70 Jahre Gagen Karneval kennt kein Alter

Annett Recknagel

Die Viernauer Gagen feierten ihren 70. Geburtstag und 24 befreundete Vereine kamen zur Gala in die Haseltal-Halle.

"Das ist meine erste Gala“, verkündete Gagen-Präsident Dustin König und wollte dem Präsidenten des Landesverbandes der Thüringer Karnevalisten einen Orden verleihen. Christoph Matthes aber musste sich noch einige Sekunden gedulden. Oh, oh – wo war bloß der Orden? Mit Vollgas wurde er auf die Bühne geschafft und Prinzessin Stella I. vom Stöpferstal waltete ihres Amtes. Die anwesenden 24 befreundeten närrischen Vereine waren mit diesem wertvollen „Blech“ schon ausgerüstet.

Vor Beginn der großen Gala in der Haseltal-Halle nahmen die Gagen die Geschenke in Empfang. Die Tische füllten sich, selbst ein riesiger Schinken war darunter. Der Saal füllte sich. Die Parkplätze wurden knapp. Die Gagen begannen sich zu entspannen. Vor zehn Jahren hatten sie die letzte Gala in dieser Größenordnung in der Haseltal-Halle in Steinbach-Hallenberg gefeiert. Kleinere fanden bis 2020 freilich immer in Viernau statt. Zum Jubiläum aber musste es etwas Besonderes sein. Und deshalb packten im Vorfeld alle an. „Der gesamte Elferrat ist seit Mittwoch am Schaffen“, sagte Frank Herrmann und sprach von 40 Leuten. 30 Tische mit je 24 Stühlen waren gestellt worden. Die schaffte man aus Steinbach-hallenberg, Viernau und Schmalkalden heran. Und am Samstag waren sie alle besetzt. Ein großes Lob ging an Andreas Panke und sein Team, die für die Technik zuständig waren. Überhaupt hatte sich die Halle in einen närrischen Tempel verwandelt. Die Dekoration ließ selbst die Sportgeräte verschwinden. In Bühnennähe wurde man bei jedem Tusch entsprechend durchgerüttelt. Die beiden Moderatoren Fips und Hase machten ihre Späßchen und brachten das Publikum schon nach fünf Minuten zum Schunkeln.

„Es gibt kein Bier auf Hawaii“ – ein Gassenhauer, bei dem man ohnehin nicht still sitzen kann. Fesche Mädels legten eine flotte Sohle auf die Bühne. Beine hoch und in den Spagat. Wow. Das Elferratsballett begeisterte ebenso wie die Teenie Dance Group Haseltal. Hier zeigten neun Tanzmariechen wie gut sie zusammen agieren. Dazu kamen freilich etliche Tanzeinlagen befreundeter Vereine aus Erfurt, Wasungen, Suhl, Eichsfeld, Ilmenau und Geisa. Die Stimmung erlebte einen Höhepunkt mit dem Auftritt der Bürgerwehr – in der Viernauer und Springstiller Narren agieren. Dazu Büttenreden. Themen wie das Killervirus, Klimaktivisten, Genderei, natürlich Späße über die Bundesregierung zogen sich durch den Abend. Lacher hier und Lacher dort. Das ist Karneval. Man sollte freilich nicht alles so ernst nehmen. Das Programm zog sich bis Mitternacht. Die Hot Sticks trommelten, was das Zeug hielt. Einen „Flug ins All“ gab es ebenso zu beobachten wie „Flotte Omas“ das Tanzbein schwangen. DJ Tommy trat mit dem Mottoschlager auf. Das lautete übrigens: „Dicke Schlüpfer, Schnaps im Glas, Karneval macht immer Spaß“. Selbst der König von Deutschland, Wieland Henze vom Handwerker Carnvelasverein aus Weimar, fehlte nicht. Er fragte: „Darf man vegane Bratwurst mit Falschgeld bezahlen?“ Wenn man die Ohren spitzte, dann konnte man Dinge erfahren, die es mitunter gar nicht gibt. Was wäre die Welt ohne Narretei? In der Haseltal-Halle jedenfalls steppte der Bär bis nach Mitternacht. Am Ende hörten die Gagen viel Dank und Lob. Ein Zeichen, dass die Gala angekommen ist. Und dass alle sehr froh waren, nach der langen Durststrecke wieder feiern zu können – Faszination Karneval eben.

 

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