Simon einmal in einem Interview mit dieser Zeitung betont. Dieses Ziel hat ihn früh zum Sympathisanten der westdeutschen Friedens- und Umweltbewegung werden lassen, die in den 1970er Jahren im Umfeld der Kirchen entstand.

Naturfreund und Gartenliebhaber

Ein besonderes Anliegen war und ist Eckhard Simon die Erinnerungskultur. Bei Gedenkveranstaltungen fand er eindringliche Worte gegen das Vergessen und mahnt heute immer wieder, historische Verantwortung ernst zu nehmen. Für ihn ist Geschichte nichts Abgeschlossenes, sondern Auftrag für die Gegenwart. Auch deshalb engagiert er sich mit seiner Frau Gudrun Sickert von Beginn an beim Schmalkalder Bündnis für Demokratie.

Auch die Natur liegt ihm am Herzen. Als engagierter Mitstreiter im Umwelt- und Naturschutz setzte er sich für den Erhalt von Bäumen und Grünflächen ein – oft mit Nachdruck, aber immer mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Schönheit und Schutzwürdigkeit der eigenen Umgebung zu stärken. Seine geführten Spaziergänge und Beiträge zu lokalen Themen haben viele Menschen dafür sensibilisiert. Eckhard Simon ist eine jener Persönlichkeiten, die eine Stadt nicht nur begleiten, sondern prägen. Sein Wirken verbindet Glauben, Verantwortung und Tatkraft.

Eckhard Simon wurde 1941 im schlesischen Kreisewitz geboren. Der Krieg hatte seine Familie, der Vater, ein Pfarrer, nach Nordhessen vertrieben. Nach dem Abitur in einem ländlichen Gymnasium folgte Simon dem Vorbild seines Vaters und studierte Theologie in Göttingen. 1970 trat er bei Hofgeismar seine erste Pfarrstelle an. Wenige Jahre später wechselte er ins Waldecker Land und betreute fünf Dörfer. 1992 trat er seine dritte und letzte Stelle in Schmalkalden an.