50 Jahre Stadthalle Suhl Bunte Zeitreise zum goldenen Jubiläum

Mit einem Tag der offenen Tür und der Ü-30-Party fand am Samstag im CCS die Festwoche zum Jubiläum 50 Jahre Stadthalle einen würdigen Abschluss. Viele Suhler und Gäste der Stadt, aber auch ehemalige Mitarbeiter und Leiter des Hauses kamen, um mitzufeiern.

Was wäre Suhl ohne seine Stadthalle? „Eine Stadt mit ländlichem Flair“, sagt Dieter Spieker unumwunden. Für den Hallenchef von 1986 bis 1994 und heutigen Stadtrat ist es wie für viele andere seiner ehemaligen Kollegen eine Ehre, beim Tag der offenen Tür zum 50-jährigen Bestehen der Stadthalle der dabei zu sein. „Ein Glücksfall für Suhl“ sei die Halle, sagt Spieker, während sich um ihn herum im Atrium die Besucher drängen, „ein Glücksfall für die ganze Region.“ Denn die Stadthalle – nicht die Schönste, aber die Beste der einstigen DDR wie er sagt – habe seit jeher eine große Strahlkraft weit über die einstige Bezirksstadt hinaus. „Schon damals kamen mehr als die Hälfte aller Besucher von außerhalb – aus einem Umkreis von 100 bis 150 Kilometern.“

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Blick ins Dach und in die Stargarderobe

Das kann die aktuelle CCS-Chefin Diana Schneider bestätigen. Sie führt das Haus mit dem angeschlossenen Ottilienbad seit 2017 durch eine turbulente und schwere Zeit. „Dank unserer starken und engagierten Mannschaft schauen wir wir jetzt wieder nach vorn, wollen das Haus als wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Stadt wieder mit Leben füllen“, sagt sie. Ohne die vielen Mitarbeiter, die ehemaligen Leiter des Hauses und deren engagierten Arbeit würde es das aus der im Herbst 1992 geschlossenen Stadthalle hervorgegangene und im Dezember 1995 nach Umbau eröffnete CCS nicht geben. Nach der wirtschaftlich schwierigen Corona-Zeit sei es jetzt wichtig, dass die Menschen wieder zu Veranstaltungen kämen. „Die gibt es noch sehr viel Unsicherheit.“ Sehr froh sei sie, auch in diesem Jahr wieder das Fernsehen für Produktionen im Haus zu haben. „Das ist eine sehr schöne Zusammenarbeit, ein wirtschaftlich wichtiges Standbein und für das Image des Hauses und der ganzen Stadt ein unbezahlbarer Gewinn“ sieht sie es. Schon am Montag beginnnen erste Aufbauarbeiten für die TV-Shows.

Gemeinsam mit ihren rund 40 Mitarbeitern hat Schneider die Festwoche und den Tag der offenen Tür seit Wochen vorbereitet. Bei 90-minütigen Führungen, etwa mit dem früheren langjährigen Veranstaltungschef Matthias Rolfs, erfahren die Besucher allerhand Wissenswertes zu der Halle, können hinter sonst verschlossene Türen, wie etwa die der Stargarderobe blicken oder Technikräume und sogar das Dach besichtigen, wo im Sommer Bienenstöcke aufgestellt waren. Ihr Honig – in drei Geschmacksrichtungen exklusiv abgefüllt in 300 Gläser – findet bei den Besuchern ebenso reißenden Absatz wie die in einer Auflage von 1500 Stück gedruckte, hochwertige Jubiläumsbroschüre. Auch an den eigens zum Jubiläum angefertigten nostalgischen Kaffeekännchen mit Stadthallenlogo können viele nicht vorbeigehen. „Das Interesse an der Vergangenheit ist groß“, sagt Elke Kolb. Die langjährige frühere Mitarbeiterin unterstützt wie viele andere „Ehemalige“ das CCS-Team und betreut den Verkaufsstand im Atrium mit, wo zahlreiche andere Stände, ein Glücksrad und Unterhaltungsangebote für die ganze Familie, etwa vom Verein „Kids in action“, zum Schauen, Kaufen oder Mitmachen einladen. Bei einer digitalen Ausstellung können die Besucher im Bankettsaal Kaluga mit bewegten Bildern auf Zeitreise in die Geschichte des Hauses gehen und viele in Erinnerungen schwelgen.

Erinnerungen aus erster Hand

Auch die frühere langjährige CCS-Chefin Brigitte Schulze hat zum Jubiläum den Weg aus ihrer neuen Heimat Erfurt nach Suhl gefunden. „Klar, dass ich die Entwicklung des Hauses auch aus der Ferne verfolge und auch heute hier bin“, sagt sie. Sie erinnert sich mit Blick auf die einstige Stadthalle vor allem an die Galerie am Herrenteich, die sie damals betreute und in der ein gutes Dutzend Ausstellungen im Jahr gezeigt wurden. „Der offene, zweietagige Raum hatte eine geniale Atmosphäre. Da war immer Leben“, blickt sie mit etwas Wehmut zurück.

Noch gut erinnert sich Werner Köhler an die Eröffnung der Stadthalle. „Am 6. November 1972 gab es eine Eröffnungsfeier für die Bauleute, zwei Tage später dann eine große Festveranstaltung zum 55. Jahrestag der Oktoberrevolution mit dem Omsker Volkskunstensemble“, sagt der allererste Stadthallendirektor, der seit Januar 1969 als Leiter der Arbeitsgruppe Stadthalle den Bau von der Grundsteinlegung am 22. März 1969 bis zur festlichen Eröffnung am 7. November 1972 begleitete und anschließend das Haus fünf Jahre leitete. Heute gehe er mit gemischten Gefühlen durch die Halle. Zuletzt war er als Gast beim Konzert mit Max Raabe. „Es ist schade, dass nach dem Umbau keine großen Sportveranstaltungen mehr möglich sind. Das waren große Publikumsmagneten, die auch viel zu einer guten Auslastung des Hauses beigetragen haben“, bedauert er.

Stars und Sternchen live in Suhl

Mit der früheren Stadthalle und dem heutigen CCS in Suhl die besucherträchtigste Veranstaltungsstätte Südthüringens zu haben, erfülle ihn und viele Suhler mit Stolz, sagt Oberbürgermeister André Knapp. Gerne erinnere er sich an die vielen Veranstaltungen, die er selbst in der Halle miterleben konnte. „Einige sind mir heute noch eindrucksvoll in Erinnerung, aber auch die ,Pizzeria’ , als eine der ersten in der DDR.“ Millionen Gäste hatten in der Stadthalle und später im CCS das Vergnügen, internationale Stars und Sternchen live zu erleben. „Hier begannen Welttourneen und Suhl war Gastgeber für Weltstars aus verschiedensten Kulturbranchen und Sportarten.“ Die Stadthalle der Freundschaft habe ihrem Namen alle Ehre gemacht, sieht es Knapp.

Er und die vielen Gäste des Tages, aber auch die Suhler und Besucher von außerhalb hoffen auf mindestens 23 weitere Jahre, um in Suhl 2045 dann auch das Jubiläum 50 Jahre CCS feiern zu können. Der Tag klang am späten Abend in Erinnerung an die vielen früheren stimmungsvollen Disco- und Tanzveranstaltungen mit der legendären Ü-30-Party und Tanz auf allen Sälen aus. Damit schloss sich gewissermaßen ein Kreis, denn auf den Tag genau vor 50 Jahren fand mit der Kapelle „Impression“ aus Eisenberg die erste Jugendtanz-Veranstaltung in der neuen Stadthalle statt.